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15.04.2021

Verpfiffen!


Für Max Verstappen wird’s eng. Das erste Rennen der Saison in Bahrein war das, was man im Fußball ein Sechspunktespiel nennt – er hätte es gewinnen müssen, weil der Red Bull dem Mercedes erstmals technisch überlegen ist.

Noch.

Denn es wird nicht lange dauern, bis die britischen Schwaben mit ihrem riesigen Entwicklungsapparat einen Weg gefunden haben werden, die alte Dominanz wieder herzustellen. Es braucht Forschung im Bereich der Luftführung und -leitung unter dem Fahrzeug, wo der sogenannte „unschädliche Abtrieb“ produziert wird: Anpressdruck, ohne dass man dafür einen höheren Luftwiderstand in Kauf nehmen müsste, wie es etwa bei Frontflügel oder Heckspoiler der Fall ist.

Wegen zweier kleiner Regeländerungen ist das aerodynamische Konzept des Mercedes nicht mehr so schlagkräftig wie in der Vergangenheit – und wie der Red Bull. Oder auch der Ferrari, denn der folgt demselben Konzept wie der Limonadenwagen. Aber die Auswirkungen der Änderungen sind absehbar. Deswegen wird es auch nicht lange dauern, bis Mercedes die Lücke geschlossen und den alten Vorsprung wieder hergestellt haben wird.

Solange muss Verstappen Heu machen. Aber dazu darf ihn sein Team nicht so kläglich im Stich lassen wie in Bahrein. Der berühmte Elfmeter von Uli Hoeneß in den Nachthimmel von Belgrad 1976 war ja verglichen mit der Leistung von Red Bull im Nahen Osten regelrecht super gezielt. Verstappen braucht Siege, und zwar Doppelsiege, damit sein Punktekonto sich eine Wampe anfressen kann, bevor Lewis Hamilton in Fahrt kommt.

Dumm nur, dass Red Bull Hamilton in Bahrein in Fahrt gebracht hat – und Verstappen schon gleich in die Rolle des Verfolgers hetzt. Wenn in Imola wieder etwas schiefgeht, dann dürfte die WM schon wieder gelaufen sein. Nur ein Sieg von Verstappen vor seinem neuen Teamkollegen Sergio Pérez hilft dem Niederländer.

Was die Formel 1 dabei am wenigsten gebrauchen kann, sind fortwährende Schiedsrichterdiskussionen. Genau die toben aber im Hintergrund seit der arabischen Nacht. Denn Hamilton hat an einer Stelle so oft neben der Strecke eine Kurve geschnitten und abgekürzt, dass er sich damit über die Renndistanz einen Vorteil von 5,8 Sekunden rausgeholt hat – ungesühnt. Verstappen hat Hamilton an exakt derselben Stelle überholt, auch neben der Strecke – und musste den neu erkämpften ersten Platz wegen eines Regelverstoßes wieder zurückgeben.

Rein formaljuristisch war das alles richtig, weil genau so in der Fahrerbesprechung erörtert und angekündigt. Aber wenn dauernd Debatten über Strafen und deren Rechtmäßigkeit aufkeimen, killt das die Faszination am Sport. Fußball kann man sich durch die ewigen Videobeweise und Schiris, die mit hochwichtiger Miene zu einem Riesenfernseher hasten und dort Ewigkeiten reinstarren, auch live fast nicht mehr angucken. Und die Formel 1 gibt sich mit immer engstirnigeren Regelauslegungen schon seit einiger Zeit der Lächerlichkeit preis.

Man hat fast den Eindruck, als möchten sich manche Sportkommissare bewusst produzieren und in den Vordergrund spielen.

Das muss der Weltverband FIA als oberster Wettbewerbshüter tunlichst unterbinden. Denn Sport gehört auf dem Spielfeld, auf der Strecke oder in der Halle entschieden – und nicht an Grünen Tischen oder vor Monitoren. Fingerspitzengefühl bei Entscheidungen muss wieder gefragt sein. Denn man kann mit fachkundigem Blick sehr wohl sehen, ob jemand bewusst grob foult – oder ob er einfach nur einen Fehler macht und deswegen von der Strecke rutscht oder seinen Vordermann rammt. Da muss es eine Abstufung im Strafmaß geben. Und die fehlt momentan.

Als Vorbild mag da eine Rennserie dienen, die am Wochenende ihren Saisonauftakt hat: die IndyCar, das nordamerikanische Pendant zur Formel 1. Dort wird nicht kleinlich gepfiffen, sondern man lässt eine gesunde Härte zu, solange der Bogen nicht überspannt wird.

Die leidige Diskussion über „Track Limits“ – also das Verlassen der Strecke mit gleichzeitiger Vorteilsnahme – ist dort eh’ kein Thema. Denn die IndyCar fährt auf Pisten nach altem Schrot und Korn – ohne asphaltierte Auslaufzonen, mit Kiesbetten oder gar Begrenzungsmauern. Als Romain Grosjean nach seinem Formel 1-Aus seinen ersten IndyCar-Test fuhr, steckte er gleich mal im Kies fest – nach einem Dreher, nach dem er in der Formel 1 einfach weitergefahren wäre, weil er auf Teer aasgetrudelt wäre.

Imola ist eine Piste nach altem Schrot und Korn. Doch auch da gibt es schon wieder offizielle Dokumenten und Klarstellungen der Rennleitungen zum Thema Abkürzen. Verstappen und Red Bull müssen ihre Lektion von Bahrein also doppelt gelernt haben: Wer sich nicht durch eigene Tapsigkeit trotz schnelleren Autos ins Hintertreffen bringt, der muss sich später auch nicht abmühen bis zur Grenze der Illegalität, um die Überlegenheit auch ummünzen zu können.


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