+++ 19.06.2019 07:48 : Neuer PITCAST online – The Big One mit TMG-Geschäftsführer Rob Leupen über die neue Hypercarklasse für Le Mans und die Sportwagen-WM +++ 18.06.2019 10:26 : Neuer PITCAST online – Jeroen Bleekemolen erklärt im O-Ton die Disqualifikation des Sieger-Ford in Le Mans +++ 17.06.2019 16:49 : Neuer Podcast online – Alexander Wurz über seinen Le Mans-Sieg mit Joest-Porsche, Parallelen zwischen den damaligen und heutigen Reglementswechseln und philosophischen Betrachtungen zu Le Mans, Motorsport und seiner Karriere. Mit viel neuen Details aus der Geschichte und spannenden Ideen und Ansichten +++
BACK

30.03.2019

Radio BoP


Die Boxengasse ist erstaunlich ruhig an diesem späten Vormittag. Marc Duez schreitet die einzelnen Garagen des Tourenwagen-Weltpokals ab – und steuert dann senkrecht auf mich zu. „Hier lügen alle“, konstatiert der Belgier. „In Marrakesch sieht das alles schon wieder anders aus.“

Duez ist eine höchst respektable und respektierte Größe im internationalen Rallyesport. In Deutschland geht man ihn am ehesten wegen seiner Husarenritte in der Zakspeed-Viper bei diversen 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Er ist aber auch international auf höchster Ebene Tourenwagen- und GT-Rennen gefahren, wie auch Rallyes. Kurzum: Duez kann alles.

Im Tourenwagen-Weltpokal WTCR ist er Permanenter Berater für die Sportkommissare, quasi der Beisitzer für die Funktionäre, der ihnen die Innenansicht aus der Fahrerperspektive nahebringt.

Bei seiner hingeraunten Analyse an diesem katalanischen Morgen bezieht Duez sich auf die unleidliche Diskussion über die Balance of Performance, die auch das Fahrerlager des Tourenwagen-Weltpokals erfasst hat. Irgendwie muss ich schmunzeln. Denn es passt genau zu dem, was ich gerade im Editorial und in den Sportwagentexten für die neue Ausgabe der Zeitschrift PITWALK geschrieben hatte – die Gleichschaltung verschiedener technischer Konzepte ist ein Stein ewigen Ärgernisses.

Bei den WTCR-Tourenwagen dürfte das eigentlich nicht so schwer sein. Denn alle Wagen verfügen einheitlich über Frontmotoren mit Vorderachsantrieb. Lediglich der Radstand und die Stirnfläche sind die größten zu balancierenden Variablen. Das muss doch möglich sein – wenn man bedenkt, wie viele mehr unterschiedliche Komponenten es im GT-Sport auszutarieren gibt.

Und trotzdem knurrt mich wenig später in der Box von Hyundai ein durchaus fachkundiger und geachteter Insider an: „Da hat es wohl einen Anruf auf Wolfsburg gegeben“. Denn der Verlauf beim Abschlusstest des Tourenwagen-Weltpokals vor dessen Saisonauftakt in Marokko enthüllt scheinbar einen Vorteil aller Fabrikate aus dem VAG-Konzern: Audi, Cupra und VW.

Die Hintergründe dazu hört Ihr in dem neuen PITCAST, also dem Podcast, den ich live in der Boxengasse von Barcelona produziert habe. Er ist unter dem Untermenüpunkt „Drivers, Start Your Engines“ abgelegt.

Für alle drei VAG-Marken ist die WTCR das Hauptmotorsportprogramm. Honda und Hyundai dagegen unterhalten nebenbei noch hochwertigere Projekte in der Formel 1 respektive der Rallye-WM. Alfa klammert man besser aus. Lynk & Co. auch, denn die Chinesen sind ja gerade erst sein 1 ½ Monaten überhaupt in China am Markt und in Europa bis 2020 noch gar nicht.

Aber für die VAG-Marken, dessen Motorsportprogramm infolge der Millionengräber Dieselskandal und Elektrifizierungsplänen der Serienautoflotte in einer Abwärtsspirale finden, die ihre Talsohle noch längst nicht erreicht haben, ist die WTCR plötzlich echter Erstliga-Werkssport. Das erhöht den Erfolgsdruck. Und beim Saisonauftakt in Marrakesch genießt in Mehdi Bennani auch noch ein GTI-Fahrer Heimrecht.

Die kumulierten Zeiten vom Katalonientest kann man eigentlich fast schon so stehen lassen, denn sie sind schwer aussagekräftig.

  1. Gordon Shedden Audi 1.54,434
  2. Nestor Girolami Honda 1.54,508
  3. Esteban Guerrieri Honda 1.54,531
  4. Jean-Karl Vernay Audi 1.54,839
  5. Ma Qing Hua Alfa 1.54,926
  6. Kevin Checcon Alfa 1.55,244
  7. Niels Langeveld Audi 1.55,615
  8. Attila Tassi Honda 1.56,107
  9. Daniel Hagförs Cupra 1.56,120
  10. Yann Ehrlacher Lynk & Co. 1.56,212
  11. Rob Huff VW 1.56,290
  12. Mikel Azcona Cupra 1.56,305
  13. Tom Coronel Cupra 1.56,361
  14. Yvan Muller Lynk & Co. 1.56,565
  15. Mehdi Bennani VW 1.56,591
  16. Benjamin Leuchter VW 1.56,606
  17. Aurélien Panis Cupra 1.56,643
  18. Andy Priaulx Lynk & Co. 1.56,710
  19. Gabriele Tarquini Hyundai 1.56,728
  20. Gabriele Tarquini Hyundai 1.56,974
  21. Tiago Monteiro Honda 1.57,023
  22. Norbert Michelisz Hyundai 1.57,049
  23. Johan Kristoffersson VW 1.57,115
  24. Thed Björk Lynk & Co. 1.57,323
  25. Gabriele Tarquini Hyundai 1.57,733

Man muss nur erwähnen, dass Gabriele Tarquini sich nicht etwa geklont hat – sondern neben seinem eigenen i30N auch noch die Wagen der Teamneulinge Augusto Farfus und Nick Catsburg gefahren hat. Warum, erklärt Teamkollege Norbert Michelisz auch in unserem neuen PITCAST aus Barcelona. Deswegen jedenfalls taucht „Gabri“ unnatürlich oft in der Tabelle auf.

Ansonsten hat Duez sicher recht: Die Wahrheit liegt aufm Platz. Aber erst in Marokko. Auch wenn die Anreise dorthin mit einem schalen Beigeschmack vonstatten geht: Sollten das Traumstarterfeld und der gewaltige Aufschwung des Tourenwagen-Weltpokals ausgerechnet schon im Keim unter dem unsäglichen Dauerthema BoP wegmumpfen?


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 14.06.2019

    Na also

    Die Zukunft ist klar. Ab September 2020 wird die Sportwagen-WM und damit auch das 24 Stunden-Rennen von Le Mans 2021 in der Ersten Liga mit Hypercars beschickt. Am Freitagmorgen be…
  • 13.06.2019

    Vetter-Bericht

    Die Corvette C7.R ist das mit Abstand älteste Auto im Feld der GTE-Pro-Wertung. Und die gelben Muscle Cars gehen in ihr letztes Le Mans – ab 2020 kommt die neue Mittelmotorvariante…
  • 13.06.2019

    Neues aus Hypercarhausen

    Freitag kommt alles raus. Dann werden der Le Mans veranstaltende ACO und der Weltverband FIA das neue Reglement für die Zukunft der Sportwagen-WM ab der übernächsten Supersaison vo…
  • 13.06.2019

    Toyota muss neues Auto bauen

    Sonderschichten bei Toyota: Am heutigen Donnerstag muss TMG einen neuen TS050 aufbauen. Der Wagen von Mike Conway, Kamui Kobayashi und José Mariá Lopez ist im gestrigen ersten Qual…
  • 12.06.2019

    Wo sind die Pferde?

    Dieser Motor ist Stein des Anstoßes bei den Privaten innerhalb der LMP1-Erstligisten: der Gibson-V8, mit dem seit Spa auch das Team von Dr. Colin Kolles unterwegs ist. In der noch …
  • 12.06.2019

    Und was macht das Wetter?

    Mühsam rumpelt sich der Flieger durch heftige Turbulenzen westwärts, in Richtung Paris. Mitten durch die Wolken. Normaler Weise würde der Kapitän jetzt hochziehen oder ein bisschen…
  • 11.06.2019

    Das langsame Erwachen

    Lange Zeit sah es so aus, als schaue die Zukunft des LMP1-Sports bei den 24 Stunden von Le Mans und in der Sportwagen-WM so aus wie dieses Auto hier. Doch seit vergangener Woche ha…
  • 10.06.2019

    Der Preis ist heiß

    Rechtzeitig vor Pfingsten sind die Preise für das aktuelle Gewinnspiel in der neuen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK in der Redaktion eingetroffen. Seht Ihr? Das da oben sind jene E…
  • 06.06.2019

    Strohhalm

    Die Knolle kostet einen Euro. Ohne Pfand. Mitten im Schanzenviertel von Hamburg-Altona kann man eine Buddel Bier zum Spottpreis kaufen. Und zwei, drei Häuser weiter gibt es Veganer…
  • 03.06.2019

    So wird die neue Ausgabe

    Es ist vollbracht. Die Druckdaten sind alle übermittelt, die Druckfreigabe für die 49. Ausgabe der Zeitschrift PITWALK ist erteilt – und wir haben auch schon eine ganze Reihe Vorbe…
  • 01.06.2019

    Jetzt aber flott!

    Wir haben’s bald wieder soweit – am Montag geben wir die Daten der nächsten Ausgabe zur Druckerei, damit das Heft rechtzeitig vor den großen 24 Stunden-Rennen von Le Mans, dem Nürb…
  • 24.05.2019

    Der Geist von Niki Lauda

    Der Grand Prix von Monaco ist dieses Wochenende der Große Preis von Niki Lauda. Der Tod des 70-jährigen Wieners am vergangenen Montag in Zürich hallt quer durch die tollen Tage im …
2019 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA