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25.10.2019

Rallye der zwei Gesichter


Freitags verwinkelte Schotterpassagen, am Samstag und Sonntag rasant schnelle Asphaltstrecken: Keine zweite Rallye im WM-Kalender wartet mit so unterschiedlichen Anforderungen auf wie am Wochenende die Katalonien-Rallye Spanien. M-Sport-Ford schickt wieder zwei seiner rund 380 PS starken Ford Fiesta WRC, die auf dem in Köln-Niehl gefertigten Kleinwagen basieren, in den Servicepark von Salou an der Costa Daurada. Am Steuer: Elfyn Evans aus Wales mit seinem britischen Beifahrer Scott Martin und das finnische Duo Teemu Suninen/Jarmo Lehtinen.

Gemischte Bedingungen mit Naturpisten auf der einen und befestigten Straßen auf der anderen Seite prägen das Alleinstellungsmerkmal des spanischen WM-Laufs: Nur ein Mal im Jahr müssen die Mechaniker bei einem auf 75 Minuten ausgedehnten Reparaturstopp am Freitagabend die Turbo-Allradler von der Schotterspezifikation auf die Asphaltabstimmung umbauen - eine durchaus knapp bemessene Zeit und ein ganz eigenes Rennen gegen die Uhr, das nach perfekter Vorbereitung verlangt. M-Sport stellt beide Set-ups bereits im britischen Workshop Dovenby Hall präzise ein, damit die Fiesta WRC- und R5-Modelle am Samstag auf den topfebenen, fast an Rundstreckenkurse erinnernden Landstraßen rund um den Servicepark ihre bestmögliche Performance abrufen können. Ein dreitägiger Test nahe Tarragona half den Fahrern, sich auf die bevorstehende Aufgabe einzuschießen. „In den vergangenen zehn Monaten haben wir bewiesen, dass unser Ford Fiesta WRC auf allen Untergründen von Asphalt über Schnee und Eis bis hin zu Schotter schnell und konkurrenzfähig ist“, betont M-Sport-Teamchef Richard Millener. „Die Rallye Spanien hält auch für unsere Mechaniker einen eigenen Wettbewerb bereit, wenn es am Freitagabend darum geht, die Ford Fiesta in nur 75 Minuten von Schotter- auf Asphaltabstimmung umzubauen. Damit alles glatt läuft, haben wir uns darauf minutiös vorbereitet. Ich freue mich schon darauf, zu sehen, wie beim großen Abendservice dann alle Rädchen fein ineinandergreifen. Neben dem kompletten Fahrwerk müssen auch die Bremsen, das Getriebe und das hintere Differenzial sowie das Lenksystem und einige weitere Teile gewechselt werden. Das ist eine kleine Show für sich, die ich jedem ans Herz legen möchte, der am Abend im Servicepark ist.“

Der Rallyetross macht dabei Station in Salou an der Costa Daurada im Süden Barcelonas. Nach dem Shakedown und dem feierlichen Start am Donnerstag in Salou standen freitags zunächst drei Abschnitte auf dem Programm, die jeweils zweimal gefahren wurden. Sie fanden überwiegend auf Schotter statt, allerdings führte die mit 38,85 Kilometern längste Etappe des Wochenendes von La Fatarella nach Vilalba zeitweise auch schon über Asphalt. Am Samstag gibt es zwei Schleifen mit jeweils drei Asphaltprüfungen, gefolgt von einer kurzen Etappe in Salou selbst. Der Sonntag besteht aus zwei Läufen über Riudecanyes und La Mussara, die lediglich durch einen Servicestopp in Salou getrennt sind. Die zweite Runde dient dabei als abschließende Power Stage.

Toyota ging als klarer Favorit ins Wochenende. Ott Tänak kann in Katalonien sogar schon vorzeitig den Titelsack zu machen. Dazu muss er zwei Punkte mehr holen als sein direkter Verfolger, der Franzose Sébastien Ogier. „Wir sind im Moment auf einem guten Weg und haben den Titel für Fahrer, Beifahrer und Hersteller im Visier, aber wir müssen weiterhin auf die besten Ergebnisse in Spanien und Australien hinarbeiten“, erklärt Teamchef Tommi Mäkinen. „Wir haben uns wie geplant mit Tests auf Schotter und Asphalt auf Spanien vorbereitet. Die Mischung der Oberflächen macht die Rallye schwierig. Aber wir sind zuversichtlich, dass unser Auto auf beiden Untergründen funktioniert. Gleichzeitig nehmen wir nichts als selbstverständlich hin und jeder arbeitet hart daran, unseren Fahrern das bestmögliche Auto zur Verfügung zu stellen.“

Die Rallye Spanien stellt einen Höhepunkt in der WM dar – in einem Jahr, in dem es hinter den Kulissen mächtig gärt. Die Unzufriedenheit der engagierten Hersteller mit den WM-Ausrichtern und -Vermarktern wächst. Dazu grätscht die FIA mit einer Hybridisierung der Serie rein, die längst nicht allen passt.
Die Rallye-WM bleibt damit weit unter ihren eigenen Möglichkeiten. Das wird auch der Gegenstand eines großen, höchst kontroversen Artikels in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift PITWALK, die am 15. November auf den Markt kommen wird.

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