+++ 2020-09-28 13:12 : Neuer PITCAST: Formel 1 in Russland, Entscheidung beim 24h-Rennen +++ 2020-09-27 13:05 : Neuer PITCAST online – Powerplay nach Witterungsumschwung beim 24h-Rennen +++ 2020-09-27 10:12 : Neuer PITCAST online – die Morgenlage in der Eifel, mit Luca Engstler und Tiago Monteiro +++
BACK

12.06.2020

Wirbel um neue Dakar-Regeln


Eine Regelnovelle zur Einstufung von Hecktrieblern und Allradlern sorgt für Zündstoff im Marathonrallyesport. Die Regelmacher der Rallye Dakar möchten die 4 x 4-Modelle gegenüber den Buggys bevorteilen – im ersten Schritt über eine Balance of Performance wie im GT- und TCR-Sport, ab 2023 dann über feste Eckdaten im Technischen Reglement.

Die Gründe für die Neuausrichtung der Regeln liegen auf der Hand: Man möchte wieder mehr Hersteller in die Wüste locken. „Mit Allradlern kann man sich im Marathonsport einfacher identifizieren als mit Buggys ohne konkreten Serienautobezug“, weiß der langjährige Top-Beifahrer Dirk von Zitzewitz. „Die Allradler sind genau die Autos, die man auch in einer Serienversion off-road fahren kann. Die passen genau in diese Umgebung. Die Buggys sind dagegen offensichtliche Eigenbauten, die man nicht kaufen kann – also als Hersteller auch nicht vermarkten kann.“

Auch der südafrikanische Toyota-Pilot Giniel de Villiers findet: „Allradler gehören einfach in die Wüste. Wem will man denn erzählen, dass ein Hecktriebler für solch’ ein Gelände besser geeignet ist als ein 4 x 4? Die Buggy-Idee kommt noch aus der Zeit, als Jean-Louis Schlesser mit seinen Eigenbauten unterwegs war. Doch inzwischen haben die großen Hersteller allesamt gute Allradler im Programm – die kann man im Marathonsport glaubhaft zeigen, solange sie auch tatsächlich gewinnen.“

Im vergangenen Januar siegte bei der Rallye Dakar allerdings ein Buggy aus dem Team X-Raid aus Trebur, gefahren von Carlos Sainz/Lucas Cruz. X-Raid hatte erst vor drei Jahren damit begonnen, eigene Hecktriebler als Ergänzung zu den selbst gebauten Allradlern im Mini-Kleid zu entwickeln – weil das Regelwerk einige Vorzüge für die Hecktriebler parat hält. Etwa eine höhere Bodenfreiheit, längere Federwege, während der Fahrt vom Cockpit aus regelbare Reifenluftdrücke und höhere Endgeschwindigkeiten.

Diese Vorteile sollen nun ausgemerzt werden. Zumal in Prodrive schon der erste Hochkaräter aus dem internationalen Motorsport angekündigt hat, einen neuen Allradler zu bauen – in diesem Exklusiv-Podcast der Zeitschrift PITWALK: https://www.pitwalk.de/pitcast/the-big-one/dakar-kampfansage

Allerdings wehrt sich Sven Quandt, der Teamchef von X-Raid, gegen die neuen Regeln. „Wir haben insgesamt mehr als 20 Buggys im Feld“, begründet Quandt, „und damit meine ich nicht nur unsere Autos, sondern auch die alten Peugeot und die ganzen südafrikanischen Century von Matthieu Serradori. Will man die wirklich alle vor den Kopf stoßen?“

Quandt plant, auch die nächste Dakar mit zwei Hecktrieblern zu beschicken – wieder mit Sainz und Stéphane Peterhansel besetzt. Der Hesse weiß aber auch: „Wir stehen von allen Buggy-Teams am besten da, weil wir theoretisch einfach nur auf unsere Allradler umsatteln können. Diese Möglichkeit haben die anderen Teams nicht. Und man sollte nicht riskieren, die alle zu verlieren.“

Der Siegerteamchef baut stattdessen auf eine verbriefte Konstanz im Regelwerk für die Dakar 2021 – und rechnet mit Änderungen frühestens ab 2022. „Aber auch darüber muss man sicher noch mal sehr genau reden.“


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 26.09.2020

    Highway Through Green Hell: Teufelskreis

    Das Wetter hat die Teilnehmer beim 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring in einen Teufelskreis gelockt. Denn einer Phase des Abtrocknens zur Primetime folgte ein immer heftiger werd…
  • 26.09.2020

    Highway Through Green Hell: Wirbel um Ferrari

    Christian Bärtschinger sitzt in seiner Lounge und mag nicht mehr. Das ganze Gerede um seinen Ferrari, den Luca Ludwig am Abend mit Intermediates auf Startplatz 2 fürs 24-Stundenren…
  • 26.09.2020

    Highway Through Green Hell: Droht gar ein Abbruch?

    Das Wetter bleibt das große Gesprächsthema im Vorfeld des 24-Stundenrennens. Kurz mal hat sich am Morgen die Sonne durchgequält, doch pünktlich zum Warmup begann wieder der Regen. …
  • 26.09.2020

    Highway Through Green Hell: Morgenlage

    Man kann vom Fahrerlager des Nürburgrings einen schönen Blick auf die Nürburg genießen. Sonst. Denn am Samstagmorgen vor dem Rennstart hat dichter Nebel das Panorama aufgemampft.…
  • 26.09.2020

    Highway Through Green Hell: Coronamaßnahmen am Ring

    Mitarbeiter vom Ordnungsamt patroullieren durchs Fahrerlager – und fordern mit grimmiger Miene jeden auf, seine Munaske aufzusetzen, der mit bloßem Gesicht zwischen den Aufliegern …
  • 25.09.2020

    Highway Through Green Hell: Höllenfahrt von Engel

    Maro Engel startet das 24-Stundenrennen von der Pole aus. Der AMG-Performancefahrer aus Monte Carlo setzte sich in einem Wetterpoker gegen Luca Ludwig im Ferrari durch – nachdem be…
  • 24.09.2020

    Highway Through Green Hell: Gibt's eine Sensation?

    Liegt beim 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring eine Sensation in der Luft? Plötzlich wirkt es so, als sei der Lamborghini aus dem Team von Franz Konrad ein großer Favorit auf den …
  • 24.09.2020

    Der neue Formel 1-Boss

    Die Formel 1 kriegt einen neuen Chef. Stefano Domenicali löst den US-Amerikaner Chase Carey ab – in der Erbfolge von Bernie Ecclestone. Das Fahrerlager überschlägt sich schier vor …
  • 22.09.2020

    Le Mans aujourd'hui: Nachspiel dank Corona

    Corona ist im Langstreckensport angekommen. Porsche hat entschieden, den Einsatz beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring mit einer reduzierten Teilnehmeranzahl zu bestreiten. Betroff…
  • 20.09.2020

    Le Mans aujord'hui: ab in die Zukunft

    Am Samstagmittag vor dem Start zum 24-Stundengeisterrennen von Le Mans hat die Zukunft der Sportwagen-WM erstmals ihr wahres Gesicht gezeigt. Denn die Hypercars leben. Das untermau…
  • 18.09.2020

    Le Mans aujourd'hui: Porsche-Pogo

    Es herrscht Rennbetrieb: Mit über 300 km/h eilt der Porsche 911 RSR über die Landstraße D338 von Le Mans in Richtung Tours. In den zwei Schikanen, die im Alltag gesperrt und ein be…
  • 15.09.2020

    DTM-Zukunft: Das ist die Lösung

    Ist das der Durchbruch? Beim großen Experten-Videotalk auf dem YouTube-Channel der Zeitschrift haben die Experten Lucas Luhr und Timo Rumpfkeil im Gespräch mit Verleger Norbert Ock…
2020 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA