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24.06.2026

Hitze als Wender?


Bringt die Omega-Wetterlage die Wende? Seit Europa unter einer Hitzewelle ächzt, hat sich das Kräfteverhältnis in der Formel 1 auf den kopf gestellt. In Barcelona, der ersten Hitzeschlacht des Jahres, konnte plötzlich Lewis Hamilton im Ferrari gewinnen. Und am Wochenende wirft das Wetter in der Steiermark gleich den nächsten Glutofen an. Also: Wankt Mercedes wirklich?

Die Wahrscheinlichkeit ist so hoch wie noch nie in diesem Jahr Denn: Nicht ein einzelnes Upgrade hat Ferrari in Barcelona schnell gemacht – sondern erstmals arbeitet das gesamte Auto in seinem optimalen Arbeitsfenster. Und das kann man für den ehemaligen Österreichring reproduzieren.

Die Aerodynamik ist endlich korreliert. Das war Ferraris großes Problem seit Saisonbeginn. Im Windkanal funktionierten neue Teile. Auf der Strecke dagegen oft nicht. In Barcelona war erstmals sichtbar: Vorderachse, Unterboden, Heck und Diffusor arbeiten harmonisch zusammen.

Dadurch entstehen weniger Balanceschwankungen während eines Törns. Gerade Hamilton profitierte enorm davon.
Die Reifen bleiben deutlich kühler, Ferrari hat die Luftführung und den Hinterradbereich so verändert, dass weniger Wärme in die Hinterreifen gelangt.

Das führt zu stabileren Reifendrücken, größerer Auflagefläche, weniger thermischem Abbau und konstanterem Grip bis zum Ende eines Törns. Barcelona mit über 50 Grad Asphalttemperatur war dafür der ideale Härtetest. Und solche Werte stehen auch in den Alpen zu erwarten.

Hamilton fährt inzwischen anders. Er versucht nicht mehr, den Ferrari wie einen Mercedes zu fahren. Er fährt inzwischen runder, mit weniger aggressivem Einlenken – und schont dadurch zusätzlich die Hinterreifen.
Barcelona war also ein technischer und menschlicher Wendepunkt.

Warum ist Österreich jetzt der eigentliche Test?

Barcelona besitzt viele lange Kurven, hohe Dauerbelastung, benötigt aber relativ wenig Traktion aus langsamen Ecken.
Spielberg dagegen verlangt harte Beschleunigung, viele Vollgasanteile, starke Rekuperation – und eine deutlich andere Fahrzeugbalance.

Und gerade bei der Energierückgewinnung kommt der zweite Handlungsstrang bei Hitzeschlachten ins Ziel: das Elektrikproblem bei Mercedes, das bei Sommerwetter auftritt.

Das eigentliche Problem ist nicht der Akku selbst, wie zuerst vermutet. Mercedes spricht intern von elektrischen Blackouts. Und: Man habe dieselben Defekte auf den Prüfständen nie reproduzieren können.

Nicht jede Überhitzung zerstört die Akkus. Vielmehr führt unter Rennbedingungen ein komplexes Zusammenspiel aus Akkus, Leistungselektronik, Inverter, Software, Temperatur und Vibrationen zum Ausfall.

Auf dem Prüfstand simuliert man perfekte Kühlung, konstante Temperaturen, aber auch keine Bodenwellen, keine Wirbelschleppen des Vorausfahrenden.

Auf der Strecke dagegen fährt man genau in dieser „Dirty Air“, hat starke Vibrationen, brutale Schläge von den Kantsteinen, wechselnde Temperaturen und permanente Lade- und Entladezyklen. Erst diese Kombination bringt das System an seine Grenze.

Wenn die Batterie zu heiß wird, muss Mercedes die Rekuperation reduzieren, die elektrische Leistung begrenzen und die Lade- und Entladespitzen glätten. Dadurch sinkt zwar die Spitzenleistung, aber das Risiko eines kompletten Blackouts ebenfalls. Deswegen muss Mercedes den W17 bei Hitze bewusst unter dem eigentlichen Potenzial betreiben.
Genau deshalb sprechen italienische Medien davon, dass Mercedes möglicherweise gezwungen ist, die W17 bewusst unter ihrem eigentlichen Potenzial zu betreiben.

Und da die Ursache tatsächlich Packaging, Kühlung und Hochvoltkomponenten betrifft, kann man nicht einfach am Freitagmorgen ein neues Teil einbauen.

Daher muss Mercedes zunächst über Software, Energiemanagement und konservativere Motormodi arbeiten, bevor größere Hardware-Änderungen möglich sind.

Ausgerechnet in dieser Phase erstarkt Ferrari. Die SF-26 waren nie grundsätzlich schlecht. Ferrari hat endlich verstanden, wie das Auto gefahren und abgestimmt werden muss. Die Upgrades bauen logisch aufeinander auf und sind kein einmaliger Glückstreffer. Besonders die bessere Kontrolle der Hinterreifentemperaturen und die stimmigere Aerobalance sind technische Verbesserungen, die nicht von einer einzelnen Strecke abhängen. Mercedes’ Problem ist gravierender als ein einfacher Defekt einer Batterie. Solche Probleme lassen sich selten innerhalb eines Rennwochenendes vollständig beheben.

Das macht den Großen Preis von Österreich zu einem echten Gradmesser: Bleibt Ferrari auch dort auf Augenhöhe und muss Mercedes weiterhin mit konservativen Energieeinstellungen fahren, könnte sich das Kräfteverhältnis an der Spitze tatsächlich dauerhaft verschieben.


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