23.07.2026
Es ist der wohl merkwürdigste Bieterwettstreit seit langem. Beide Freier stammen aus demselben Haus, und beide werben um dieselbe Buhlschaft: den chinesischen Autohersteller BYD. Sowohl die Veranstalter der Formel 1 als auch jener der MotoGP wollen das Schreckgespenst der deutschen Autobauer in ihren Dunstkreis holen.
Beide Serien gehören inzwischen der Agentur Liberty Media. Eigentlich wollten die Amerikaner eine klare Abgrenzung schaffen: Formel 1 für woke Konzerne, MotoGP für nonkonformistische Individualisten. Doch schon bei der ersten möglichen Schnittmenge kriegen beide sich in die Haare.
BYD sucht nach einer Möglichkeit, ihre Autos konkret zu bewerben – nachdem man mit Engagements im Fußball zunächst das Logo und den Markennamen bekannt gemacht hat, möchten die Chinesen nun auch zeigen, was hinter dem kryptischen Kürzel für Produkte stecken. Das geht nur, wenn man genau vor der relevanten Zielgruppe wirbt, und die erreicht man nur dann ohne Streuverluste, wenn man sich im Motorsportumfeld präsentiert.
Zunächst hatten die Chinesen sich dafür die MotoGP ausgesucht. Doch deren Veranstalter konnten mit den Asiaten nicht allzu viel anfangen: Früher gab es innerhalb des Rennwochenendes der Motorrad-WM noch eine eigene Serie für Elektromotorräder. Als diese MotoE abgeschafft wurde, hatten die WM-Ausrichter nach eigenem Bekunden keine Verwendung mehr für BYD, sahen keine Anknüpfungspunkte.
Sie hatten einfach verschlafen, dass BYD nicht nur reine Elektroautos baut, sondern auch Hybridmodelle.
Und sie wollten lieber deutsche Premiumhersteller, die ihnen ihr Safetycar für die MotoGP samt der Rahmenrennen stellen und dafür zahlen, schwärmten von BMW und Porsche. Dann mussten sie realisieren: Die Deutschen haben vor lauter Kostensenkungszwang jegliche zielgruppengerechte Reklame eingestellt, geben also auch kein Geld für Marketing und Aktivierung im entsprechenden Umfeld mehr aus.
Als die Träume von Porsche oder BMW als MotoGP-Partner platzten, wandte man sich wieder an BYD. Doch dort wehte inzwischen ein anderer Wind: Christian Horner, bei Red Bull wegen zu großen Einfluss’ geschasster Formel 1-Teamchef, hatte einen Draht zur Konzernleitung aufgemacht – und die davon überzeugt, dass richtig effektive Werbung nur dann was bringt, wenn es nicht nur um Image, sondern auch um einen konkreten Technik- und Produktbezug geht. Sprich: Wenn man ein eigenes Rennauto hat, das nicht nur den eigenen Namen, sondern auch die Technik trägt.
Natürlich aus Horners Sicht am besten in der Formel 1. Denn in anderen Kategorien, wie etwa bei den 24 Stunden von Le Mans, kennt der Engländer sich nicht aus. Dabei waren BYD-Leute im Juni noch zuhauf im Fahrerlager von Le Mans unterwegs, immer wieder sah man Chinesen mit BYD-Hemd oder -Bluse. Denn eigentlich wollte BYD das Alpine-Team kaufen. Denn deren Besitzer hatten ihnen vorgegaukelt, das sei ein Werksteam von Renault, obwohl es in Wahrheit nur Badge Engineering ist.
Und genau das will BYD nach den Horner’schen Einflüssen eben nicht. Alles soll originär und authentisch sein. Das Geld dazu, sich ein Formel 1-Team zu leisten, haben die Asiaten, und in Alpine – dem Formel 1-Team, nicht dem Langstrecken-Angängsel von Philippe Sinault – steht auch gerade ein Grand Prix-Rennstall zum Verkauf. Horner will BYD schmackhaft machen, das Team zu übernehmen und dann zu einem eigenständigen Rennstall umzubauen, mit dem Engländer als großem Vorsitzendem.
Eins ist klar: Es würde mit Sicherheit ein Erfolg werden. Und es würde auch in Windeseile an Audi mit seinen hilflosen Versuchen vorbeiziehen.
Die Frage ist nur: Spielt BYD mit und nimmt so viel Geld in die Hand – oder gehen die Chinesen den alternativen Weg – ihre Serienwagen als Safetycars und Offiziellenfahrzeuge bei der MotoGP einem etwas kleineren, aber ebenfalls kaufkräftigen Publikum zu präsentieren? Bei der MotoGP wären die Kosten niedriger, die Möglichkeiten für Aktionen rundrum größer und die Kosten geringer. Die Formel 1 klotzt mit Riesenreichweite und mit dem Mythos von Luxus und Eliten.
BYD hat beide Konzepte auf dem Tisch – und möchte sich binnen der nächsten zwei Wochen entscheiden. Egal wie der Wettstreit ausfällt – er wird auf jeden Fall eine Bereicherung für den Motorsport und ein Riesenproblem für die deutschen Hersteller.