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17.04.2019

Was hat McLaren zu verbergen?


McLaren bleibt ein Rätsel. Und nicht nur in der Formel 1 ein Verein von Geheimniskrämern. Gerade im thematischen Umfeld unserer Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK spielen die Engländer eine unrühmliche Rolle, die an die Zeiten der Ron-and-Norbert-Show aus der Formel 1-Ära mit Mercedes erinnert.

Damals hatten Ron Dennis und Norbert Haug jedes Wochenende, meist sonnabends, zu Presserunden geladen, in denen beide minutenlange Monologe mit gedrechselter Sprache, aber ohne jede Inhalte geladen hatten. Das leere Schwadronieren der beiden sorgte unter Journalisten jahrelang für Belustigung und bescherte uns viele geflügelte Worte, die fortan bei allen passenden und unpassenden Gelegenheiten zitiert wurden.

Wer ein bisschen mehr zu diesem Ron-Speak und dessen komplexbehafteten Hintergründen erfahren möchte, dem sei der zweite Teil unserer PITCAST-Serie mit Formel 1-Reporterlegende Achim Schlang empfohlen. Dort beleuchtet Schlang feinfühlig, warum Dennis sich in diese Scheinwelt flüchtete – weil er nämlich mit seiner eigenen Vergangenheit aus Gründen des üblichen englischen Klassenschrankendenkens unbedingt hart brechen wollte.

Seit Zak Brown, ein eloquenter US-Amerikaner, bei McLaren Regie führt, sind solche lachhaften Episoden eigentlich vorbei. Doch just im Wirbel um die neuen LMP1-Regeln für Le Mans und die Sportwagen-WM hat Brown sie wieder einreißen lassen.

Natürlich sollte auch Brown eine Bühne bekommen, seine Meinung und die Hintergründe von McLarens Entscheidungsfindung darstellen zu können. Dazu war eigentlich ein Interview mit ihm persönlich abgemacht. Doch Stück für Stück ruderte der Pressearbeiterstab dann wieder zurück. Zuerst sollten die Fragen schriftlich eingereicht werden – dabei sind Interviews per E-Mail ein Unding, denn so raubt der Befragte dem Fragesteller die Möglichkeit, auf die Antworten einzugehen und nachzuhaken. Echte Gespräche können per E-Mail nicht zustande kommen, und ein stures Abarbeiten eines Fragekatalogs ist nun mal kein Interview.

Trotzdem wurden die Fragen pünktlich eingereicht. Seitdem herrscht Schweigen. Bis auf eine Antwort auf eine Rückfrage, die Antworten würden bald kommen. Die Frist zur Einbindung in die aktuelle Ausgabe ist längst verstrichen, klar – das Heft ist ja seit fast einer Woche im Handel. Und auch die angekündigte Ablieferung auf Nachfrage ist nicht erfolgt.

Warum verschanzt sich McLaren hinter einer Mauer des Schweigens? Ganz offenbar, weil die Engländer etwas zu verbergen haben. Wollen sie die Regelmacher der 24 Stunden von Le Mans politisch an der Nase herumführen? Dass McLaren eine der treibenden Kräfte dahinter war, die Hypercar-LMP1-Regeln aufzuweichen und auch Straßenautos zuzulassen, ist kein Geheimnis. Aber hat McLaren echtes Interesse, oder ist das alles nur Geschacher? Ernst nehmen kann man McLaren derzeit jedenfalls nicht. Und die Le Mans-Veranstalter sind gut beraten, sich auf die Engländer keinesfalls als verlässliche Gesprächspartner für die Konfiguration der Zukunft zu stützen. Dass McLaren kommt, und wenn auch nur irgendwann – die Chancen stehen bestenfalls 50 : 50.

Das Verwirrspiel aus Woking erinnert schwer an eine Episode von vor drei oder vier Jahren. Damals waren jede Menge McLaren-Mitarbeiter bei den 24 Stunden von Le Mans vor Ort. Sie schauten sich dort um, weil sie die Manege für ein neues GT-Projekt erkunden wollten. Das war im Fahrerlager nicht schwer zu recherchieren.

Doch kaum on-air im Fernsehen ausgesprochen, trudelt auch schon eine zürnende SMS von McLaren direkt ein: Die ganzen McLaren-Leute seien doch nur vor Ort gewesen, weil ein alter F1 GTR aus der GT1-Ära im Rahmenprogramm Demorunden absolviert habe und dieses Auto technisch betreut werden müsse. Wie könne man nur etwas Anderes behaupten?

Das musste ja stimmen, schließlich ist die Erde ja auch eine Scheibe.

Dass McLaren mit Fernando Alonso zum Indy 500 – einem weiteren Themenschwerpunkt unserer neuen Ausgabe von PITWALK übrigens – geht, ist ja schön und gut. Angeblich planen die Ritter der Schwafelrunde nun auch einen Start in der ganzen IndyCar-Saison 2020. Dazu wollen sie Alonso von Toyotas Sportwagen-WM loseisen.

McLaren und Le Mans jedenfalls – es bleibt ein Drama, das auf dem Rücken der Falschen ausgetragen wird. Nämlich auf der Zukunft des größten europäischen Autorennens. Dessen Betreiber erleben eh' schon harte Zeiten, da brauchen sie nicht noch genasführt werden.


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