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24.06.2021

Stiehlt sich Verstappen jetzt davon?


Kippt in diesen Wochen gerade die Formel 1-WM? Alle Anzeichen sprechen dafür, dass Max Verstappen und Red Bull drauf und dran sind, das Pendel im Titelkampf vorentscheidend in Richtung des Niederländers ausschlagen zu lassen.

Schließlich hat sich die Kombination in den letzten drei Grands Prix als unschlagbar erwiesen – solange die Reifen nicht plötzlich hochgehen. Die einstige drückende Überlegenheit von Lewis Hamilton und Mercedes jedenfalls ist vorbei. Die Aboweltmeister der vergangenen Jahre finden sich plötzlich in der Rolle des Jägers wieder. Das sind sie nicht gewohnt – und man merkt es in der Art und Weise, wie die Titelverteidiger die Rennwochenenden angehen.

Die generelle Tendenz zur Wachablösung an der WM-Spitze haben wir nach dem letzten Rennen in Le Castellet in unseren Formel 1-Expertentalks von PITWALK TV fest- und in den Raum gestellt. Das Wie und Warum könnt Ihr Euch hier noch mal genau angucken: https://www.youtube.com/watch?v=wKnj4_4u8CE

Spannend wird jetzt die Geschichte hinter der reinen Tatsache. Denn in der Königsklasse gibt es eine Tendenz, die Williams-Geschäftsführer und -Teamchef Jost Capito in der letzten Ausgabe – Heft 60 – unserer Zeitschrift PITWALK rausgearbeitet hat: „Wenn ein Team hinten ist und hat dann die Möglichkeit, nach vorn zu kommen – dann klappt das auch. Wenn man schon vorne ist, lässt man mit der Zeit ein bisschen nach – und bewahrt dann mehr den Status-quo, als dass man den Drang hat, etwas zu erneuern.“

Das ist ziemlich genau die Quintessenz dessen, was gerade den Unterschied zwischen Red Bull und Mercedes ausmacht. Die Österreicher hechelten den Schwaben lange hinterher – und haben dabei alle Register gezogen, um den Rückstand wettzumachen. Mit dem Resultat, dass sie inzwischen in allen Bereichen, die quasi zum Bühnenbild eines Rennens gehören, um einen Ticken besser sind: Ihre Boxenstopps sind schneller als jene beim Daimler, ihr Mut zu riskanten strategischen Entscheidungen ist ausgeprägter, selbst ihre Bereitschaft, in Grauzonen des Regelwerks vorzustoßen, ist größer. Ebenso die Traute, sich mit außergewöhnlichen Abstimmungsparametern etwa bei der Aerodynamik in die Rennwochenenden zu wagen, um so ein Unentschieden bei der reinen Technik der Wagen von vornherein auszuschließen.

In einer Welt, die so hart umkämpft wie die Formel 1, wirkt die Arbeitsweise von Mercedes beinahe schon phlegmatisch – obwohl die Sternkämpfer immer noch besser, schneller und zielgerichteter agieren als alle Verfolger. Nur: Da Red Bull ihnen auf diesen Nebenschauplätzen, die bei den engen Abständen gerade entscheidend sein können, den Rang abgelaufen hat, ist Mercedes nun selbst auch nurmehr Verfolger. Erster zwar, aber immer noch in der Defensive.

Ausgerechnet in dieser heiklen Phase folgen zwei Große Preise in der Steiermark. Als auf der Heimbahn von Red Bull in der Steiermark. Die Limonadenmarke mobilisiert allein schon viele Fans aus der Heimat. Hinzu kommt noch die orangene Armee der Max-Verstappen-Anhänger, die längs der Strecke von Spielberg eigene Tribünen bevölkern – genau wie die gleichfarbigen Anhänger der Motorradkultmarke KTM bei der MotoGP im August, tauchen sie die grüne Welt der Alpen in ein grelles Orange. Sie sorgen so für einen Heimvorteil. Zwar schwappt die Stimmung von den Rängen nicht so intensiv über wie in einem Fußballstadion – aber die Fahrer spüren über ihre Sensoren sehr wohl, wenn die Massen hinter ihnen stehen. Die Fans verleihen den Piloten dann einen extra Energieschub. Der ist rational nicht zu erklären – aber für die Fahrer sehr wohl mess- und vor allem in bessere Leistungen umsetzbar. Das hat der Franzose Simon Pagenaud, vor zwei Jahren Sieger beim Indy 500 in den USA vor 400.000 Fans, in seiner Kolumne in Heft 60 von PITWALK gerade erst geschrieben.

Mercedes steht unter Druck. Denn die Formel 1-Saison taucht in eine vorentscheidende Phase. Mit dem Rückenwind der leicht schnelleren Autotechnik, den besseren Abläufen der Rennwochenenden und nun auch dem Extraschub durch Fanmassen beim wieder offenen Zuschauerzustrom ab Spielberg 2 hat Verstappen alle Trümpfe auf der Hand, sich an der WM-Spitze langsam, aber sicher davonzuschleichen.

Die Titelverteidiger müssen jetzt auf einen Schlag ihre ganze Arbeitsweise ändern. Keine Sicherheitsreserven mehr bei den Boxenstopps, keine konservativen Taktiken mehr – ab jetzt muss gelten: volles Risiko aus allen Rohren. Das aber bedingt ein Umdenken, ein Sich-Lösen aus einer Denke und Philosophie, die seit Beginn der Ökohybridregeln konsequent umgesetzt wird.

In den nächsten Tagen und Wochen wird sich zeigen, ob die Teamleitung dieses Ruder noch mal rumreißen kann. Das wird die wahre Belastungsprobe für die Dauerweltmeister.


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