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04.08.2019

Was haben wir da nur für Rennfahrer?


Na, da haben wir ja was losgetreten. Am vergangenen Sonntag hatten Lucas Luhr – Fahrer im Iron Force-Porsche-Team im deutschen GT-Masters – und ich unerwartet viel Zeit. Denn das 24 Stunden-Rennen von Spa war wegen Starkregens unterbrochen worden. Und eigentlich hätten Luhr und ich am Sonntag live aus Spa kommentieren sollen.

So aber nutzten wir beide die gewonnene Tagesfreizeit, uns in einem Podcast spontan mit der Krise von Sebastian Vettel bei Ferrari zu befassen. Dabei kamen wir unisono zu dem Schluss: „Ferrari ist ein Saftladen.“

Seitdem heißt unser Podcast in der Branche nur noch „der Saftladen-Podcast“, weil Luhr und ich uns auszusprechen trauen, um was andere immer nur herum lavieren, auch bei der öffentlichen Berichterstattung: dass die Zeit von Vettel bei Ferrari sich dem Ende entgegen neigt, weil Ferrari ihn mit Anbruch der neuen Regeln 2021 gegen Mick Schumacher austauschen dürfte.

Und wir nehmen auch die desolate Vorstellung von Ferrari auf technischer Seite auseinander. Wer den Podcast noch nicht gehört hat – er ist auf der Seite hier unter dem Menupünkt PITCAST und dann unter dem Kapitel „Drivers, Start Your Engines“ zu finden. Er heißt auch nicht „Saftladen-Podcast“, sondern „Worte zum Sonntag“ – denn vor dem Formel 1-Block zerlegen Luhr und ich auch noch das Geschehen beim 24 Stunden-Rennen von Spa. Das Formel 1-Thema beginnt ab Minute 42.

Klingt alles etwas kompliziert zu finden, sind aber nur wenige Klicks – und die lohnen sich, wenn ich der Resonanz aus der Szene glauben darf.

Hat sich durch Vettels zweiten Platz in Hockenheim jetzt die Ausgangslage verändert? Nein – denn wenn man den vermeintlichen Husarenritt genauer betrachtet, dann war Vettel immer noch der langsamste der besten sechs Fahrer, hat nur davon profitiert, dass außer Max Verstappen alle anderen vor ihm Fehler gemacht haben. Und Verstappen hat Vettel klar geschlagen. Ein Durchbruch sieht anders aus.

Überhaupt, was haben wir im Moment eigentlich für Rennfahrer? Sowohl Charles Leclerc als auch Nicolas Hülkenberg lamentieren nach Hockenheim lautstark herum, dass die Auslaufzone im Motodrom gefährlich sei. Es handelt sich dabei um einen Teil des Drag Strip. Also jener Geraden, auf der die Beschleunigungsmonster mit einem Mordskrach über die Viertelmeile heizen – brachialer Motorsport im US-Stil, der auch auf dem Flughafen von Mariensiel am Jadebusen stattfindet. Diese Strecke wird chemisch besonders behandelt, damit die Reifen besonders gut auf Temperatur kommen und durchdrehen können, später dann besonders gut kleben.

Jeden Donnerstag machen die Fahrer mit ihren Ingenieuren stundenlange Rundgänge über die Strecke. Sogenannte „Track Walks“. Dabei schauen sie auf jeden Zentimeter, jeden Winkel vom Randstein, messen die Höhe der Grashalme neben der Strecke nach – aber die besondere Beschaffenheit des Drag Strip in der Auslaufzone ist ihnen nicht aufgefallen?

Und sowieso, warum sollte eine Auslaufzone harmlos sein? Eine gute Grundregel kenne ich noch von Patrick Head, dem Urgestein von Williams. Der hat Juan Pablo Montoya mal direkt angefunkt: „For good’s sake, keep it on the black stuff“ – verflixt noch mal, bleib’ auf dem dunklen Teil.

Damit war die Rennstrecke gemeint. Keine Auslaufzone, kein Grünstreifen. Rennen fährt man auf der Rennstrecke. Wenn man einen Fehler macht, dann darf man nicht erwarten, dass man einfach so weiterfahren kann. Leclerc und Hülkenberg setzen die Prioritäten völlig falsch. Wer eine Auslaufzone will, die man ohne Probleme durchmessen kann, der muss Snooker spielen gehen. Das ist schön körperlos und ungefährlich.

Dabei ist es völlig irrelevant, ob in der Auslaufzone Kies wie jetzt auch wieder in Ungarn, grobkörniger Asphalt, Kunstrasen oder Glitschasphalt liegt. Man sollte da nicht reinfahren, und wenn man’s versehentlich tut, dann muss man mit Folgen rechnen. Mit was für welchen auch immer.

Dass Leclerc da jöselt, ist mir unverständlich. Bei Hülkenberg ist die Lage anders. Der ist im Vergleich zum Teamkollegen Daniel Ricciardo so schlecht, dass er nach jedem Strohhalm greifen muss, um seine Laufbahn zu retten. Sein einziges Glück könnte sein, dass außer ihm niemand bei Renault fahren will – weil die Franzosen seit Jahren stagnieren. Nur deswegen könnte sein wackelnder Platz am Ende doch nicht in Gefahr geraten.

Noch schlimmer als Hülkenberg und Leclerc hat sich zuletzt nur Gary Paffett geriert. Der Engländer versuchte beim 24 Stunden-Rennen von Spa, als Überrundeter (!) den drittplatzierten und späteren SIeger Michael Christensen in der Busstopschikane von der Bahn und in Kauf nehmend auch ganz aus dem Rennen zu drängeln. Bei einem Überrundungsmanöver.

Zwar geben die kruden Spa-Regeln es her, dass sich Profis beim Überrundetwerden wehren dürfen wie in einem Zweikampf. Denn Profis kriegen – anders als Amateure – keine Blauen Fahnen geschwenkt, nach deren Zeigen sie drei Kurven Zeit hätten, Platz zu lassen.

Aber selbst in einem Zweikampf um eine Position wäre Paffetts Gegenwehr schon überhart gewesen. Was denn erst beim Überrundetwerden.

Solche Rennfahrer will keiner sehen.


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