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Heldengeschichten, Teil 3 – Stau in der Schlucht



Mickael Pisano hat die Dakar vermisst. Der Korse ist bis vor vier Jahren Wasserträger für David Casteu im privaten KTM-Team gewesen. Als der Unverwüstliche aus Nizza zu Sherco wechselt, verabschiedet sich Pisano von der Dakar. Doch weil die Tour de Corse, ein Lauf zur Rallye-WM, quasi vor seiner Haustür in Ajaccio stattfindet, wird der heute 35-Jährige ein Mal im Jahr regelmäßig mit Motorsport konfrontiert. Der Funke der Leidenschaft glimmt immer weiter. „Aber meine Familie stammt aus bescheidenen Verhältnissen, wir hatten schlicht das Geld, mit dem ich mich in ein Autoteam hätte einmieten können. Dabei habe ich die Autowertung schon immer aus den Augenwinkeln verfolgt – selbst als ich noch auf dem Motorrad unterwegs war.“

Dann tritt sein ehemaliger Bike-Rivale Matthieu Serradori auf den Plan. Der 30-Jährige aus Fréjus in den französischen Seealpen hat als Schützling von Haudegen Jean-Louis Schlosser den Umstieg von zwei Rädern auf Buggys geschafft und sich binnen weniger Jahre ein eigenes Team aufgebaut – zuletzt sogar mit einem selbstgebauten Hecktriebler mit einem 480 PS starken V8-Sauger aus der Chevrolet Corvette.

Serradori unterbreitet Pisano für die Dakar 2019 ein Sonderangebot. Pisano startet voller Vorfreude in die Rallye: „Uns Korsen eint nicht nur die Liebe zum Motorsport – sondern auch ein gewisser Chauvisimus. Es gäbe nichts Schöneres, als unsere Flagge auf der Zielrampe in Lima zu schwenken.“

Während der Rallye besinnt Pisano sich seiner Zeit als Wasserträger, dessen Aufgabe es gewesen ist, im Notfall als Ersthelfer seinem Nummer 1-Piloten im Team beizustehen. Pisano purzelt mit dem Buggy einen Abhang hinunter. Hinter ihm rumpelt der chinesische Software-Milliardär He Zhitao ebenfalls so ungelenk in die Furche, dass sein Overdrive-Toyota sich verkantet. Die beiden Bruchpiloten stehen am Kopfende eines Staus aus lauter Kontrahenten, die sich in der engen Schlucht ebenfalls festgefahren haben oder sie sogar hinuntergeköpfelt sind. Wie der litauische Toyota-Privatier Antanas Juknevičius.

Pisano ist der Erste, der wieder flott gemacht wird. Doch statt sofort weiterzufahren, hilft er seinen Hintermännern zuerst mit dem eigenen Abschleppseil aus der Bredouille. Sogar dem Osteuropäer, der ihm von oben schnurstracks in die Seite gerodelt ist. Auch Zhitao bleibt vor Ort, um gemeinsam mit seinem Beifahrer Yong Zhou – dem erfolgreichsten chinesische Dakar-Teilnehmer aller bisherigen Zeiten, den Zhitao als Mentor eingekauft hat – zu helfen.

Für diesen Einsatz werden der Korse und der Chinese gemeinsam zu den Gewinnern der Epic Moments gekürt.


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