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12.03.2019

Zeitplan des Wahnsinns


Wird das schon das verrückteste Wochenende des Jahres? Der Countdown zum Super Sebring hat begonnen, und so langsam dräut allen, auf was die Sportwagen-WM und die IMSA-Serie sich da eigentlich eingelassen haben.

Denn auf dem Flugplatzkurs in Mittelflorida werden zwei Langstreckenrennen mit vollständig dazugehörigen Veranstaltungen in ein nur marginal verlängertes Wochenende gequescht. Und das auf einer Anlage, die von der Infrastruktur her eigentlich schon mit dem eigentlichen 12 Stunden-Rennen an der Kapazitätsgrenze fährt.

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK wird ein imposanter Eindruck davon vermittelt, wie rudimentär und urwüchsig das Rennen immer noch ist. Dieser Charakter speist sich aus seiner Geschichte, die in dem Magazin ebenfalls ausgiebig beleuchtet wird. Der rustikale Charme hat irgendwie alle Modernisierungserscheinungen ausgesessen, es gibt bestenfalls eine leichte Anpassung an den Zeitgeist.

Die Sportwagen-WM ist dieses Wochenende nur Rahmenprogramm. Auch wenn der Status als Vorgruppe den von sich selbst gar sehr überzeugten Franzosen von den Ausrichtern an sich nicht behagt – in Sebring müssen sie sich fügen. Deswegen fahren sie ihr Rennen auch schon am Freitag. Das Hauptrennen, der zweite Saisonlauf der IMSA, folgt dann am für das 12 Stunden-Rennen üblichen Sonnabend.

Um die ganzen Autos und Teamutensilien unterbringen zu können, musste eigens eine zweite Boxengasse eingerichtet werden – längs der Gegengeraden. Dort beziehen die WM-Teams Quartier. Das altbekannte Backsteingebäude an der Start/Ziel-Gerade bleibt die Heimstätte der IMSA-Teams. Das Fahrerlager ist zweigeteilt; jene Parkplätze, die sich sonst im Innenbereich des Flugplatzkurses befinden, wurden nach außerhalb verlagert. Deswegen wird jeden Morgen und Abend die Gegengerade geöffnet, damit man die schnell überqueren und in den Fahrerlagerbereich im Infield kommen kann. Wer das Zeitfenster verpasst, mutet sich eine ausgedehnte Wanderung zu. Bei Temperaturen, die zwischen 25 und 30 Grad pendeln. Und unter gleißendem Sonnenschein.

Denn auch das steht eindrucksvoll geschildert in der neuen PITWALK: In Sebring gibt es kaum Schatten. Rund um die ganze Anlage nicht, und auf ihr sowieso nicht. Auch das ist historisch gewachsen.

Das Problem des schnellen Streckenqueres: Wer es nicht bis morgens um 7 Uhr an die Strecke schafft, für den fällt das Zeitfenster zu, und der Fußmarsch kann losgehen. Und zwar jeden Tag. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Dabei kennt der Zeitplan keine Gnade. Beide Rennen führen über eine ellenlange Distanz und in die Dunkelheit hinein, also sind auch Nachttrainings im Vorfeld nötig. Und aufgrund der Zieleinlaufzeiten sowohl des WM-Laufs als auch des IMSA-Rennens ist auch schon absehbar: Die arbeitende Bevölkerung kann das Fahrerlager frühestens zwischen ein und drei Uhr in der Nacht verlassen. Jeden Abend. Und kriegt entsprechend jede Nacht nur zirka drei Stunden Schlaf, um morgens noch rechtzeitig, wenn auch reichlich geisterhaft auf den Außenparkplätzen aufzutauchen.

Längst stöhnen die ersten, Sebring werde härter als die ganze Le Mans-Woche. Zumal in Florida auch jener freie Tag entfällt, an dem in Le Mans die Fahrerparade stattfindet.

Kleine Kostprobe gefällig? Mittwochs endet das Freie Training der WM um 21 Uhr, das geht ja noch. Donnerstags ist dann um 22.20 Uhr Feierabend mit der Qualifikation der WM. Freitags fährt die IMSA bis 11 Uhr ihre Qualifikation, das Rennen der WM führt dann von 16 bis 24 Uhr über gut 1.600 Kilometer. Und Samstags wärmt die IMSA sich ab acht Uhr auf und rennt dann von 10:40 bis 22:40 Uhr.

Was für die Teams eine Strapaze darstellt, ist für die Zuschauer vor Ort der reinste Hochgenuss. So viel Action an einem Wochenende hat man selten. Und dann auch noch reinrassiger Motorsport nach altem Schrot und Korn, mit echten Charakterköpfen als Hauptdarsteller – kein Marketingklüngel im Rennkostüm. Man kann nur jeden beglückwünschen, der die Reisegeschichte aus der aktuellen Ausgabe von PITWALK befolgt und sich auf den Weg nach Florida gemacht hat.

Die Tage des Wahnsinns haben längst begonnen. Seit Tagen wird in Sebring eifrig getestet. Die Toyota TS050 sind allen anderen LMP1 um mindestens eine halbe Sekunde pro Runde voraus, wenn man die Zahlen genau liest. Und sie liegen selbst in der schnellen und buckeligen Kurve Turn 17 wie auf Schienen, während alle anderen dort hoppeln wie Osterhasen im Trainingslager. Die Überlegenheit der Japaner geht also weiter, aber wen wundert's?

Das Porsche-Team Manthey aus der Sportwagen-WM hat seine 911 RSR aus der GTE-Klasse für die WM in den Hallen von Core Autosport vorbereitet – dem Porsche-Rennstall aus der IMSA.

In der IMSA gilt eine andere BoP-Einstufung als beim Saisonauftakt, den 24 Stunden von Daytona, sodass die Defekthexen von Mazda in Sebring nicht mehr so schnell sind. Halten werden sie wohl trotzdem nicht. Das Drama der Japaner haben wir ja in unseren Podcasts und Blogs aus Daytona ausführlich beleuchtet.

Aber dem werde ich in Sebring sicher auch noch weiter nachgehen. Denn für einen Journalisten ist das Wochenende des Wahnsinns ein Traum. So viele Geschichte wie hier kann man bei kaum einem anderen Rennen recherchieren.

Und schlafen kann man dann ja auch wieder auf dem Rückflug.


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