+++ 2024-08-29 19:14 : Blog – warum will niemand Mick Schumacher? +++ 2024-08-18 11:14 : Blog – der unsinnigste Vergleich des Jahres +++ 2024-08-08 17:24 : Podcast – Erinnerungen an Speedwaystar Tommy Dunker. Interview von Norbert Ockenga mit Weggefährte und Rivale André Pollehn +++
BACK

13.10.2019

Die Geschichte von Bamthoor


Wir schreiben das Jahr 2016. In den engen Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau treffen Earl Bamber und Laurens Vanthoor erstmals aufeinander. Beim GT-Weltcup steuert Bamber einen Porsche 911 GT3 R, Vanthoor einen Audi R8. Beim Finale um den Titel überholt der Porsche-Werksfahrer seinen belgischen Kontrahenten mit einem spektakulären Manöver, liegt in Führung. Wenige Kurven später verliert Vanthoor die Kontrolle über sein Fahrzeug, kracht in die Mauer neben der Strecke. Funkensprühend rutscht er auf dem Dach liegend über die Strecke. Bilder, die um die Welt gehen. Das Rennen wird abgebrochen und nicht wieder gestartet, die Runde vor dem Unfall gewertet. Vanthoor gewinnt den Titel, Bamber den Respekt seines Rivalen.

Heute sind beide Porsche-Werksfahrer – seit zwei Jahren Teamkollegen, beste Freunde und nun Champions der IMSA WeatherTech SportsCar Championship. Mit Platz 5 beim abschließenden Rennen der Saison 2019 haben der zweifache Le Mans-Gesamtsieger Earl Bamber und Laurens Vanthoor ihre perfekte Zusammenarbeit mit dem Gewinn des Fahrertitels in der GTLM-Klasse gekrönt. Das erfolgreiche Duo im Porsche 911 RSR feierte Siege in Long Beach, Mid-Ohio sowie im kanadischen Bowmanville und stand zudem bei den Rennen in Daytona, Lime Rock, auf der Road America und auf dem Virginia International Raceway auf dem Podest.

Den Respekt, den beide drei Jahre zuvor bei ihrem ersten Aufeinandertreffen gewonnen haben, ist in der Zusammenarbeit weiter gewachsen. „Genau das ist eines unserer Erfolgsrezepte“, sagt Vanthoor, dem Bamber den Spitznamen Larry verpasst hat. „Earl und ich haben höchsten Respekt voreinander. Wir sagen uns jederzeit alles ganz offen, haben keine Geheimnisse. Natürlich haben auch wir das typische Rennfahrer-Gen in uns. Jeder von uns will schneller sein als alle anderen. Aber in unserer Zusammenarbeit spielt solches Konkurrenzdenken keine Rolle. Für Eitelkeiten ist bei uns kein Platz. Wir haben beide unsere Stärken. Wenn wir diese voll einbringen, sind wir gemeinsam umso erfolgreicher.“

Der 28-jährige Belgier mit Wohnsitz in der Nähe der Porsche-Heimat Stuttgart und der ein Jahr ältere Neuseeländer mit Lebensmittelpunkt in Kuala Lumpur harmonieren auf und neben der Strecke perfekt. „Und das, obwohl wir recht unterschiedlich sind“, sagt der Porsche-Supercup-Champion von 2014, Earl Bamber. „Dennoch verbindet uns eine sehr enge Freundschaft, die weit über unsere gemeinsamen Einsätze als Werksfahrer von Porsche hinausgeht.“

Vanthoor und Bamber haben in der Saison 2019 fast 20 Rennen und Tests zusammen bestritten, dabei viel gemeinsame Zeit in Hotels, an Rennstrecken und in Flugzeugen verbracht. „Trotzdem kommt Earl in seiner Freizeit immer bei uns zum Essen vorbei, wenn er in Stuttgart ist. Sogar in meinem Urlaub mit der Familie war er ein paar Tage mit uns zusammen“, sagt Vanthoor. „Manchmal frage ich mich, wen ich häufiger sehe: meine Frau oder Earl? Das ist schon außergewöhnlich. Und es ist schön so. So schön, dass Porsche große Mühe haben wird, uns als Fahrerduo jemals zu trennen.“

Auch ihr Ausdauertraining bestreiten die frischgebackenen Champions häufig gemeinsam. In der heimischen Werkstatt der Familie Vanthoor baute der Belgier für seinen Kollegen ein Custom-Rennbike auf. Und so geht es auf Tour. „Bei diesen gemeinsamen Ausflügen auf dem Rad haben wir immer viel Spaß. Wir verbringen privat mehr Zeit zusammen als andere Fahrerduos. Wenn wir losziehen, dann passieren schon manchmal Dinge, die besser nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten“, sagt Vanthoor mit einem Schmunzeln und ergänzt: „Bei uns beiden ist es wie in einer Ehe. Wir mögen und respektieren uns, sind aber nicht immer der gleichen Meinung. Doch damit können wir umgehen. Wir finden immer eine Lösung, mit der wir beide leben können. Das macht uns stark.“

Die besondere Beziehung der Porsche-Werkspiloten, die seit 2018 gemeinsam in der nordamerikanischen Sportwagenserie fahren, kommt auch bei den Fans bestens an. „Das wird dadurch deutlich, dass es mittlerweile den recht weit verbreiteten Hashtag #BamThor gibt“, schildert Vanthoor, der beim Einsatz des Meisterduos bei allen Rennevents für das Qualifying zuständig ist. „Diese Idee kam gar nicht von uns selbst, sondern aus Fankreisen. Die Leute merken, dass wir gut harmonieren und eine enge Freundschaft pflegen. Wir haben das dankbar übernommen“, sagt Bamber. Unter dem Label „#BamThor“ vertreiben die beiden Porsche-Piloten mittlerweile eigenes Merchandising-Material für die Fans, die bereits gespannt auf ein Meisterschaft-Shirt warten.


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 20.05.2026

    Wal Timmy in der Formel 1

    Es bleibt nur Staunen. Vor mehr als zwei Jahren schon habe ich ein langes Telefonat mit Mario Illien geführt – jenem Schweizer, der zu Zeiten der Dominanz mit Mika Häkkinen im Werk…
  • 10.05.2026

    Wasserstoff-Toyota in Le Mans!

    Der Wasserstoffrevolutionär lebt. Im Vorprogramm des 24-Stundenrennens von Le Mans wird in diesem Juni der neue Toyota-Sportprototyp, dessen Motor Wasserstoff statt Benzin verbrenn…
  • 29.04.2026

    Audi macht alles falsch

    Audi hat den Offenbarungseid geleistet. In der Woche vor dem Neustart der Formel 1 hat Audi-Teamchef Mattia Binotto gestanden, dass die Softwarekalibrierung des Motors nicht gut ge…
  • 25.04.2026

    Den Blick nach vorn

    Sie kennen unsere gemeinsame liebgewonnene Tradition ja inzwischen schon – auch dieses Mal erhalten Sie als einer der besonders treuen Fans und Leser vorab die Möglichkeit, sich da…
  • 23.04.2026

    Menschen im Mittelpunkt

    Hallo lieber PITWALK-Freund, die hohe Kunst des Journalismus besteht darin, außergewöhnliche Themen aufzuspüren. Oder außergewöhnliche Persönlichkeiten als Hauptdarsteller zu find…
  • 20.04.2026

    Die 24 Wunden von Le Mans

    Die ganze Rennserie steht unter Bewährung. Die Sportwagen-Langstrecken-WM hat sich im vergangenen Jahr selbst in die sportliche Bedeutungslosigkeit manövriert. Entsprechend waren d…
  • 26.03.2026

    Audi: willkommen im Mittelmaß

    Das muss man erstmal schaffen. Audi trennt sich nach gerade mal zwei Rennen von einem seiner beiden Teamchefs – und behält den schlechteren des Duos. Die Ingolstädter werfen sich m…
  • 12.03.2026

    Nahost-Entscheidung am 20. März

    Am Samstag sind alle schlauer. Denn es geht von derjenigen Strecke, auf der das Rückgewinnen von Energie zum Aufladen der Akkus am schwersten fällt, auf jene, auf der man mit am be…
  • 10.03.2026

    Die lange Nacht der Stars

    Sogar der Weltmeister gibt sich die Ehre. Wenn bahndienst.com und Inn-Isar-Racing am Mittwochabend im Studio Bayern zum großen Eisspeedway-Talkabend laden – dann kommt selbst Marti…
  • 04.03.2026

    Kuriose neue Welt

    Die Zahl hängt wie ein Damoklesschwert über der Box. Sollte Ferrari am Sonntag in Melbourne den Formel 1-Saisonauftakt nicht gewinnen – dann hätte das automatisch zur Folge, dass m…
  • 12.02.2026

    Vater-Tag

    Ein blondes Teenie-Mädchen läutet einen Generations- und Paradigmenwechsel in der Formel 1 ein. Dabei ist Ella Häkkinen doch nur die jüngste Vertreterin von dominant vererbten Gene…
  • 17.12.2025

    Die Dakar ruft

    Bald geht’s ja schon wieder los. Die Zeit ohne Motorsport hat in diesem Winter bereits am 3. Januar ihr Ende. Denn dann beginnt in Saudi-Arabien wieder die Rallye Dakar – der größt…
2026 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA