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11.02.2019

Vaters Tag


Jenson Button ehrt seinen verstorbenen Vater – mit einem neuen GT3-Team. Dazu geht der Formel 1-Weltmeister von 2009 eine Allianz mit dem englischen Traditionsteam RJN ein – ein Rennstall unter der Führung des ebenso stillen und unauffälligen wie zähen und durchsetzungskräftigen Engländers Robert Neville.

RJN ist eigentlich ein klassisches Tourenwagenteam, das auf internationaler Ebene erstmals zu Zeiten der revitalisierten EM in der Super Racing Weekend-Ära von sich reden machte. Damals versuchte Bob Neville, mit privat eingesetzten Nissan gegen die Werksteams von Alfa und BMW anzukommen – und sein norwegischer Pilot Tommy Rustad verbrachte als Underdog zuweilen wahre Wunderdinge.

Rustad, der ausdrucksstarke Kahlkopf, wechselte danach in den Rallycross-Sport, RJN verdingte sich als Nissan-Werkspartner für die verspielte GT Academy, die – rein marketinggetrieben – aus Konsolenspielern echte Rennfahrer machen sollte, und ärgerte sich mit GT3-Versionen des GT-R-Godzilla herum, die außer Geradeausfahren nicht viel konnten.

Die neue Allianz mit Button – dem werdenden Vater, der inzwischen in Kalifornien wohnt, aber für Honda 2018 die Japanische Super GT-Meisterschaft gewann – macht aus RJN nun schlagartig ein Siegerteam. Denn der NSX GT3 mit seinem einzigartigen 3,5 Liter-V6-Biturbo mit einem Bankwinkel von 75 Grad und einer Kombination aus Direkt- und Saugrohreinspritzung hat nicht nur wegen des innovativen Motorkonzepts, sondern auch wegen seiner geringen Stirnfläche und seiner abtriebsintensiven Karosserie- und Unterbodenkonzepte das Zeug, in die Phalanx von AMG, Audi und Co. einzubrechen. Außerdem ist er ein Heckmittelmotorwagen wie der R8 und der Lambo, verfügt also über den besten Schwer- und Drehpunkt für einen GT3-Rennwagen.

Zumal Honda für 2019 eine Ausbaustufe der neuen Generation nachgelegt hat, die mit mehr Abtrieb an der Vorderachse und mehr Drehomen daherkommt. Die genauen technischen Details dazu stehen in Ausgabe 46 der Zeitschrift PITWALK. In der werden im Rahmen der großen Daytona- und IMSA-Saisonvorschau auch die neuesten Ausbaustufen der verschiedenen GT3-Modelle intensiv unter die Lupe genommen.

Mit der neuen Allianz aus Button und RJN schließt sich für den Formel 1-Star ein Kreis. Denn er beteiligt sich unter dem Namen „Rocket Motorsport“ an der Allianz. Das ist eine Hommage an jene Kartmotoren-Tuningschmiede, die Vater John Button gegründet hatte, als Klein-Jenson einst sein zweites Kartrennen fuhr – die Britische Meisterschaft in Little Rissington in der englischen Grafschaft Gloucestershire.

Vater John Button hatte damals die Nase voll von den Schwankungen und Ausschlägen der Automobilwirtschaft, welche die Absatzzahlen seiner Autohäuser rund um Frome in der Grafschaft Somerset auf Berg-, aber weiland immer öfter Talfahrt schickten. Er gab auch den Rallycross-Sport mit seinem VW Käfer auf, konzentrierte sich nur noch aufs Kartmotorentuning – und belieferte neben dem eigenen Sohnemann später auch Lewis Hamilton mit Aggregaten.

Als dessen Vater Anthony und John Button sich im Formel 1-Fahrerlager wiedertrafen, entstand unter denjenigen, die sich auch mit dem englischen Motorsport und deren Hauptdarstellern befassten, schnell das geflügelte Wort, dass der Hamilton-Clan der Familie Button noch 300 britische Pfund schulde, nebst Zinsen natürlich.

Vater John Button avancierte in der Karriere von Sohn Jenson schnell zu einem Fixpunkt. Als „Papa Smurf“ – also „der Oberschlumpf“ – brachte er es im Formel 1-Fahrerlager selbst zu Berühmt-, vor allem aber unbändiger Beliebtheit.

Vater John starb 2014 unter nie ganz geklärten Umständen vorm Eingang seiner Villa in Hanglage in Cap d’Ail. Sohn Jenson Button vermutet, er sei bereits in Monaco auf einer Rolltreppe gestürzt, dann mit blutig gestoßenem Kopf noch halb verwirrt nach Hause gefahren und dort erneut gefallen.

Den plötzlichen Tod seines zwar zuckerkranken, sonst aber bestens fidelen Vaters hätte Jenson nach eigenem Bekunden nie ausreichend betrauert, den Motorsport und das Leben seitdem nie mehr so genossen wie zuvor.

Da passt es, dass er jetzt den motorsportlichen Namen seines Vaters zurück in den Rennsport bringt – und dass Chris Buncombe, der Sohn von Papas Kartgegner aus Clay Pigeon-Rennbahntagen namens Jonathan und seit der Gründung von Johns Tuningschmiede ein enger Freund von Jenson, gleich noch Geschäftsführer des neuen Rennstalls wird.

Chris Buncombe ist selbst erfolgreicher GT3-Rennfahrer. Er trat zuletzt für England beim GT3-Nationenfinale in Bahrein an, das die Türkei im November so überraschend gewann.

Bei der Präsentation zeigten Button und Neville den Wagen in jener Grundbeklebung, mit der Button seinen größten Erfolg feierte: im Weißgelbschwarz von BrawnGP aus dem Jahre 2009. Schließlich waren das Formel 1-Team und der Weltmeisterwagen eigentlich als Werks-Honda geplant gewesen, bevor die Japaner ausstiegen.

Und Jenson Button ist seither der Marke Honda stets eng verbunden geblieben.


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