12.10.2026
Ist das die Lösung? Über ein halbes Jahr lang haben die Teams und Fahrer der Rallye Dakar gezittert, ob die härteste Rallye der Welt im kommenden Januar stattfinden kann – oder wegen des Nahostkriegs abgesagt werden muss.
Seit den letzten Tagen der Rallye Marokko, dem vorletzten Lauf zur Marathonrallye-WM, zeichnet sich ab: Die Veranstalter der Dakar planen zweigleisig. Neben dem weiterhin geblockten Termin vom 1. bis zum 15. Januar 2027 in Saudi-Arabien gibt es eine Alternative – in Marokko.
Dort könnte vom 8. Januar eine insgesamt acht Etappen umfassende Wüstenrallye stattfinden.
Die Informationen sind noch unter der Decke. Je nach Quelle, solle die Entscheidung Ende dieser Woche oder bis Ende November folgen und dann auch öffentlich gemacht werden. Und ebenfalls je nach Quelle, sei auch geplant, die Alternativ-Dakar nach altem Vorbild in Europa zu starten, dann übers Mittelmeer nach Nordafrika übersetzen und in Marokko enden zu lassen. Der Start würde dann in Portugal erfolgen.
In der Marathonrallyeszene gehen die weitaus meisten Teilnehmer davon aus, dass eine Auflage in Saudi-Arabien wegen des Nahostkriegs nicht möglich sein werde: Das Scheichtum steht wird sowohl vom Iran als auch von den Huthi-Rebellen immer wieder angegriffen, die Lage, so heißt es, so für eine Marathonrallye ziemlich finster.
Selbst wenn die Veranstalter und die saudi-arabischen Partner mit Sicherheitsgarantien und -versprechen aufwarten können, dürfte es unmöglich bleiben, die Veranstaltung und die Teilnehmer zu versichern. Das ist auch bei den abgesagten Formel 1-Grands Prix im Nahen Osten der Casus Knacktus gewesen: Wer freiwillig in ein Kriegsgebiet reist, riskiert jeglichen Versicherungsschutz für sich selbst, seine Mitarbeiter und sein Material.
Sollte das größte Abenteuer des Motorsports ab dem 8. Januar nach Marokko ausweichen, dann aus rechtlichen Gründen wohl nicht unter dem Namen „Rallye Dakar“ – sondern umgetauft.
Marokko gilt aber in der Marathonrallyeszene als ideale Alternative. Denn das nordafrikanische Land weist eine lange Rally Raid-Tradition auf – und mit seinen großen Wüsten samt unterschiedlich ausgeprägter Dünen, mit seinen Gebirgszügen und ausgetrockneten Flussbetten auch genau jene landschaftliche Vielfalt beim Gelände, die man für eine höchst anspruchsvolle Marathonrallye braucht.
Praktischer Nebeneffekt: Wegen der Zeitzone gibt es auch keine so großen Zeitunterschiede zu Europa wie bei den südamerikanischen Ausgaben der Dakar nach der ersten Absage wegen Terrors in Mauretanien, sodass die Öffentlichkeit genauso gut informiert werden könnte wie aus Saudi-Arabien heraus.
Der Fall der Rallye Dakar 2027 ist nicht die einzige Angelegenheit, in der Motorsportveranstalter gerade zweigleisig fahren, um vom Nahostkrieg nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Die FOM, also die Austragungsgesellschaft der Formel 1, hat zwar gerade erst versichert, dass die letzten beiden Grands Prix in Katar und Abu Dhabi Ende November und an Nikolaus fest eingeplant seien. Doch parallel werden auch schon in Imola Tribünen aufgebaut. Denn die Piste bei Bologna ist Ausweichort für ein Saisonfinale ohne Nahen Osten.
Die Marathonrallye-WM muss dieses Jahr auch noch in den Nahen Osten: Dort soll vom 22. bis 27. November die Desert Challenge in Abu Dhabi stattfinden, der letzte WM-Lauf des Jahres.