+++ 16.07.2019 15:25 : Neuer PITCAST online – die letzte Etappe der Rallye Seidenstraße +++ 15.07.2019 16:46 : Neue Fotogalerie online – Action aus der Wüste Gobi +++ 15.07.2019 12:31 : Neuer PITCAST online – Gespräch mit PITWALK-Formel 1-Reporterin Inga Stracke über den Großen Preis von England, aktuelles Update und Interview mit Speedbrain-Chef Wolfgang Fischer von der Rallye Seidenstraße +++
BACK

21.02.2019

Dürre in der Rallye-Landschaft


Vielleicht ist es ja wirklich ein bisschen unfair. Aber so kann's auch nicht weitergehen. Deswegen schreiben wir in der Zeitschrift PITWALK immer wieder beharrlich von der Suche nach dem neuen Röhrl.

Überhöhen wir dadurch den Druck auf junge Talente, die sich im Rallyesport nach oben arbeiten möchten? Vielleicht. Aber ohne Messlatte, an der man sich orientieren kann, geht es nun mal nicht. Und es gibt im deutschen Rallyesport keine größere Identifikationsfigur als Walter Röhrl.

In vielerlei Hinsicht findet man Parallelen zwischen Rallyefahren und der zweiten, eher heimlichen Leidenschaft des PITWALK-Herausgebers – dem Speedway. Was Röhrl für die Drifter, war und ist Egon Müller für die Stahlschuhartisten auf ihren 500 Kubik-Motorrädern. Sogar zeitlich gibt es Übereinstimmungen.

Müller gewann 1983 in Halbemond, kurz vor der ostfriesischen Kleinstadt Norden, den WM-Titel. In einem Weltfinale, das in seiner ganzen Dramaturgie voll auf diesen Heimsieg zugeschnitten war. Und der gebürtige Kieler, eines von 12 Kindern aus einfachen Verhältnissen, lieferte sich um diese Zeit herum auf den Speedway- und Langbahnen begeisternde, von knisternder Rivalität geprägte Nord-Süd-Duelle mit Karli Maier. Der Bayer wiederum fuhr auf der Speedwaybahn in Abensberg Beschleunigungsduelle gegen Walter Röhrl in dessen Gruppe B-Audi.

Damals pilgerten Zigtausende in die Speedwaystadien von Westdeutschland, allein ins strukturschwache und dünn besiedelte Ostfriesland kamen 44.000 Leute. Auch in der seinerzeit noch existenten DDR florierte der Sport, etwa in Güstrow, Meißen, Leipzig oder auf dem atemberaubenden Bergring von Teterow. Die Ostdeutschen hatten in Thomas Diehr, Diethelm Triemer, Dieter Tetzlaff und Jochen Dinse ihre eigenen Volkshelden, als der Eiserne Vorgang brüchig wurde, kam Mirko Wolter als erstes deutschdeutsches Toptalent durch ihn hindurch.

Aber da hatte der Bahnsport seine besten Zeiten schon längst hinter sich, gefallen in ein Loch der Nach-Egon-Müller-Ära – genau wie der Rallyesport in die Zeit nach Walter Röhrl. Und wie später das Tennis, als Boris Becker nicht mehr aufschlug.

Auf der Rundstrecke stürzte der Motorradsport nach der Ära mit Toni Mang ähnlich ab. Nur die Autorennen auf Rundkursen wuchsen immer weiter an, befreiten sich dank Michael Schumacher aus ihrem Nischendasein – und halten sich seitdem auf hohem Niveau. Junge Fahrer drängen auf die Rundstrecke. Das Rallyefahren betrachten viele eher mit einem Naserümpfen.

Dabei ist es eigentlich der schönere Sport.

Denn er unterliegt keiner politischen Korrektheit. Je stromlinienförmiger und allgemeinverträglicher die Rundstrecke wird, desto langweiliger wird sie. Die Formel E, die hinter den Kulissen völlig anders funktioniert als uns die Serienbetreiber mit ihrem auf jugendlich gebürsteten Juppdiegeige-Frohsinn glauben machen wollen, ist dafür das ultimativ abschreckende Beispiel: Man redet voll an der Zielgruppe vorbei, übersieht das aber vor lauter Dampfplauderei.

Im Rallyesport darf man noch ein bisschen wild und archaisch sein. So wie es eigentlich jeder möchte außer ein paar Lehrern und Genderaktivisten*innen.

Genau davon profitiert die Rallye dieser Tage. Zumal die Organisatoren bewusst genau diese Karte spielen und sich von Langweilerserien distanzieren. Das geht schon mit der Optik der Autos los.

Nur in Deutschland kommt davon nichts an. Denn die deutschen Importeure der in der WM engagierten Hersteller verschlafen den Trend und lassen so jede Menge verkaufsanreizendes Potenzial für ihre Autos liegen. Und der Sport als solcher liegt weiter auf der Intensivstation. Die DRM ist zwar für sich betrachtet eine Aneinanderreihung von schönen Veranstaltungen. Aber Walter Röhrl hat es in dem großen Podcast – dem so viel beachteten Flaggschiff unserer neuen Serie – ausgiebig erklärt: So lange die Fahrer nicht mehr Möglichkeit zum Üben, Trainieren und vor allem längeren Fahren bekommen, können sie sich keine Grundausbildung für eine Karriere in höheren Weihen des Sports verschaffen.

Wenn nun sogar Fabian Kreim aus der EM zurück in die DRM muss, ist das für den Odenwälder wie Sitzenbleiben in der 11. Klasse.

So findet sich kein neuer Walter Röhrl.


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 12.07.2019

    Die Formel 1 trägt schon wieder Trauer

    Silverstone ist eigentlich immer einer der wenigen in Europa ausgetragenen Großen Preise, auf die man sich regelrecht freuen kann – wegen der Einzigartigkeit von umgebender Landsch…
  • 11.07.2019

    Geheimwissenschaft

    Wer die Disqualifikation des Manthey-Porsche nach dem 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring verstehen möchte, der muss sich zunächst mit der Balance of Performance als Gesamtkunstw…
  • 26.06.2019

    Stimmung in der Steiermark

    Allein schon der Tunnel. Wenn man normaler Weise unter einer Rennstrecke hindurch muss, um etwa von den Parkplätzen in den Innenbereich zu gelangen, bieten die Unterführungen stets…
  • 20.06.2019

    Vettel-Gate unter der Lupe

    Mächtig viel Palaver. Die Strafe gegen Sebastian Vettel beim vorigen Rennen in Montréal ist auch in Le Castellet immer noch das Topgesprächsthema. Nicht zuletzt deswegen, weil Ferr…
  • 14.06.2019

    Na also

    Die Zukunft ist klar. Ab September 2020 wird die Sportwagen-WM und damit auch das 24 Stunden-Rennen von Le Mans 2021 in der Ersten Liga mit Hypercars beschickt. Am Freitagmorgen be…
  • 13.06.2019

    Vetter-Bericht

    Die Corvette C7.R ist das mit Abstand älteste Auto im Feld der GTE-Pro-Wertung. Und die gelben Muscle Cars gehen in ihr letztes Le Mans – ab 2020 kommt die neue Mittelmotorvariante…
  • 13.06.2019

    Neues aus Hypercarhausen

    Freitag kommt alles raus. Dann werden der Le Mans veranstaltende ACO und der Weltverband FIA das neue Reglement für die Zukunft der Sportwagen-WM ab der übernächsten Supersaison vo…
  • 13.06.2019

    Toyota muss neues Auto bauen

    Sonderschichten bei Toyota: Am heutigen Donnerstag muss TMG einen neuen TS050 aufbauen. Der Wagen von Mike Conway, Kamui Kobayashi und José Mariá Lopez ist im gestrigen ersten Qual…
  • 12.06.2019

    Wo sind die Pferde?

    Dieser Motor ist Stein des Anstoßes bei den Privaten innerhalb der LMP1-Erstligisten: der Gibson-V8, mit dem seit Spa auch das Team von Dr. Colin Kolles unterwegs ist. In der noch …
  • 12.06.2019

    Und was macht das Wetter?

    Mühsam rumpelt sich der Flieger durch heftige Turbulenzen westwärts, in Richtung Paris. Mitten durch die Wolken. Normaler Weise würde der Kapitän jetzt hochziehen oder ein bisschen…
  • 11.06.2019

    Das langsame Erwachen

    Lange Zeit sah es so aus, als schaue die Zukunft des LMP1-Sports bei den 24 Stunden von Le Mans und in der Sportwagen-WM so aus wie dieses Auto hier. Doch seit vergangener Woche ha…
  • 10.06.2019

    Der Preis ist heiß

    Rechtzeitig vor Pfingsten sind die Preise für das aktuelle Gewinnspiel in der neuen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK in der Redaktion eingetroffen. Seht Ihr? Das da oben sind jene E…
2019 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA