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01.05.2018

Quax Verstappen


Bei Max Verstappen hat eine wundersame Wandlung eingesetzt. Der Niederländer tut plötzlich etwas, das er bis dato noch nie in seiner Karriere gemacht hat: denselben Fehler zwei Mal begehen.

Seine fortwährende Neigung zu vermeidbaren Unfällen erinnert auf einen Schlag sogar an seinen Vater Jos, einen guten alten Bekannten von mir seit dessen Formel 3-Zeiten. Auch der fiel in der Formel 1 irgendwann mit übertriebener Härte und einem Hang zu Manövern auf, die keine Zukunft haben konnten.

Die Wandlung des Max Verstappen vom Wunderknaben zum Toptalent zeigt vor allem eines: wie hoch der Druck ist, unter dem Formel 1-Piloten stehen. Denn die Gelassenheit, aus seinem gesunden Selbstbewusstsein heraus meist das Richtige zu tun und gegebenenfalls aus Fehlern lernen zu dürfen, ist dem Niederländer inzwischen abhanden gekommen – weil er einer hohen Erwartungsgehalt gerecht werden möchte, offenbar mit Gewalt.

Verstappen ist nicht der Erste, der an den Anforderungen in der Formel 1 zu zerbrechen droht. Bei vielen anderen motorsportlich Hochbegabten liegt das aber daran, dass ihre beiden Gehirnhälften die Arbeit nicht mehr richtig unter sich aufteilen können und dass deshalb die Entscheidungsfindung im Kopf nicht mehr mit den immens hohen Geschwindigkeiten mithalten kann, mit denen in der Königsklasse alles vonstatten geht. Wir haben ja in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK einen Aufsehen erregenden Artikel darüber, was beim Rennfahren im Kopf vor sich geht und warum manche Piloten den Schritt an die Spitze der Formel 1 mental nicht mehr packen können, weil ihr Hirn körperlich dazu nicht imstande ist. Wer das gelesen hat, kapiert erstmals, worauf es beim Rennfahren wirklich ankommt.

Bei Verstappen liegt die Ursache auch im Kopf – aber nicht in der reinen Rechenleistung der Hirnhälften. Seine Prozessoren funktionieren eindeutig, die Grundvoraussetzungen für viele WM-Titel sind weiterhin gegeben.

Aber er muss mal neu programmiert werden, um in der Computersprache zu bleiben. Verstappen läuft in die typische Richtung eines Toptalents, das mental aus dem Ruder läuft. Da kann nur noch ein Sportpsychologe helfen, um ihm wieder die nötige Ruhe und das passende Selbstverständnis einzuimpfen, aus denen er seine kontrollierte Fahrweise und den dazu nötigen Lernprozess wiedergewinnt.

Das klingt schwer nach Auf-die-Couch-legen, nach Krankheit oder zumindest Schwäche. Aber in Wahrheit sind solche Sportpsychologen seit Jahrzehnten ein probates Mittel. Jenson Button hat sich seinen Kopf wieder zurechtdrehen lassen, nachdem er – genau wie jetzt Verstappen – in sehr jungen Jahren als Toptalent in die Formel 1 kam und dann mit der Realität überfordert war. Tourenwagenpilot Rob Huff und auch der emsländische Speedwayfahrer Tobias Kroner haben Sportpsychologen bemüht, um ihre Konzentration aufs Wesentliche und auf den Punkt richten zu können.

Der Fall Button zeigt am plakativsten, was solch ein Heiler bewirken kann. Aus einem irrlichternden Youngster, der in der Glitzer-, aber auch gleichzeitig Leistungsgesellschaft Formel 1 nicht mehr zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden konnte, wurde ein einerseits hochkonzentrierter, andererseits aber auch unheimlich gelassener Vollprofi, der den Zenit seiner Leistung erst ab 2007 erreichte – deutlich später als prognostiziert, aber dann auch um so heftiger.

Vielleicht bleibt Max Verstappen nun ebenfalls nur ein Umweg. Meine ursprüngliche Prognose, er sei schon dieses Jahr vollumfänglich WM-tauglich, hat er inzwischen widerlegt. Mit Quax-Anleihen wird man nicht Weltmeister.

Vater Jos und auch Mentor Dr. Helmut Marko sind sicher keine Freunde von Sportpsychologen. Beides sind Racer vom alten Schrot und Korn; ganze Kerle, die keinen Wert auf Schamanen legen, sondern die Leistung am Lenker sprechen lassen möchten.

Doch in diesem Fall sollten sie über ihren Schatten springen, um das größte Talent seit Ayrton Senna nicht schon in jungen Jahren austrocknen zu lassen.


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