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12.03.2026

Nahost-Entscheidung am 20. März


Am Samstag sind alle schlauer. Denn es geht von derjenigen Strecke, auf der das Rückgewinnen von Energie zum Aufladen der Akkus am schwersten fällt, auf jene, auf der man mit am besten rekuperieren kann: von Melbourne nach Schanghai.

Das Streckenlayout diktiert, wie gut man den Stromvorrat für die Elektromotoren pro Runde aufstocken kann. Im Albert Park gibt es nur wenige Bremszonen, in denen man die Autos aus hohem Tempo zusammenstauchen muss, und auch nur wenige langsame Kurven. Und gerade harte Bremszonen sorgen dafür, dass man viel Bremsenergie abfischen und in Strom für die Akkus verstoffwechseln kann. Das geht in Schanghai kursbedingt deutlich besser.

Das heißt: In China muss man während der Qualifikation weniger auf Gedeih und Verderb Energie rekuperieren, sondern kann das Auto mehr Formel 1-typisch fliegen lassen. Dasselbe gilt für die einzelnen Rennrunden – sodass es deutlich weniger Unterschiede beim Energiemanagement gibt. Die Fahrer müssen nicht mehr plötzlich auf der Geraden vom Gas gehen, die Lastpunktverschiebung geht auf physikalisch quasi natürliche Art und Weise vonstatten.

Deswegen haben die Regelmacher auch die Energiemenge, mit der man in der Qualifikation arbeiten darf, auch streckenabhängig gestaffelt: In Monza, wegen der langen Geraden, sind’s nur sechs Megajoule, in Melbourne waren’s acht – und in Schanghai sind’s neun. Diese höchste Energiemenge wird insgesamt auf 12 Strecken des Jahres zugestanden. Das zeigt: Melbourne hat noch kein schlüssiges Bild vermitteln können, wie die neue Formel 1 funktioniert – Schanghai wird der erste echte Ernstfall.

Und genau darum haben sich die Offiziellen auch bis nach Schanghai Zeit gegeben, um zu beurteilen, ob man bei der Motornutzung und dem Energiemanagement noch etwas an den neuen Regeln nachschärfen muss. Das haben viele bereits nach Melbourne lautstark gefordert – und dabei geflissentlich die Tabelle der Strecken mit ihren unterschiedlichen Energiemengen ignoriert.

Die Staffelung soll unnormale Taktiken beim Fahren vermeiden helfen. Denn die sind nicht nur störend für den Fluss des Rennens und deren sportlichen Wert – sondern sogar potenziell gefährlich: Wenn der Vordermann plötzlich vom Gas geht, um seine Akkus zu laden, steigt die Gefahr von Auffahrunfällen auf ganz normalen Geraden.

In China wird das wahre Potenzial der neuen Fahrzeuggeneration zum ersten Mal sichtbar werden.

Und noch aus einem weiteren Grund ist der Grand Prix im einstigen Sumpfgebiet vor den Toren der Megametropole wichtig: So langsam muss der Zirkusdirektor entscheiden, ob er seinen Tross zu den Rennen in den Nahen Osten schickt – oder das wegen der unsicheren Lage sein lässt. Solange der Iran weiter mit Bomben und Drohnen um sich schmeißt, sind Rennen in der Nähe des Persischen Golfs mindestens wacklig. Aus Sorge um die Sicherheit – vor allem aber, weil die Versicherungen der Teams keine Risiken abdecken, die kriegsbedingt wissentlich in Kauf genommen werden.

Die ersten zwei Nahostrennen in Bahrein und Saudi-Arabien stehen nach den ersten Asien-Grands Prix an, wenn in den muslimischen Staaten die Ramadan-Fastenzeit vorbei ist. Zwar ist der Großteil der Infrastruktur eh’ schon im Nahen Osten, schließlich fanden in Bahrein bereits Testfahrten vor Saisonbeginn statt, und die Boxen- sowie Fahrerlagerausstattungen sind vor Ort belassen worden. Denn jedes Team hat mehrere Sätze dieser Grundausstattung, die auf unterschiedlichen Seewegen auf Reisen geschickt wird, mit viel Vorlauf.

Aber jener Teil, der von Strecke zu Strecke transportiert wird, muss geflogen werden: die eigentlichen Rennautos und gewisse Teile etwa. Und gleichzeitig muss auch kalkuliert werden, wohin allfällige neue Teile, die im Entwicklungsfahrplan erst für Bahrein und Dschidda vorgesehen waren, von den Fabriken und Teamsitzen hingeflogen werden müssen.

Das bedarf einer gewissen Planung.

Bislang hält die Formel 1-Gemeinde dicht wie ein Geheimniskrämer. Doch hinter den Kulissen zeichnen sich erste harte Fakten ab: Man hantiert mit einem „Cut-off date“, also einer Frist, bis der spätestens die Entscheidung fallen muss. Die Rede ist vom 20. März. Die derzeit wahrscheinlichste Variante: Bahrein fällt aus, das ganze Material wird von dort über die große Brücke nach Saudi-Arabien gekarrt – und dort finden in Dschidda dann zwei Grands Prix statt.


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