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15.05.2019

Wir sind das Volk


Der ultimative Beweis ist türkis. Das ist die Grundfarbe der Lynk & Co – der jüngsten Neuzugänge im Tourenwagen-Weltpokal. Die junge chinesische Marke schickt seit 2019 ein Allstaraufgebot in die WTCR, mit den Exweltmeistern Yvan Muller, Andy Priaulx und Thed Björk, dazu mit dem knabenhaften Yann Ehrlacher eines der größten Talente, das der internationale Produktionswagensport derzeit kennt.

Lynk & Co ist die erste chinesische Marke, die sich im Motorsport engagiert. Das ist ein Teil der industriellen Revolution in der Autobranche, die vor allem den deutschen Herstellern in den kommenden Jahrzehnten so richtig zusetzen wird. Deren Schlingerkurs hat gerade erst begonnen. Noch können die Deutschen den Absturz verhindern. Aber wenn man sich das Gebahren so anguckt, kann man nur zu dem Schluss kommen: Das wird nix mehr.

Die genauen Hintergründe, wie und warum die Türkisen in den Tourenwagen-Weltpokal eingestiegen sind, arbeiten wir gerade in einer großen Geschichte für die kommende Ausgabe der Zeitschrift PITWALK auf. Da setzen wir auch die politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen in jenen Kontext, der in der allgemeinen Betrachtung der Neulinge durch andere Medien bislang auf der Strecke geblieben ist. Aber das ist ja schließlich auch der Anspruch unseres Premiummagazins.

Dass die Chinesen sich gerade für die WTCR und nicht etwa fürs DTM, die Sportwagen-WM, Rallye oder gar die Formel 1 entschieden haben, ist ein klares Signal. Der Weltpokal ist die einzige FIA-Serie, die schon die Wende geschafft hat, die ihre Krise hinter sich gelassen hat. Weil der Serienbetreiber François Ribeiro die eigene Sturheit über Bord geworfen und sich mit seinem einstigen Erzrivalen Marcello Lotti zusammengerauft hat. Ribeiro brauchte die Rechte an der TCR-Fahrzeugklasse; auf denen sitzt Erfinder Lotti, von Ribeiro als Promoter der Tourenwagen-WM abgelöst. Also mussten die beiden irgendwie zusammenfinden, sonst wäre die WM ganz eingegangen – statt nur zu einem Weltcup umgewidmet zu werden.

Dieser Name ist Schall und Rauch. Entscheidend ist: Die Serie hat nicht nur überlebt. Sie ist inzwischen, nach nur einem Welpenjahr, die beste Tourenwagenmeisterschaft der Welt, wenn man die US-NASCAR mit ihrem Sonderweg mal ausklammert. Nirgends fahren mehr Stars, nirgends stimmt die Mischung aus Sport und Show, nirgends sind die Rennen abwechslungsreicher und auch brutaler. Die erzwungene Reform hat einen neuen Big Player entstehen lassen, der außer in Deutschland mittlerweile überall Bewunderung hervorruft.

Das ist vor allem der Weitsicht von Ribeiro geschuldet. Der Franzose hielt erst mehr von der Klasse 1, mit dem das DTM die Wende erreichen will, zeigte sich aber nicht beratungsresistent wie viele andere Funktionäre. Und er zog die richtigen Schlüsse, als er sein Championat auf TCR-Modelle umrüstete. Zwar sagen manche Kritiker, das sei um Jahr zu spät gekommen. Doch als ich Ribeiro damit bei einem gemeinsamen Frühstück in Granollers bei Barcelona konfrontierte, konnte er glaubhaft und nachvollziehbar versichern, warum die Zeit für diesen Wechsel von TC1- auf TCR-Modelle früher noch nicht reif gewesen sei.

Er sagte auch, das DTM sei für seine WTCR kein Gegner, denn beide Serien gehorchten einem völlig anderen Anspruch: Kundensport für professionelle Teams mit Topfahrern auf der einen, Werkssport für Premiummarken mit überlagernden Marketinginteressen auf der anderen Seite. Das DTM entwickele sich anders als die WTCR, man könne beide Serien nicht miteinander vergleichen.

Ich gehe noch einen Schritt weiter – und vergleiche die WTCR sogar mit der IndyCar. Beide Serien besinnen sich zurück auf alte Werte: Motorsport nach altem Schrot und Korn mit authentischen Hauptdarstellern, von denen man weiß, wofür sie stehen. Mit Autos, die echte Zweikämpfe zulassen und die sichtbar spektakulär zu bändigen sind. Und mit gelebter Zuschauerfreundlichkeit.

Es ist sicher kein Zufall, dass die IndyCar und der Tourenwagen-Weltpokal derzeit die einzigen Motorsportsparten sind, die sich klar im Aufschwung befinden. Gerade im holprigen Gebilde der verschiedenen FIA-Serien, die alle ihr eigenes Kreuz zu tragen haben und von denen keine so richtig begeistern kann, hat die WTCR inzwischen auch eine Vorbildfunktion. Weil die Promoter rund um Ribeiro alles richtig gemacht haben. Und weil die FIA ihnen so viel Vertrauen entgegenbringt, das man gemeinsam und aneinander wachsen kann.


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