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03.09.2019

Reifenschaden bei Correa als Ursache?


Muss man den Unfallhergang, der zum Tod von Anthoine Hubert führte, noch mal ganz neu beleuchten? Es sieht schwer danach aus – nachdem uns bei der PITWALK-Redaktion aus einer Quelle, die angesichts der Tragweite der Tragödie ungenannt bleiben möchte, neue Hinweise zugespielt worden sind, als Reaktion auf den Blog von heute Vormittag.

Demnach scheint ein Reifenschaden das Auto von Juan Manuel Correa unlenkbar gemacht zu haben, unmittelbar bevor der Ekuadorianer ungebremst in den ausgetrudelten Wagen von Hubert gekracht ist – in der Auslaufzone neben jener Steigung, die von Eau Rouge aus als Streckenabschnitt Radillion den Berg hoch führt.

Genauer gesagt: ein Reifenschaden hinten rechts.

Denn es gibt eine Videosequenz, auf der man unmittelbar vor dem todbringen Einschlag klar erkennen kann: Unter Correas Auto steigt rechts hinten eine weiße Rauchwolke auf – wie sie für einen Plattfuß typisch ist.

Diese Rauchfahne unterscheidet sich deutlich von jenen weißen Wirbeln, die alle Wagen beim Durchfahren der Senke von Eau Rouge in den ersten Runden hinter sich herziehen. Die ist zwar auch hell, kräuselt aber unter der hinteren Wagenmitte hervor. Sie stammt von jener Planke unter dem Wagen, die in der Kompression der Senke aufsetzt und dabei zu Staub abgeschabt wird.

Der Qualm hinter Correas Formel 2-Auto in der Auslaufzone kommt aber klar von rechts hinten. Zudem sind die Boliden dort wegen der Kuppe bereits wieder aus den Federn entlastet, Unterboden und Planke schleifen also nicht mehr auf dem Boden.

Unser Informant – eine äußerst zuverlässige Quelle mit viel Fachverstand aus jahrzehntelanger Motorsportlerpraxis – hat das beim Betrachten der Aufnahmen bemerkt und das Video daraufhin in Handarbeit in mehrere Standbildsequenzen zerlegt. Eines dieser Standbilder zeigt die weiße Rauchfahne rechts hinten bei Correa eindeutig.

Es liegt uns vor, darf aber aus urheberrechtlichen Gründen hier nicht veröffentlicht werden.

Bleibt die Frage: Wo kommt der Reifenschaden her? Hierzu gibt es zwei Theorien. Möglich, dass Correa im Scharmützel hinter dem ausgangs Eau Rouge abgeflogenen Giuliano Alesi über ein Trümmerteil gefahren ist, das Alesi auf die Bahn geworfen hat. Der Sohn des früheren Formel 1-Stars Jean Alesi hat bei seinem Einschlag schließlich sogar den ganzen Heckflügel abgestreift. Sollte das Kohlefaserteil, das Correa überfahren hat, groß genug gewesen sein und er es direkt mit der Rundung zwischen Lauffläche und Flanke erwischt haben, könnte das einen sofortigen Platzer nach sich gezogen haben.

Eine zweite Theorie erhält Nahrung aus dem Verlauf des gesamten Wochenendes. Denn: Nicht nur Alesis Abflug in Runde 2 des Rennens war einem Plattfuß geschuldet. Auch im Freien Training am Freitag gab es schon viele Reifenschäden, bei denen sich die Lauffläche abgelöst hatte.

In solchen Freien Trainings fährt man meist einen sehr ähnlichen Fahrplan: Zuerst eine Standortbestimmung und eine Quali-Simulation mit wenig Benzin, später dann Longruns – Dauerläufe also, in denen Reifenverschleiß und Setup näher rausgearbeitet werden. Die Reifenschäden am Freitag traten in einer für die Formel 2 ungewöhnlichen Häufung während dieser Longruns auf. Der Reifenlieferant führte sie dem betroffenen Teams gegenüber auf zu hartes Überfahren der Randsteine zurück.

Im Rennen dagegen platzte Alesi und scheinbar – oder besser: anhand des Videostandbilds offensichtlich – auch Correa der Reifen schon in Runde 2. Aber dafür startet man das Rennen auch mit einem erheblich schwereren Auto, mit etwa 70 Kilogramm Benzin an Bord. Die Dauerlaufsimulationen am Freitag führen nie über eine Renndistanz, in der Regel nicht mal über eine halbe – also hat man auch weniger als die Hälfte des Treibstoffs mit, fährt leichter und setzt die Reifen entsprechend geringeren Belastungen aus.

Die Staatsanwaltschaft in Belgien hat jedenfalls nicht nur die Autos der beiden direkt am Unfall Beteiligten Hubert und Correa beschlagnahmt – sondern auch den Wagen von Alesi, um sich so auch mit angucken zu können, ob und wie die Reifen beschädigt waren. Da Correa sich nach dem Einschlag in Hubert sofort überschlagen hat und das fragliche Rad in der Luft hing, kann man den dortigen Schaden, der zum Plattfuß hinten rechts geführt hat, ziemlich verlässlich nachempfinden.

So oder so – wenn Correa wirklich einen Reifenschaden hatte, wonach alles aussieht, und davon überrascht wurde, dann konnte der 20-Jährige seinen Wagen in der asphaltierten Auslaufzone nicht mehr unter Kontrolle bringen, weil sein Wagen hinten rechts haltlos auf dem Unterboden schliff. Er muss dann manövrierunfähig auf den bereits ausgetrudelten Hubert zu- und in den hineingerast sein – als wehrloser Passagier in einem 270 km/h-Geschoss.

Diese Informationen lassen den Unfall in einem ganz neuen Licht erscheinen.


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