+++ 2024-08-29 19:14 : Blog – warum will niemand Mick Schumacher? +++ 2024-08-18 11:14 : Blog – der unsinnigste Vergleich des Jahres +++ 2024-08-08 17:24 : Podcast – Erinnerungen an Speedwaystar Tommy Dunker. Interview von Norbert Ockenga mit Weggefährte und Rivale André Pollehn +++
BACK

21.02.2019

Dürre in der Rallye-Landschaft


Vielleicht ist es ja wirklich ein bisschen unfair. Aber so kann's auch nicht weitergehen. Deswegen schreiben wir in der Zeitschrift PITWALK immer wieder beharrlich von der Suche nach dem neuen Röhrl.

Überhöhen wir dadurch den Druck auf junge Talente, die sich im Rallyesport nach oben arbeiten möchten? Vielleicht. Aber ohne Messlatte, an der man sich orientieren kann, geht es nun mal nicht. Und es gibt im deutschen Rallyesport keine größere Identifikationsfigur als Walter Röhrl.

In vielerlei Hinsicht findet man Parallelen zwischen Rallyefahren und der zweiten, eher heimlichen Leidenschaft des PITWALK-Herausgebers – dem Speedway. Was Röhrl für die Drifter, war und ist Egon Müller für die Stahlschuhartisten auf ihren 500 Kubik-Motorrädern. Sogar zeitlich gibt es Übereinstimmungen.

Müller gewann 1983 in Halbemond, kurz vor der ostfriesischen Kleinstadt Norden, den WM-Titel. In einem Weltfinale, das in seiner ganzen Dramaturgie voll auf diesen Heimsieg zugeschnitten war. Und der gebürtige Kieler, eines von 12 Kindern aus einfachen Verhältnissen, lieferte sich um diese Zeit herum auf den Speedway- und Langbahnen begeisternde, von knisternder Rivalität geprägte Nord-Süd-Duelle mit Karli Maier. Der Bayer wiederum fuhr auf der Speedwaybahn in Abensberg Beschleunigungsduelle gegen Walter Röhrl in dessen Gruppe B-Audi.

Damals pilgerten Zigtausende in die Speedwaystadien von Westdeutschland, allein ins strukturschwache und dünn besiedelte Ostfriesland kamen 44.000 Leute. Auch in der seinerzeit noch existenten DDR florierte der Sport, etwa in Güstrow, Meißen, Leipzig oder auf dem atemberaubenden Bergring von Teterow. Die Ostdeutschen hatten in Thomas Diehr, Diethelm Triemer, Dieter Tetzlaff und Jochen Dinse ihre eigenen Volkshelden, als der Eiserne Vorgang brüchig wurde, kam Mirko Wolter als erstes deutschdeutsches Toptalent durch ihn hindurch.

Aber da hatte der Bahnsport seine besten Zeiten schon längst hinter sich, gefallen in ein Loch der Nach-Egon-Müller-Ära – genau wie der Rallyesport in die Zeit nach Walter Röhrl. Und wie später das Tennis, als Boris Becker nicht mehr aufschlug.

Auf der Rundstrecke stürzte der Motorradsport nach der Ära mit Toni Mang ähnlich ab. Nur die Autorennen auf Rundkursen wuchsen immer weiter an, befreiten sich dank Michael Schumacher aus ihrem Nischendasein – und halten sich seitdem auf hohem Niveau. Junge Fahrer drängen auf die Rundstrecke. Das Rallyefahren betrachten viele eher mit einem Naserümpfen.

Dabei ist es eigentlich der schönere Sport.

Denn er unterliegt keiner politischen Korrektheit. Je stromlinienförmiger und allgemeinverträglicher die Rundstrecke wird, desto langweiliger wird sie. Die Formel E, die hinter den Kulissen völlig anders funktioniert als uns die Serienbetreiber mit ihrem auf jugendlich gebürsteten Juppdiegeige-Frohsinn glauben machen wollen, ist dafür das ultimativ abschreckende Beispiel: Man redet voll an der Zielgruppe vorbei, übersieht das aber vor lauter Dampfplauderei.

Im Rallyesport darf man noch ein bisschen wild und archaisch sein. So wie es eigentlich jeder möchte außer ein paar Lehrern und Genderaktivisten*innen.

Genau davon profitiert die Rallye dieser Tage. Zumal die Organisatoren bewusst genau diese Karte spielen und sich von Langweilerserien distanzieren. Das geht schon mit der Optik der Autos los.

Nur in Deutschland kommt davon nichts an. Denn die deutschen Importeure der in der WM engagierten Hersteller verschlafen den Trend und lassen so jede Menge verkaufsanreizendes Potenzial für ihre Autos liegen. Und der Sport als solcher liegt weiter auf der Intensivstation. Die DRM ist zwar für sich betrachtet eine Aneinanderreihung von schönen Veranstaltungen. Aber Walter Röhrl hat es in dem großen Podcast – dem so viel beachteten Flaggschiff unserer neuen Serie – ausgiebig erklärt: So lange die Fahrer nicht mehr Möglichkeit zum Üben, Trainieren und vor allem längeren Fahren bekommen, können sie sich keine Grundausbildung für eine Karriere in höheren Weihen des Sports verschaffen.

Wenn nun sogar Fabian Kreim aus der EM zurück in die DRM muss, ist das für den Odenwälder wie Sitzenbleiben in der 11. Klasse.

So findet sich kein neuer Walter Röhrl.


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 24.07.2026

    Endlich wieder was zu lesen

    Hallo lieber PITWALK-Freund, Ihr könnt sich schon Mal ganz tüchtig vorfreuen: Bald gibt es wieder ein neues Exemplar von Deutschlands bester Motorsportzeitschrift. Die Arbeiten li…
  • 23.07.2026

    Die chinesische Buhlschaft

    Es ist der wohl merkwürdigste Bieterwettstreit seit langem. Beide Freier stammen aus demselben Haus, und beide werben um dieselbe Buhlschaft: den chinesischen Autohersteller BYD. S…
  • 16.07.2026

    Ein bisschen mehr Spa muss sein

    Spa 2026: Das wird jene Strecke, auf der das neue Reglement zum ersten Mal die Wahrheit sagt Denn: Monaco belohnt Traktion. Monza bestraft Luftwiderstand. Silverstone verlangt aero…
  • 24.06.2026

    Hitze als Wender?

    Bringt die Omega-Wetterlage die Wende? Seit Europa unter einer Hitzewelle ächzt, hat sich das Kräfteverhältnis in der Formel 1 auf den kopf gestellt. In Barcelona, der ersten Hitze…
  • 16.06.2026

    Der dusseligste Ausfall von Le Mans

    Zugegeben, der Gedanke ist vielleicht ein bisschen sehr theatralisch. Aber wenn man allein, bellend hustend, mit rasselndem Atem, Fieber und Schüttelfrost vor sich hin vegetierend …
  • 13.06.2026

    Der Morgen davor

    Die 24 Stunden von Le Mans sind immer auch geprägt von Zahlen und Fakten – und hier sind die wichtigsten, die man braucht, um das Rennen zu verstehen: Jedes Auto hat 24 Satz Reife…
  • 10.06.2026

    Der grüne Machtkampf

    Es gibt in Frankreich nicht nur das berühmte Gallische Dorf. Sondern an diesem Wochenende auch das „Wasserstoff-Dorf“, das sogenannte „Hydrogen Village“. Es steht in Le Mans, und e…
  • 05.06.2026

    Zum Tod von Herbert Schnitzer

    Es sind Bilder, die überdauern. Am Freitag, an seinem 85. Geburtstag, ist Herbert Schnitzer gestorben. Der legendäre BMW-Teamchef ist einer jener Hauptdarsteller der deutschen Renn…
  • 20.05.2026

    Wal Timmy in der Formel 1

    Es bleibt nur Staunen. Vor mehr als zwei Jahren schon habe ich ein langes Telefonat mit Mario Illien geführt – jenem Schweizer, der zu Zeiten der Dominanz mit Mika Häkkinen im Werk…
  • 10.05.2026

    Wasserstoff-Toyota in Le Mans!

    Der Wasserstoffrevolutionär lebt. Im Vorprogramm des 24-Stundenrennens von Le Mans wird in diesem Juni der neue Toyota-Sportprototyp, dessen Motor Wasserstoff statt Benzin verbrenn…
  • 29.04.2026

    Audi macht alles falsch

    Audi hat den Offenbarungseid geleistet. In der Woche vor dem Neustart der Formel 1 hat Audi-Teamchef Mattia Binotto gestanden, dass die Softwarekalibrierung des Motors nicht gut ge…
  • 25.04.2026

    Den Blick nach vorn

    Sie kennen unsere gemeinsame liebgewonnene Tradition ja inzwischen schon – auch dieses Mal erhalten Sie als einer der besonders treuen Fans und Leser vorab die Möglichkeit, sich da…
2026 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA