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04.05.2021

Trauer um Peter Rumpfkeil


Peter Rumpfkeil ist tot. Der 79-jährige Niedersachse starb am Sonntagabend im Krankenhaus von Wildeshausen an den Folgen einer Lungenentzündung – nachdem die Spätfolgen eines vor neun Jahren erlittenen Schlaganfalls ihn immer weiter geschwächt hatten.

Der gebürtige Hannoveraner war einer jener Motorsportfunktionäre, die den Rennsport in Deutschland über Jahrzehnte geprägt und nach vorn gebracht haben. Als Offizier auf dem Luftwaffenfliegerhorst von Diepholz kommt er als junger Bundeswehrler mit dem Motorsport in Berührung, denn in Diepholz hat sich eine kleine Clique herausgebildet, die mit DKW-Planwagen an nationalen und regionalen Rallyes teilnimmt. Das ist die Keimzelle für jene Flugplatzrennen, bei denen bis hin zum Gruppe C-Supercup und der kurzlebigen ITC alle möglichen Klassen antreten – und bei denen Peter Rumpfkeil mit harter Hand und militärischer Strenge als Rennleiter fungierte.

Mit Gattin Margarethe – einer der ersten Fahrlehrerinnen im Deutschland der Wirtschaftswunderjahre – wohnte Peter Rumpfkeil in Drentwede. Und mit seiner Margarethe erfüllte er nicht nur das Flugplatzrennen von Diepholz mit internationalem Flair, sondern auch das Vereinsleben des AMC Diepholz. Die Rumpfkeils schafften mühelos den Spagat zwischen Profisport und Klubtümelei.

Rumpfkeil herrschte zuweilen wie ein Patriarch, zog aber im Hintergrund viele Fäden mit viel Feingefühl und einer Diplomatie, die man ihm nach dem ersten Kennenlernen nie zugetraut hätte. Eine besondere Freundschaft verband ihn mit Hugo Emde – dem Rennleiter von Bilstein, in dessen Renndienstbus einst die Ur-DTM erfunden wurde, unter reger Teilhabe von Rumpfkeil.

Als Hugo Emde starb, erbten die Rumpfkeils dessen stattliche Teddybärensammlung. Ein Teil der Teddys zog mit ein in Peter Rumpfkeils Büro oberhalb der Boxengasse der Motorsportarena Oschersleben. Denn als die Flugplatzrennen von Diepholz und Ahlhorn, wo es unter AMC-Regie auch ein kurzes Gastspiel mit Rumpfkeil als Rennleiter gab, finanziell und logistisch nicht mehr sinnvoll zu stemmen waren, nahm Rumpfkeil den AMC Diepholz kurzerhand mit in die Magdeburger Börde. Dort führte er seit der Bauphase bis zur Rente den Motopark, der inzwischen Motorsportarena heißt. Sohn Timo baute vor den Toren der Rennstrecke sein eigenes Nachwuchsformelteam auf – heute eines der besten Europas, in dem unter anderem Max Verstappen, Valtteri Bottas, Bruno Senna und Sébastien Buemi ihre Grundausbildung erhalten haben.

Das Team von Sohnemann Timo erfüllte den Vater auch dann noch mit Stolz, als es mit seiner Gesundheit und Fitness schon bergab ging. Wenn er über Timos Erfolge sprach, wurde die Stimme oft unerwartet sanft und weich. Denn die milde Seite zeigte Peter Rumpfkeil, ganz kerniger Militär, nicht sonderlich oft in der Öffentlichkeit. Man musste sich sein Vertrauen erst verdienen und auch erarbeiten, ehe er einen in sein Herz ließ. Doch hatte man darin erst mal Platz gefunden, dann konnte man sich ungebrochener Loyalität und Zuneigung sicher sein.

Peter Rumpfkeil war nicht nur Rennleiter, Sportleiter beim AMC Diepholz und Chef von Oschersleben – sondern auch Sportleiter des ADAC-Gau Weser/Ems und zusammen mit Hans Niemann Gründervater der Breitensportserie Top 10, die in den späten Neunzigern der Basis des deutschen Motorsports ein gesundes und stabiles Fundament verliehen hat. Denn für Rumpfkeil gab es stets nicht nur den Profisport – Amateure, Breitensportler und sogar motorsportliche Randdisziplinen wie Bahnsport oder Parkplatzslalom waren ihm ebenso wichtig, und er setzt sich für deren Belange auf seinen Funktionärsposten wie für die internationalen Profis, die Margarethe und er nonchalant nach Diepholz lotsten.

Margarethe und Peter Rumpfkeil wohnten bis zum Wochenende zusammen in jenem Gebäude, in dem auch ihre Fahrschule untergebracht war. Im Unterrichtsraum für die Theoriestunden wurden manche motorsportlichen Pläne geschmiedet, die man heutzutage wohl als Innovation bezeichnen würde. Damals herrschten einfach nur gesunder Menschenverstand und eine tiefe Begeisterung für den Sport vor – und so kamen richtungsweisende Ideen aus der niedersächsischen Tiefebene, die den deutschen Rennsport nachhaltig bereichert und aus seiner Provinzialität geholt haben.

Auch als die Schlaganfallfolgen ihn schon schwächten, verfolgte er sowohl das Geschehen in seinem AMC als auch in Motorsportdeutschland. Jetzt ist einer der besten Funktionäre und leidenschaftlichsten Racer, die das Land je erlebt hat, nicht mehr da.

Doch sein Erbe lebt weiter. In Sohnemann Timo – und in den vielen Weichenstellungen, deren Folgen man auch über Jahre hinweg noch im hiesigen Rennsport finden wird.

Bis zuletzt hatten die Rumpfkeils einen Jour-fixe: den Saisonauftakt des GT-Masters in Oschersleben. Und bis zuletzt hatte Peter Rumpfkeil eine Abneigung, die viel darüber aussagt, wie sein Herz schlug und sein Kopf funktionierte: Er konnte es partout nicht ausstehen, wenn jemand auf einem Schreibtisch saß.


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