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08.05.2019

Wenn Sterne aufgehen


Solche Momente sind selten. Aber sie bleiben einem lange im Gedächtnis. Hin und wieder wird man als Journalist Zeuge davon, wenn ganz besondere Könner zum ersten Mal auffallen.

Das erste Formel 3-Rennen mit dem KMS-Team von Jarno Trulli war ein solcher Moment, ebenso die erste IRC-Rallye, bei der Thierry Neuville auftauchte. Und beim Sechsstundenrennen von Spa am vergangenen Wochenende sorgte Stoffel Vandoorne für so einen Aha-Moment.

Zugegeben, der Lokalmatator ist jetzt keine jugendliche Offenbarung. Ganz im Gegenteil: Schon als er in der Formel Renault im Team der Eifel-Urgesteine Jupp und Lars Kaufmann fuhr, war jedem, der genau hinguckte, klar: Stoffel Vandoorne ist ein ganz Besonderer. Er hat dann ja auch bei McLaren den einst so hoch gehandelten Junior Nyck de Vries schnell entkernt, inzwischen ist de Vries nicht mal mehr Simulator- und Ersatzfahrer bei den Engländern.

Doch als Vandoorne dann in die Formel 1 kam, nahm seine Karriere eine schwere Delle. Das McLaren-Team trug schwer am Missmanagement der Chefetage, die sich durch eine hochnäsige Attitüde immer weiter von den einfachen Mitarbeitern im Rennstall entfernte und die gleichzeitig auch nicht mal im Ansatz das eigene Tun hinterfragte. Das Resultat war eine völlige Fehleinschätzung der Qualitäten des eigenen Autos – gepaart mit einem zwar schleichenden, aber dennoch unaufhaltsamen Motivationsverlust der Mechaniker und der Ingenieure auf der unteren und mittleren Ebene.

Die Krise bei McLaren ist hausgemacht, er neue Teamchef Zak Brown und seine neue rechte Hand Andreas Seidl – am 1. Mai von Porsche gekommen, wo er LMP1-Teamchef war – haben alle Hände voll zu tun, die Schieflage wieder geradezubiegen. Die Arbeit daran hat gerade erst begonnen.

In genau dieser Zeit des Absturzes, der fatal an die Lage beim HSV am Ende der Bundesligasaison und auch jetzt wieder mit der Torschlusspanik kurz vorm möglichen Aufstieg erinnert, sollte sich Stoffel Vandoorne als Frischling einen Namen machen. Das konnte nicht gutgehen.

Der Belgier wurde deswegen zwangsläufig unter Wert geschlagen. Um so erfreulicher, dass er in den Dallara von SMP in der LMP1-Privatklasse in Spa auf Anhieb zeigte, was er wirklich drauf hat: Vandoorne wurde im Handstreich zum Leistungsträger, hat maßgeblich dafür gesorgt, dass die Dallara an den Oreca LMP2-basierten Rebellion vorbeigezogen sind und zum besten Privatier avancierten. Seine Glanzzeit im Sportwagen hat gerade erst begonnen. Auch wenn man ihm wünschen muss, dass er in der Formel 1 noch eine zweite Chance kriegt. Denn er ist gut genug dafür, es auch in der Königsklasse ganz an die Weltspitze zu schaffen.

Die Renaissance des Stoffel Vandoorne ist aber nicht das einzige Frühjahrsmärchen des vergangenen Wochenendes. Beim GT3-Sprintrennen in Brands Hatch tauchte in Thomas Neubauer ein international völlig unbelesener 19-Jähriger auf – und gewann auf Anhieb das erste Rennen am Sonnabend, gemeinsam mit Nico Bastian. Und das, obwohl Neubauer als reiner Amateur gehandelt und eingestuft wird und vorher noch keine GT3- oder überhaupt Sportwagenerfahrung hatte.

Wir befassen uns heute in einem neuen PITCAST mit diesem Wunderknaben. Aber er scheint in dieselbe Liga der geschichtsträchtigen Frischlinge zu fallen wie etwa Fabian Schiller, der auch in Brands Hatch am Start war – ein Deutscher, der vor drei Jahren noch in einem Renault-Markenpokal unterwegs war und sich über diese Schiene zu einem neuen GT3-Star hochgedient hat.

Die letzten Rookies, deren Durchbruch in die Weltspitze sich bei einem einzigen Rennen abgezeichnet hatte, waren Matthieu Jaminet beim Petit Le Mans in Atlanta 2018 und Matt Campbell beim GT3-Rennen auf dem Mountain von Bathurst im Januar. Porsche hat da ein besonderes Talentfördersystem, das schon in den Markenpokalen beginnt. Aber die Beispiele von Schiller und Neubauer zeigen – es geht auch anders. Nach alter Väter Sitte halt. Wie weiland bei Trulli und Neuville.


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