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12.08.2022

Eine Bahn ist wie eine Frau


Langsam bricht die Dunkelheit heran. Doch auf der Speedwaybahn in der Bergring-Arena zu Teterow drehen immer noch ein Wasserwagen und ein Traktor mit Schleppe ihre Runden. Denn auf der Traditonspiste in Mecklenburg findet am Freitagabend der zweite Durchgang des German Speedway-Masters statt. Auf einer Bahn, die kürzlich beim Grand Prix von Deutschland noch derart aufgebrochen ist, dass selbst die WM-Akteure sich übel beschwert haben.

Ronnie Stüdemann ist Bahndienstleiter in Teterow. Dem Exrennfahrer obliegt es, die Piste fürs GSM-Spektakel in einen besseren Zustand zu versetzen. Und er hat mit seinem Team mehr als zwei Wochen unterratz gearbeitet, um für den Freitag eine rennfähige Strecke hinzulegen.

Mit einer Bahn, grinst Stüdemann, sei es wie mit einer Frau: Man müsse sie dauernd pflegen und streicheln, damit sie bei Laune bleibe.

Dabei war die Arbeit nach dem Grand Prix durchaus handfest: Mit einer Asphaltfräse, wie sie auch im Straßenbau verwendet wird, hat man die oberen 10 Zentimeter des Belags förmlich aufgerissen. Weil so eine Fräse tief zieht und auch größere Kieselsteine aus dem Naturbelag zermalmt, kamen so schon fünf Zentimeter mehr Deckschicht zutage. Die wurden mit frischem Material vermengt – und acht Tonnen Kalk untergemischt, damit die Beläge sich binden und auch das Wasser, das vom Bahndienst aufgebracht wird, in sich halten.

Nach der grundlegenden Renovierung fand in Teterow ein Training mit 20 Fahrern statt. Die Bahn habe tadellos gehalten, rapportiert Stüdemann. Am Donnerstagabend fuhr Juniorin Patricia Erhardt noch eine letzte Generalprobe – bei der ihr allerdings der Motor einging. Die 18-jährige Bayerin hat kein Ersatzaggregat mit in den Nordosten gebracht, sodass sie einen Leihmotor ausfindig machen musste. Der wurde am Freitagmorgen montiert – in der Werkstatt von Stüdemann.

Doch nicht nur auf der Bahn ging es am Vorabend vorm GSM-Spektakel hektisch zu. Der Tscheche Vaclav Milik musste seinen Start kurzfristig absagen: Er kriegte von seinem polnischen Ligaverein keine Startfreigabe, nachdem dessen Rennen gegen den AC Landshut von Donnerstag auf Sonntag verlegt werden musste. In einer Nacht- und Nebelaktion mussten die Teamleiter aus Neubrandenburg Ersatz verpflichten.

Fündig wurden sie in Dänemark: Der 25-jährige Däne Sam Jensen, 2017 U21-Meister seiner Heimat, machte sich am Freitagmorgen von seinem Zuhause kurz hinter der deutschen Grenze auf den Weg in die Mecklenburgische Schweiz, um an der Seite von Celina Liebmann das De-facto-Heimrennen der Viertorestadt zu bestreiten.


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