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03.01.2022

Marathon als Kniefall?


Früh wie selten gibt’s die Marathonetappe bei der Rallye Dakar. Schon heute Abend ist für die Fahrer keine Mechanikerhilfe erlaubt. Sie müssen ihre Autos, Motorräder und sonstige Vehikel mit eigener Hände Arbeit vorbereiten.

In der Regel gibt es solch einen Marathon erst gegen Rallyemitte. Dass es dieses Jahr schon gleich am zweiten reellen Tag in den Sonderservice gibt, werten viele kundige Beobachter im Biwak als einen Gefallen für Audi – das neue große Werksteam im Feld. Denn nach nur zwei langen Tagen in der Dünen sind die Neuwagen noch relativ frisch und gut in Schuss, es fällt deutlich weniger Reparaturbedarf an als nach einer längeren Wüstenwühlerei.

Gerade bei den technisch sehr aufwändigen Hybridmodellen von Audi mit ihrem komplizierten Hightech-Stoffwechsel von zwei antreibenden Elektromotoren sowie einem Verbrenner, der während der Fahrt über einen Generator ständig neuen Strom für die Akkus produziert.

Die frühe Marathonetappe entlastet also die drei Werksbesatzungen von Auto möglicherweise vor langen Schrauberspätschichten – sofern auf dem Weg von Ha’il nach Al Artawiyah nichts Außergewöhnliches passiert.

Die 338 Kilometer führen zu 63 Prozent über Sand und Pisten und zu 27 Prozent über knifflige Dünenpassagen. Auf den ersten 180 Kilometern verlaufen Serviceroute – für den Begleittross – und Verbindungsetappe für die Autos noch auf derselben Strecke.

Eigentlich hätte es für die Teilnehmer am Abend ein eigenes Biwak geben sollen, streng abgeschirmt und eingezäunt, um externe Hilfe völlig sicher auszuschließen. Doch stattdessen wird es nun ein gemeinsames Biwak mit Parc Fermé-Regeln für Teams und Fahrer geben: Der Ort, an dem das Marathonquartier hätte untergebracht werden sollen, steht nach den veritablen Gewittergüssen von vor zwei Abenden immer noch knöcheltief unter Wasser.

Zusätzlich erschwert wird der harte Tag durch eine neu gestaffelte Startreihenfolge für dieses Jahr. Losgefahren wird nicht mehr nach Fahrzzeuggattungen – sondern in Gruppen: erst die besten einer jeden Kategorie, dann die besten der nächsten Klasse, dann der nächsten und so weiter. So stecken die Audi nach der umstrittenen Wertung des gestrigen Tages in der Startzone der Autoplätze 30 bis 40 fest – und müssen damit hinter den besten Lkw in die Spur gehen.

Die Trucks sind über die Dünen hinweg nicht nur langsamer als die schnellsten Autos – sondern sie pflügen den Wüstensand auch brutal um. Der Untergrund wird nach jedem Lkw immer weicher. Das erhöht die Belastungen auf die Antriebswellen, treibt den Kraftstoffverbrauch – der nach den vielen Verfahrern gestern schon bei vielen kritisch an der Grenze des Trockenfahrens war – in die Höhe und erhöht auch die Gefahr, sich festzufahren und mühsam wieder ausgraben zu müssen.

Über der Wertung des gestrigen Tages schwebt auch am Morgen danach immer noch ein Fragezeichen. Es gibt noch kein von den Sportkommissaren als „offiziell“ gestempeltes Etappenergebnis. Sobald das veröffentlicht ist, wollen mehrere große Teams Protest einlegen – und so doch noch einen Abbruch der WP bei Kilometer 240 erwirken, um den Navigationkinken, den sie als erwiesenen Fehler im Roadbook sehen, wegzukriegen und ein faires Resultat aufzustellen.


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