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07.01.2019

Von Daytona nach Peru


Manchmal sind die Wege am anderen Ende der Welt erstaunlich kurz. Daytona Beach und Lima liegen sogar in derselben Zeitzone – sodass man mit einen bisschen Koordinationsgeschick den Roar-Vortest zum 24 Stunden-Rennen von Daytona und die letzten Vorbereitungen auf die Rallye Dakar in Peru parallel journalistisch beackern kann.

Und in Daytona wird die Dakar auch noch anderswo zu einem Thema – in der Garage Area, also jenem Boxenbereich im Fahrerlager, dessen Anordnung so typisch für den US-Sport ist. Dort ist die Boxengasse ein temporärer Arbeitsbereich, den die Mechaniker mit Werkzeugwagen einrichten und wieder verlassen – das, was in Europa als Boxengebäude bekannt ist, steht in den USA abseits der Boxen im Fahrerlager, als Garagen oder zumindest unter Dach.

An der vorderen Garagenfront von Daytona herrscht das übliche Gewimmel. Denn beim Roar dürfen hier sogar die Fans ganz normal rein, sie können auf Tuchfühlung mit den Stars gehen. Da steht dann auch schon mal ein kleines Kind mit großen Augen am Rande jener Gasse, die sich die Rennwagen mit lauten, warnenden Gasstößen durch die Menschenmenge bahnen. Denn die Boliden müssen ja irgendwie von der Boxengasse im Oval zurück zu den Garagen kommen, trotz der Menschenmassen.

Und der kleine Junge, vielleicht acht Jahre alt, steht beharrlich dort, ganz vorn, vor allen Besuchern, und winkt jedem vorbeifahrenden Rennauto freundlich zu.

Durch das Menschenmeer krault auch Romain Dumas zurück zur Basis von Core Autosport, seinem Prototypenrennstall in den USA. Der Franzose bleibt abrupt stehen, um seine heimliche Leidenschaft anzusprechen: die Rallye Dakar.

Man hätte es schaffen können, bedauert Dumas. „Einfach von hier nach Peru fliegen, das hätte zeitlich schon gepasst“, kalkuliert er. „Aber man kann ja auch nicht überall sein.“

Damit hat der Hobbyrallye- und -vielfahrer in diesem Jahr schon zum zweiten Mal in Folge das große Motorsportabenteuer auslassen müssen. Im vergangenen Jahr überschnitt sich der Roar mit den Starttagen und ersten Etappen der Rallye, da konnte Dumas unmöglich hin. „Dieses Mal hatte ich sogar ein Angebot von PH-Sport, mit einem Peugeot zu fahren. Aber ich wollte nicht so recht“ – alles zu hektisch.

PH-Sport suchte lange nach Helfershelfern für Sébastien Loeb, den viele als Geheimfavoriten erachten. Denn der ehemalige Peugeot-Werksfahrer hat nicht nur einen Ex-Werkswagen, sondern auch beinahe die gesamte Mechaniker- und Ingenieurscrew aus dem Werksrennstall bekommen. Der 3008 wird von PH-Sport eingesetzt, aber de facto von Werkspersonal betreut. Nur von einem deutlich geringeren Stab als bei einem vollen Herstellerangriff.

PH-Sport braucht zur Unterstützung von Loeb eine Flotte von schnellen, zuverlässigen, aber auch duldsamen Wasserträgern – die ihre eigene Chance opfern, um mit bis zu 120 Kilogramm Zuladung hinter Loeb herzufahren. Ihre Autos sind vollgespickt mit Antriebswellen, Ersatzrädern, Aufhängungsteilen – alles, was man braucht, um erste technische Hilfe zu leisten, wenn Loeb was krummfährt. Dann sind die schnellen Eingreiftruppen mit ihren Rallyewagen schneller vor Ort als die Helfer in den Service-Lkw, die nach den Autos in die Etappen gehen.

Solch’ eine Rolle hat Dumas vor zwei Jahren schon mal für Peugeot erledigt, die Franzosen haben ihm dafür gewaltige Rabatte und Sonderkonditionen fürs Leasing des 3008 eingeräumt.

Dieses Jahr wäre die Löwenhelferrolle nicht die einzige Chance für Dumas gewesen, von Daytona südostwärts nach Peru zu fliegen. „Am Tag vor dem Roar hat mich Jean-Marc Fortin angerufen – dem ist kurzfristig ein Fahrer abgesprungen, sodass er mit einem leeren Auto da unten steht. Das hätte ich fahren können.“

Doch auch der Einsatz im Toyota Hilux des belgischen Overdrive-Teams ist Dumas zu wuselig. Denn nur ein Wochenende nach dem Zieleinlauf in Peru steht in Daytona schon das 24 Stunden-Rennen auf dem Programm. Die Wege wären zwar Kurs – aber die Ortsabwesenheit trotzdem unerträglich lang.


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