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26.03.2026

Audi: willkommen im Mittelmaß


Das muss man erstmal schaffen. Audi trennt sich nach gerade mal zwei Rennen von einem seiner beiden Teamchefs – und behält den schlechteren des Duos. Die Ingolstädter werfen sich mit der Personalentscheidung der letzten zwei Wochen selbst um Jahre zurück.

Mattia Binotto hat künftig das alleinige Sagen. Der Krauskopf hat bei Ferrari einst jene Motoren maßgeblich verantwortet, mit denen Michael Schumacher unschlagbar war. Dann ist er ein paar Jahre später zum Teamchef aufgestiegen – und hat Ferrari so umgekrempelt, dass die Roten die erfolgloseste Ära sei der Zeit vor Michael Schumacher erlebten.

Noch beim letzten Grand Prix in Schanghai hat Binotto vollmundig von sich gegeben, Ferrari könne für Audi kein Vorbild sein, denn die hätten ja seit knapp 10 Jahren nichts mehr gewonnen. Man stutzt kurz und überlegt: Wer war in der Zeit, von der Binotto da so geringschätzig spricht, auch noch mal Teamchef in Maranello?

Ach ja – Mattia Binotto.

Unter anderen zwar, aber doch über einen maßgeblich langen Zeitraum, in dem Ferrari immer schlechter geworden ist.

Er soll nun also Audi nach vorn bringen.

Das klappt bestimmt.

Jonathan Wheatley ist gegangen, nachdem Binotto intern gegen ihn intrigiert zu haben scheint. Dabei ist der Engländer genau das, was Audi braucht: ein echter Racer mit Sachverstand und Pragmatismus, mit Mut zu Entscheidungen und mit den nötigen Verbindungen. Jetzt ist er weg, geht zu Aston Martin, entbindet dort Adrian Newey von lästigen Verwaltungs- und Cheftätigkeiten, sodass das verschrobene Genie sich wieder auf seine Kreativität stützen und konzentrieren kann. Aston Martin wird Audi schon bald abgehängt haben.

Und in Ingolstadt werden sich wieder alle wundern. Wie schon so oft auch bei größeren Entscheidungen, wenn es um Serienautos und Konzernpolitik geht.

Man merkt gerade wieder: Große Unternehmen können kein Formel 1-Team führen; es ging schon bei BMW und Toyota nicht, und es geht nun bei Audi wieder in die Binsen. Bei Mercedes klappt’s nur, weil die Schwaben eigentlich nur Taufpate sind: Die Anteile gehören mehrheitlich Privatpersonen, die Entscheidungen fallen nicht in Untertürkheim, sondern autark in Brackley, wo sowohl das Auto als auch die Motoren gebaut und dann mit Mercedes-Sternen verziert werden.

Audi hat mehrere Baustellen, eine ist größer als die andere: Die Motorabteilung in Neuburg ist gefesselt an deutsche Arbeitszeitregelungen. Man kann nicht schnell genug reagieren. Der erste Motor ist eine Fehlkonstruktion, man muss jetzt schon einen neuen nachlegen, aber das zieht sich. Das Auto- und Rennteam sitzt in Hinwil oberhalb des Zürichsees, weil es das einstige Sauber-Team ist. Dort aber herrscht Fachkräftemangel. Denn das Herz der Formel 1 und ihrer kompetentesten Leute schlägt in England, im sogenannten Motorsports Valley in den Grafschaften Buckingham- und Northamptonshire. Dort sitzen die meisten Teams, dort wechselt das Personal seine Arbeitgeber. Ins Ausland mögen die meisten Engländer nicht gehen.

Hinwil hat schon seit Jahrzehnten einen Standortnachteil. Audi hat auf den reagiert, indem man neben Neuburg an der Donau und Hinwil auch noch ein Entwicklungs- und Ingenieurbüro in Bicester eingesetzt hat, in eben jenem Motorsport Valley.

Da wiederholt sich Geschichte. In den Achtzigern war John Barnard aus Wembley einer der genialsten Konstrukteur der Formel 1, brachte bei McLaren die Kohlefasertechnik in die Königsklasse und baute jene Wagen, in denen Niki Lauda und Alain Prost Weltmeister wurden. Dann wollte Ferrari ihn holen. Doch Barnard hatte keine Lust auf Italien, insistierte stattdessen darauf, von England aus arbeiten zu dürfen, wie ein Satellit. Man gründete für ihn das Guildford Technical Office. Barnard arbeitete so revolutionär wie immer. Doch intern in Maranello wurde er von einem Intrigantenstadl torpediert. Die Idee einer Außenstelle England für ein Team in der Ferne scheiterte.
Jetzt soll sie bei Audi funktionieren.

Das klappt bestimmt.

Audi ist gerade dabei, sich in einem Hinterbänklerdasein einzurichten. Und das für eine deutsche Premiummarke…


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