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26.10.2022

Ehrenrunde mit Folgen


Seit ein paar Rennen schon geht es um die Wurst. Mick Schumacher kämpft um seine Formel 1-Zukunft, und sein Haas-Team macht daraus ein öffentliches Schaufechten. Sowohl Eigner Gene Haas als auch Teamchef Günther Steiner üben über die Medien gezielt Druck auf den Sohn des siebenfachen Weltmeisters aus, und sie setzen dabei fein ziselierte Nadelstiche.

Klar ist: Mick Schumacher ist in diesem Jahr hinter seinen Erwartungen zurückgeblieben. Zwischendurch sah es mal so aus, als wiederhole sich seine persönliche Vita: als würde der Knoten mitten in seiner zweiten Saison in der Königsklasse platzen, genau so wie es in den unteren Ein- und Aufsteigerformeln auch der Fall gewesen ist.

Doch nach einem kurzen Silberstreif am Horizont stellte sich wieder Stagnation ein, und genau darauf hacken die Rennstallgranden jetzt herum. Für Mick Schumacher ist die Situation heikel: Zwar tut er in allen Interviews so, als perle der Druck an ihm ab. Doch wie es in einem Formel 1-Fahrer in vergleichbarer Situation wirklich aussieht, das hat gerade erst Carlos Sainz jr. in einem bemerkenswert offenen Gespräch mit Reporterin Inga Stracke verraten, für ein aufwändiges Psychogramm in der neuen Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK. Da enthüllt der Madrilene frank und frei: Vertragliche Unsicherheit nagt an einem Fahrer, nimmt ihm jenes letzte Schüsschen Verve und Mut, aber auch Unbekümmertheit, die man braucht, um sich bis ans absolute Limit zu wagen. Plötzlich wird jeder Dreher, jeder Unfall zu einem Weltuntergang, man verkrampft innerlich und baut sich eine Sicherheitsreserve ein, um ja nicht noch mal was kaputtzumachen.

Genau diese Sicherheitsreserve sorgt dann aber direkt dafür, dass man nicht mehr schnell genug ist, um etwa gegen den eigenen Teamkollegen zu bestehen – und der, so sagt ein altes Formel 1-Sprichwort, ist immer dein härtester Gegner. Denn er fährt mit identischem Material, ist also eine direktere Messlatte als alle Anderen, die mit unterschiedlichen Autos unterwegs sind.

Mick Schumacher sieht gegen seinen eigenen Teamkollegen Kevin Magnussen nicht gut aus. Dabei zeigt die Historie: Auch der Däne aus der Festivalstadt Roskilde ist für die absolute Spitze der Formel 1 nicht stark genug. Damit stellt sich Schumacher dank des internen Duells selbst ein schlechtes Zeugnis aus.

Trotzdem gibt es Gründe, ihn nicht abzuschießen. Zehn Stück: die Buchstaben seines Nachnamens. Genau wie einst Bruno Senna, der Neffe des unvergessenen Ayrton, hilft solch’ ein Name, Türen zu öffnen. Bruno Senna hat deswegen sogar extra den Nachnamen des Onkels angenommen, obwohl er eigentlich per Geburt Bruno Lalli geheißen hatte. Der Nachname Senna führte ihn dann bis zu Williams in die Formel 1.

Wetten, dass es Mick Schumacher jetzt genauso geht? Denn hinter den Kulissen bahnt sich die nächste Wende in der Porsche-kommt-in-die-Formel 1-Saga an: Angeblich soll bereits an diesem Wochenende beim Grand Prix in Mexiko verkündet werden, dass Porsche nun 50 Prozent der Anteile von Williams übernehmen wird – nachdem derselbe Deal mit Red Bull ja bekanntlich auf den letzten Drücker geplatzt ist.

Williams ist nur zweite Wahl. Denn die Mannschaft ist technisch und in Sachen Infrastruktur immer noch hinterdrein. Aber auf lange Sicht würde eine Kooperation zwischen Porsche und Williams Sinn ergeben. Zumal dann zwei Riesennamen zusammenspannen würden, mit Tradition und Geschichte: Das Team Williams ist neben Ferrari und McLaren eine von drei Ikonen, auf denen die Formel 1 ihren Mythos aufbaut – und über Porsche braucht man sowieso keine Worte zu verlieren. Neben Ferrari gibt es keine größere, mit Mythos und Pathos aufgeladene Automarke auf der ganzen Welt. Corvette und Honda sind in ihren Heimatregionen vergleichbar, aber international verfügen lediglich Porsche und Ferrari über echte Spannweite.

Die Elefantenhochzeit im Wartestand ist die große Chance für Mick Schumacher. Dockt er jetzt schon für 2023 bei Williams an, hat er drei Jahre Zeit, mit dem Team zu wachsen – und zusammen mit dem Team zu wachsen. Schumi jr. passt zu den Engländern, beide Parteien sind echte Racer ohne Marketing- und Politdünkel. SIe sind der Sache, des Sports wegen in der Formel 1.

Der Einstieg von Schumacher bei Haas war geknüpft an eine übersteigerte Erwartungshaltung, maßgeblich aufgebaut vom Druck der deutschen Medien. Bei Williams, noch ausgewiesene Hinterbänkler, erwartet keiner etwas. Weder vom Team noch von den Fahrern. Das ist genau das Umfeld, das Mick Schumacher jetzt braucht: Ruhe, um zu reifen, sein Potenzial zu entfalten – und dann auf dem Zenit seines Schaffens zu sein, wenn Porsche seinen großen Namen braucht. Manchmal führen eben auch Ehrenrunden zum Ziel, und aus vermeintlichen Notlösungen werden aus heiterem Himmel Matches Made in Heaven.


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