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13.03.2019

Sturm auf Sebring


Der Schwarzmarkt boomt. Die ersten Eintrittskarten für die beliebtesten Zuschauerbereiche beim Sportwagen-Doppelschlag in Sebring werden heute bereits zum Stückpreis von 500 Dollar angeboten – von findigen Wiederverkäufern, die aus dem Ansturm auf die Rennstrecke Profit schlagen möchten.

Denn die Kombination aus Sportwagen-WM und IMSA-Serie schlägt ein wie eine Bombe. Der Vorverkauf hat gegenüber den Vorjahren mit dem 12 Stunden-Rennen der IMSA als alleinigem Höhepunkt um 40 Prozent angezogen. Viele der Zuschauerbereiche, an denen die Fans mit ihren Wohnmobilen und Zelten stehen, sind bereits seit Wochen ausverkauft.

Auch die Hotels in dem kleinen Nest sind restlos überbucht. Sogar die Teams müssen Anfahrtswege von bis zu 90 Minuten in Kauf nehmen, weil in Sebring selbst keine Betten mehr zu kriegen waren. Sie müssen bis zum kleinen Okeechobee ausweichen, der etwa auf halber Strecke zwischen Sebring und Miami liegt – eine 5.000-Einwohner-Kleinstadt an einem riesigen Binnensee, die eigentlich nur als verschlafenes Anglerparadies oder als Schlaf- und Raststation für Fernfahrer auf dem Highway 98 und der I27 bekannt ist.

Die langen Anfahrtswege machen das Wochenende für die Mechaniker noch strapaziöser, denn sie kommen ohnehin schon eher frühmorgens als spätnachts ins Bett und müssen sich nach zwei, drei Stunden Schlaf wieder aus ihren Motels quälen.

Besondere Heldentaten haben dabei die Schrauber des Teams Project 1 aus dem südoldenburgischen Lohne vollbracht. Deren Porsche 911 aus der GTE-Amateurklasse der Sportwagen-WM war beim Testen bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Niedersachsen ließen daraufhin ein zweites Auto einfliegen, das eigentlich für eine Ausweitung des Programms auf die Europäische Le Mans-Serie gedacht gewesen ist. Der Bolide kam gestern in Florida an – und ist bereits heute Vormittag komplett fertig gemacht und inzwischen schon zur Technischen Abnahme geschoben worden, sodass er auch am Freien Training teilnehmen kann.

Die Ursache für den Großbrand kann vor Ort nicht geklärt werden. Dazu wird der Schmurgelmetallhaufen erst nach Weissach verbracht.

Der Andrang in Sebring treibt seltsame Blüten. Es gibt nicht nur eine eigene Boxengasse für das WM-Feld. Die WM-Veranstalter haben auch das Boxengebäude in Bausch und Bogen für ihren VIP-Club gemietet. In dem war beim 12 Stunden-Rennen immer das Pressezentrum untergebracht. Für die Journalisten wurde stattdessen mitten im Innenbereich der Strecke eine Art Oktoberfestzelt untergebracht. Man fühlt sich wie in alte Zeiten der deutschen Breitensportserie Beru-Top 10 zurückversetzt. Nur dass die Anzahl der Sitzplätze und auch die riesigen Beamer-Leinwände, auf denen die Rennen gezeigt werden, in den Dimensionen des hochmodernen Medienzentrums auf dem Yas Marina Circuit von Abu Dhabi daherkommen.

Wer einen Blick auf die reservierten Plätze wirft, wundert sich über unzählige russische Namen auf den Platzkarten.

Und ein Geschäft boomt in diesem Jahr besonders: Die Vermietung von jenen Elektro-Golfkarts, die auf dem Bild hier zu sehen sind. Denn bis auf wenige Ausnahmen – Fahrer und Teamleitung – darf niemand mit Autos in den Innenbereich, in dem man bislang stets parken und das Fahrerlager zuFuß erobert durfte. Dieses Jahr surrt man mit den Caddys über Verbindungsstraßen im Paddock.

Alles hat einen Touch von Postmoderne. Und Abenteuer.

Also so, wie Motorsport sein soll. Und Spaß macht.


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