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16.09.2016

Deal Braker


Die Erleichterung ist allenthalben spürbar. Seit die Nachricht vom sich konkret anbahnenden Verkauf der Formel 1 an Liberty Media bekannt geworden ist, geht ein kollektives Aufatmen durch die Szene. Endlich ist eine jahrelange Hängepartie zu Ende – nachdem sich dieser Wirtschaftskrimi zwischenzeitlich schon zu einer unendlichen Geschichte auszuwachsen schien.

Zwar kann noch keiner genau sagen, welche Auswirkungen die neuen Besitzverhältnisse haben werden. Aber alle gehen davon aus, dass nun eine bessere Zukunft anbricht.

Dass der Verkauf ausgerechnet vor dem Singapur-Grand Prix festgezurrt wurde, ist ein schöner Zufall – gilt doch das Nachtrennen in dem pingeligen asiatischen Stadtstaat schon seit seiner Gründung unter Insidern eher als Wirtschaftsforum denn als Sportveranstaltung.

Die ungewöhnliche Startzeit von Singapur hat natürlich für europäische Fernsehanstalten ihre Reize und Vorteile. Sie ermöglicht aber auch, dass die vielen Gäste aus der Welt der Wirtschaft tagsüber genug Zeit haben, ihren Treffen, Konferenzen und Besprechungen nachzugehen, bei denen sie Geschäfte anbahnen und abschließen. „B2B“ heißt das im Fachjargon, „Business to Business“; Singapur ist der B2B-Grand Prix schlechthin. Es gilt im Fahrerlager als offenes Geheimnis, dass Treffen hinter verschlossenen Türen, fallweise sogar in Hinterzimmern, einer der Hauptgründe für das noch junge Asia-Rennen darstellen.

Man darf nicht vergessen: Eigentlich wollte Bernie Ecclestone die Formel 1-Holding in Singapur an die Börse bringen. Deswegen konnte „Mister E“ die Interessen der Stadtstaatregierung geschickt unter einen Hut bringen: Fremdenverkehrsförderung – und Stärkung des Finanzplatzes. Für beide Bereiche eignet sich die schwüle Metropole mit ihren kurzen Wegen und ihrem aufgeräumten, noblen Ambiente bestens.
Oder können Sie sich vorstellen, in Hockenheim große Geschäfte abzuschließen?
Eben.

Die wirtschaftliche Komponente der Formel 1 hat sich in den vergangenen Jahren zu einem riesigen Schlamassel ausgemehrt. Der Ausgangspunkt war eine Herzerkrankung von Ecclestone, die einen Klinik-Notaufenthalt erzwang. Der öffnete dem gebürtigen Ipswicher die Augen: Selbst er ist nicht unverwundbar, geschweige denn unsterblich. Also wollte er sein erkleckliches Vermögen so sicher anlegen, dass seine Familie hundertprozentig abgesichert ist – dass aber gleichzeitig keine leichtfertigen Ausgaben von unreifen Kindern oder deren vielleicht zweifelhaften Freunden und Cliquen vorgenommen werden können, zumindest nicht im überbordenden Maße.

Dass das bitter nötig ist, zeigt ein Blick in die einschlägigen bunten Blätter: Die Töchter von Bernie und Exfrau Slavica und deren Lebensgefährten führen ein von Verschwendungssucht geprägtes Leben der Neureichen, Paris Hilton könnte das Geld kaum schwungvoller zum Fenster rauswerfen. Und weil Big Bernie ein Bruder im Geiste von Dagobert Duck ist, jagt ihm dieses exponierte Treiben immer wieder die Zornesröte ins Gesicht.
Die Pläne, sein Vermögen und auch die Formel 1 zukunftssicher zu machen, sind in Schieflage geraten, als er sich mit dem Bezahlfernsehen einließ. Die Geschichte von Leo Kirch, dem deutschen Medienmogul, ist ja hinlänglich bekannt. Kirch hat Zeit seines Wirkens und Lebens eine beachtliche Schneise geschlagen, vom Axel-Springer-Verlag bis hin zur Deutschen Bank. Auch Ecclestone und die Formel 1 sind betroffen.

Ich habe vor meiner Arbeit als Journalist mal eine Ausbildung bei einem renommierten Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferbüro begonnen. Da lernt man zwangsläufig einige Varianten über Firmenkonstrukte und Unternehmensstrukturen kennen. Aber was Ecclestone rund um die Expansion mit dem Kirch-Imperium an Holdings, Stiftungen, Kommanditgesellschaften und sonstigem Firmendickicht aufgebaut hat, sprengt den Rahmen jeglichen Vorstellungsvermögens. Der Banken- und Schmiergeldskandal, in dessen Zuge er sich angeblich sogar über seine neue Ehefrau auch einen brasilianischen Pass besorgt hat, um gegebenenfalls der Strafverfolgung in Deutschland zu entkommen, ist nur die Spitze des Eisbergs – stellt aber rückblickend betrachtet gleichzeitig das Ende der Ära Ecclestone dar.

Der ellenlange Prozess hat die Pläne, in Singapur an die Börse zu gehen, beerdigt. Eine neue Lösung musste her, aber die Börse sollte es weiterhin sein. Es hat eine Ewigkeit gedauert, bis die richtigen Partner dafür gefunden waren. Jetzt ist es halt die Wall Street.

Auf den Sport hat der Ort der Börsennotierung keinen Einfluss. Wohl aber die Strategie, welche die neuen Eigner fahren wollen – auch wenn die sich erst mit Auslaufen der aktuellen Formel 1-Verfassung nebst aller Deals mit Teams, Fernsehsendern et cetera ändern kann, also frühestens in vier Jahren: Wie fallen künftig die Entscheidungen? Wie werden die Teams mit eingebunden? Über welche Medienkanäle wird die Serie präsentiert?

All’ diese Fragen sind noch unbeantwortet. Man kann nur hoffen, dass sich bald konkrete Erkenntnisse über die Strategie ergeben. Denn sonst wird aus der Erleichterung im Fahrerlager sehr rasch eine drängende Ungeduld – und die ganzen Diskussionen gehen wieder von vorn los.

Genau das kann die Formel 1 aber nicht gebrauchen: Man sollte sich künftig vor allem über den Sport unterhalten – nicht über die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge. Denn das hat schon zu lange vom Wesentlichen abgelenkt.


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