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06.02.2019

Riesenstreit bei Honda


Mann! Was für ein Glück, dass wir auf den letzten Drücker noch die Inhalte unserer nächsten Ausgabe der Zeitschrift PITWALK umgeschmissen haben – und der Rallye Dakar mehr Raum als ursprünglich geplant einräumen, wenn das Heft Anfang kommender Woche bei unseren Stammlesern zuhause im Briefkasten landet.

Denn die Marathonrallye bebt dieses Jahr länger nach als sonst üblich. Nicht bei den Autos, da ist alles schon wieder vergessen. Aber bei den Motorrädern geht’s richtig rund.

Das liegt vor allem daran, dass sich bei Honda hinter den Kulissen ein handfester Krach anbahnt. Zwar hat Ricky Brabec noch ein weiteres Jahr Restlaufzeit in seinem Vertrag mit den Japanern. Doch der Kalifornier, der bei der Dakar 2019 sicher in Führung liegend wegen eines Motorschadens ausfiel, hat seinen Arbeitgeber ungewöhnlich harsch kritisiert – in einem Podcast namens „Keefer Tested“ auf „PulpMx“, einer amerikanischen Motocross-Website.

Kurz gesagt: Brabec beklagt sich über die fortwährenden Regeländerungen während der Rallye. Und über die Ungenauigkeiten im Roadbook, die ihn 18 Minuten gekostet hätten. Er ärgert sich über die Fummelei an den Maschinen, gemeint sind die Iritrack-Schäden bei Yamaha und dem oben im Foto gezeigten Sam Sunderland, vorm Start.

Und: Nach dem Ruhetag hätte er bemerkt, dass die Klicks an seiner Gabel völlig außer Balance verstellt worden seien. Er hätte sogar einen Fahrer in flagranti erwischt, als der am Morgen nach der Überführung ins folgende Marathonbiwak auf seiner Maschine gehangen hätte.

Brabec steht für eine der bemerkenswertesten Geschichten im Motorradsport. Er beginnt als pummeliger Motocrosser, muss massiv abnehmen, um überhaupt Chancen zu haben, wechselt in den Marathonsport – und ist der erste, der bei der Baja 1000 an der Unfallstelle von KTM-Fahrer Kurt Caselli ankommt, als der Amerikaner 2013 in Ensenada nach einem Wildunfall ums Leben kommt. Seither fährt er nach eigenem Bekennen auch in Erinnerung an seinen Offroad-Kumpel.

Doch er sieht sich vom Honda-Team nie geliebt. Die Mannschaft hätte nie richtig an ihn geglaubt – aber das hätte ihn nur noch mehr angestachelt. Und überhaupt fühle er sich vom Team nie gerecht behandelt; es hätte immer eine klare Nummer 1, um ihn hätte sich keiner so recht gekümmert. Das sei ihm schwer zu verdauen gefallen.

Genau wie das Essen im zentralen Verpflegungszelt im Biwak, das er als „shitty bivouac food“ brandmarkt.

Das Interview in dem Podcast ist für jemanden, der aus der geleckten, stromlinienförmigen Welt des Automobilsports kommt, ein ziemlicher Schrecken. Doch in der Marathonmotorradszene setzt man sich lange nicht so schnell auf den Allerwertesten. Bei KTM hat man jahrelang ein Team aus zwei Lagern geduldet – weil jedes Lager von einem absoluten Ausnahmekönner angeführt wurde, vom ausgleichenden Marc Coma das eine und vom aufbrausenden, teils intriganten Cyril Despres das andere.

Auch während der Dakar 2019 haben die Österreicher mit einer gewissen Langmut hingenommen, dass einer der Ihren – Sunderland – sich mit seiner mutmaßlichen Manipulation am Iritrak mehr in den Dienst der eigenen Sieghoffnungen gestellt als an die Anweisungen von Teamchef Jordi Villadoms gehalten hat. Was sogar zu einem offenen Konflikt zwischen den beiden führte.

Doch die Aussagen von Brabec haben noch mal eine andere Qualität. Auch wenn sie auf den ersten Blick nachvollziehbar sein mögen, weil Honda in der Tat meist um Joan Barreda aufgebaut ist und zudem von höchst italienischen Strukturen geprägt ist – die japanischen Oberbosse lassen sich mit ihrem landestypischen, so ganz eigenen Ehrgefühl nicht gern öffentlich so brandmarken.

Deswegen ist es gut vorstellbar, dass der Amerikaner bald das Lager wechselt. Sein Kumpel Caselli war bei KTM hoch angesehen, Brabec allein schon deshalb dort lange ein guter Bekannter.

Und die Österreicher wissen, wie man heikle Charaktere so zur Entfaltung kommen lässt, dass sie während der Dakar den Zenit ihrer Leistung erreichen können. Das hat das Team in den 25 Jahren, in denen man jetzt schon bei der Dakar mitfährt, so eindrucksvoll bewiesen, dass man 18 Siege davongetragen hat – und dabei Rückkehrer Honda in den vergangenen Jahren regelmäßig im Zaum halten konnte.

Laia Sanz, die aparte Spanierin im Sattel, hat KTM schon von Honda weggelotst; über die Dame haben wir in PITWALK vor der letztjährigen Rallye Dakar ja eine ebenso betörende wie einfühlsame Fotostory gebracht: Jetzt kommen die Österreicher in den Genuss ihres Könnens und ihrer Werbewirksamkeit.

Und nach einem der vielen Rückschläge hatte auch Barreda schon sehr offensiv bei KTM angeklopft – sich dann aber doch für einen aufgerüschten neuen Vertrag bei Honda entschieden.

Was das Erfolgsgeheimnis von KTM ist, das zeigt eine große Geschichte über die Entwicklung der Technik in der Motorradwertung bei der Dakar seit 1993. Darin finden sich einige teils haarsträubende, teils erstaunliche und teils abenteuerliche Geschichten über die Frühphasen des Wüstenmarathons zu afrikanischen Zeiten. Allein diese Erinnerungen und die Bilder der alten Bikes sind den Heftpreis schon allein wert.

Zudem enthüllen wir exklusiv, in welche Region die Rallye sich nach den vielen Kritikpunkten 2019 künftig orientieren wird. Und, so viel sei verraten: Die Spekulationen, die gerade aus Holland durchs Netz wabern, sind nicht der letzte Stand.

Den findet Ihr in der nächsten Ausgabe von PITWALK.

Schon bestellt? Sonst schnell nachholen, damit wir Euch das Heft für 9,80 Euro druckfrisch schicken können, gleich Anfang kommender Woche. Mit einer Mail an shop@pitwalk.de.


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