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07.05.2019

Strafen-Hagel


Der Text ist dröge. Doch er liefert die Erklärung für den Ausstieg von Porsche aus der LMP1-Klasse der Sportwagen, der die ganze Serie ins Taumeln gebracht hat: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat heute einen Bußgeldbescheid gegen die Porsche AG im Zusammenhang mit Abweichungen von regulatorischen Vorgaben bei bestimmten Porsche-Fahrzeugen erlassen. Durch den Bußgeldbescheid wird das gegen die Porsche AG laufende Ordnungswidrigkeitenverfahren der Staatsanwaltschaft Stuttgart umfassend beendet.

Der Bußgeldbescheid sieht eine Geldbuße in Höhe von insgesamt 535 Millionen Euro vor, die sich aus einer Ahndung in Höhe von vier Millionen Euro für eine fahrlässige Aufsichtspflichtverletzung der Porsche AG sowie einer Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile in Höhe von 531 Millionen Euro zusammensetzt. Die Höhe des Abschöpfungsbetrages richtet sich dabei maßgeblich nach der Profitabilität des Unternehmens.

Nach den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft Stuttgart ist es zu fahrlässigen Aufsichtspflichtverletzungen in einer Abteilung des Entwicklungsressorts mehrere Ebenen unterhalb des Vorstands bei der abgasbezogenen Prüfung von Dieselfahrzeugen gekommen.

Die Porsche AG hat gegen den Bußgeldbescheid wegen fahrlässiger Aufsichtspflichtverletzung keine Rechtsmittel eingelegt. Das Verfahren ist damit beendet.

Damit ist klar: Porsche konnte seit Anbruch des Dieselskandals vom Mutterkonzern VW keine Zukunft in der LMP1-Klasse haben. Und erst recht nicht berechtigte Ambitionen auf einen Formel 1-Einstieg hegen. Denn auch wenn das Riesenbußgeld erst am heutigen Dienstag verhängt wurde und bilanztechnisch erst im ersten Quartal 2019 dafür eine Rückstellung gebildet wurde – die Chefs in Zuffenhausen haben längst die Größenordnung geahnt, die da auf sie zukommt.

Porsche hätte für die LMP1 ein ganz neues Auto bauen müssen. Das alte wäre gegen Toyota nicht mehr konkurrenzfähig gewesen. Die Summen dafür konnte der Vorstand vor dem Hintergrund der drohenden Millionenbuße, die sich jetzt bewahrheitet hat, keineswegs freigeben. Und ein Einstieg in die Formel 1 wäre ebenfalls zu teuer gewesen. Dass der Höchstleistungsmotor noch zuende entwickelt werden durfte, war der Versuch, die damit befassten Topingenieure in Weissach zu halten. Zum Einsatz sollte das Aggregat nie kommen.

Wie notwendig das ist, zeigt der Aderlass, der Weissach erfasst hat, seit das Ende der LMP1 und das Nein zur Formel 1 ruchbar wurde. Die einst getrennten Mannschaften für LMP1 und GT sind wieder zu einer Einheit verschweißt worden. Und der an sich als Chef für beide Bereiche – Formel E statt LMP1 und GT – vorgesehene Andreas Seidl ist flugs zu McLaren in die Formel 1 geflüchtet, weil er sich bei Porsche ohne Spitzenmotorsport unterfordert sah.

Die Kettenreaktion des Dieselskandals für den Motorsport hat damit aber gerade erst begonnen. Das Beben wird sich noch über Jahre hinziehen und den deutschen Rennsport in einen Abwärtsstrudel ziehen, unter dem die Szene noch lange zu leiden haben wird.


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