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19.05.2020

Tag der Wahrheit für die Grüne Hölle


Am heutigen Dienstag wird das Konzept für eine Durchführung der ersten Nordschleifenrennen der Langstreckenmeisterschaft vorgestellt. Die VLN will den Plan der ILN, also der Interessengemeinschaft der Teams für die Eifelserie, darlegen.

Die Sitzung von VLN- und ILN-Vertretern ist für 16 Uhr am Dienstagnachmittag, dem 19. Mai, angesetzt.

Der dort vorzulegende Fahrplan, der von der Nürburgring GmbH und den Hotelbetrieben aus der Region maßgeblich forciert worden ist, basiert auf einem Gutachten von Medizinern aus der Region Bonn, die früher bei Gesundheitsämtern gearbeitet haben.

Die genaue Umsetzung soll eigentlich noch geheim bleiben. Aber so wird sie aussehen:

  • Die Rennen werden als reine Open Air-Veranstaltungen ausgelegt – ohne Belegung der Boxen. So soll vermieden werden, dass sich in den Boxen bis zu 35 Mitglieder von verschiedenen Teams knubbeln wie sonst bei NLS-Rennen üblich.

  • Die Arbeitsbereiche der Teams werden im Fahrerlager gespiegelt.

  • Das Fahrerlager wird in fünf Reihen hinter dem Boxengebäude aufgeteilt.

  • In den ersten und der vierten Reihe stellen die Teams ihre Lkw auf und schaffen so eigene Arbeits- und Werkstattbereiche.

  • Dazwischen werden zwei Slow und zwei Fast Lanes für die Rennwagen gebildet – vor jeder Lkw-Reihe je eine Slow Lane, in der die Arbeiten währenden der Boxenstopps vorgenommen werden, und eine Fast Lane zum Rein- und Rausfahren vor und nach den Stopps.

  • Die Boxenstopps werden zweigeteilt: Zuerst fahren die Wagen wie bei ganz normalen Rennen bei der Zapfsäule in der Boxengasse vor. Dort dürfen nur zwei Teammitglieder warten und das Auto betanken. Ist der Tank voll, fährt der Wagen weiter die Boxengasse hinauf und dann durch die vorletzte Box – Nummer 32 – ins Fahrerlager mit den Lkw-Reihen und zwei Mal zwei Fahrspuren. Dort werden dann Reifen und Fahrer gewechselt und alle weiteren Handgriffe vorgenommen.

  • Nach der Abfertigung fahren die Wagen in einer Linksschleife hinter dem Zielrichterturm durch jenen Teil des Fahrerlagers, in dem sonst die Renndienstlaster der Zulieferer stehen, und von dort im weiten Bogen durch Box 33 wieder zurück auf die Rennstrecke.

  • Die Anzahl der Mechaniker, die jedes Team mitbringen darf, wird begrenzt. Auf wie viele, muss man noch festlegen, weil im bisherigen Grobkonzept noch nicht berücksichtigt wird, dass man für manche Wagen mehr Mechaniker braucht als für andere. Die erste Fassung sieht für GT3-Teams zu wenig Mechaniker vor.

  • Auch die festgelegten Standzeiten der Teams muss man noch errechnen. Sie werden länger sein als bei einem NLS-Rennen mit normaler Boxengassennutzung, weil man vermeiden möchte, dass im Fahrerlager auf der Fast Lane plötzlich Rennen gefahren werden, falls eine Schraubercrew zu lange gebraucht hat. Man wird allen Mechanikern mehr als genug Zeit einräumen, um das Risiko im Freiluftwerkstattbereich klein zu halten.

  • Zuschauer sind nicht zugelassen. Nirgends und ausnahmslos.

  • Im ganzen Fahrerlager herrscht Masken- und Mindestabstandspflicht. Die Teams sind angehalten, unter sich zu bleiben und ihren Arbeitsbereich nicht zu verlassen.

Das Konzept ist von den Medizinern bejaht und zu einem Gutachten formuliert worden. Dann wurde es beim Kreisverwaltungsamt Ahrweiler eingereicht. Wird er dort nicht abgelehnt, kann der Saisonauftakt Ende Juni erfolgen.

Allerdings bleiben noch Fragen, die nicht in dem Konzept stehen:

  • Bleibt es bei Zweitagesveranstaltungen, oder spart man den Teams Kosten, indem man den Freitag streicht? Die Taxifahrten, über die sich viele Rennställe refinanzieren, können wegen der Geisterrennen ohne Gäste eh' nicht stattfinden. Gleichzeitig steigen die Reisekosten, weil man die Autos für die Anreise nicht mehr vollladen darf: höchstens zwei Insassen pro Pkw, ein Fahrer und einer rechts im Fond, und höchstens einer pro Sitzreihe in einem Van. Zudem dürfen die Mechaniker nicht mehr in Doppelzimmmern untergebracht werden, sodass 60 % mehr Hotelzimmer gebucht werden müssen. Einen Teil der Kosten könnte man durch kompaktere NLS-Rennen wieder reinholen.

  • Wie geht die Verpflegung vonstatten? Catering pro Team ist nicht zugelassen. Die Ausrichter der europaweiten GT3-Serie, die Stéphane-Ratel-Organisation, wird deswegen bei ihrer Adaption des neuen Coronakalenders einen Caterer für alle Teams einsetzen. Das birgt Risiken: Bei der Rallye Dakar kommt es – ebenfalls bei Zentralversorgung im Biwak – immer wieder vor, dass eine einzige verdorbene Zutat zu massenhaftem Durchfall und Magenleiden führt.

  • Wie geht es weiter? Ab August soll die Boxengasse wieder normal genutzt werden können. Dann sollen auch wieder Zuschauer an die Strecke dürfen.

  • Dazu soll auf den Tribünen nur jeder vierte Sitzplatz verkauft werden; in den offenen Zuschauerbereichen rund um die Nordschleife soll der Zugang mengenmäßig begrenzt werden. Dazu sollen wie jetzt schon in Restaurants oder vor Supermarktkassen und -käsetheken Planquadrate abgeklebt und wie Claims gesteckt werden, in denen sich ein Gruppe aus maximal zwei Haushalten gemeinsam aufhalten darf – mit mindesten zwei Metern Abstand zum nächsten Bereich.

  • Die VIP-Logen dürfen bei der derzeitigen Mengenlehre aus Fläche und Mindestabstand mit höchstens sieben Menschen pro Lounge belegt werden.

Mit diesem erweiterten Ansatz soll dann auch das 24 Stunden-Rennen im September gesichert werden. Denn das ist für alle Nordschleifenteams die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. Die NLS-Rennen sind nur Beiwerk.

Symbolcharakter hätten sie trotzdem: Es wären europaweit die ersten Rennen, die wieder stattfinden könnten – noch vor der Formel 1 sogar.


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