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02.04.2019

Presseclub


Die Freunde von „Radio Le Mans“ haben sich beim 24 Stunden-Rennen oft einen Spaß daraus gemacht, den „Most Pointless Press Release of the Day“ herauszupicken und live auf Sendung zu verlesen – die unsinnigste Pressemitteilung des Tages also.

Seitdem wir die Internetseite pitwalk.de aufgerüstet haben, überlege ich, ob wir diese Rubrik nicht auch zu einer festen Größe machen sollten. Stoff findet man in seiner Inbox zuhauf. Oft aus der Formel 1. Aber nicht nur.

Nach den Testfahrten des Tourenwagen-Weltpokals in Barcelona etwa beglückte VW mit Zitaten von Sportchef Sven Smeets beziehungsweise Fabrice van Ertvelde, dem WTCR-Projektleiter bei VW: „Im Fokus standen Performance-Tests und die Abstimmung der Abläufe im Team für den Saisonauftakt in der kommenden Woche. Wo wir letztendlich stehen, wird erst das Rennwochenende in Marokko zeigen“, soll der Eine gesagt haben, und der Andere: „Wir nutzen die Tage in Barcelona, um die Fahrzeuge perfekt für Marrakesch vorzubereiten“

Da überkommt einen als Journalist doch tiefe Dankbarkeit ob der Fülle der dargereichten Informationen. Denn ohne diese Presseinformation wäre ich wahrscheinlich bei der Annahme geblieben, das ganze VW-Team von Sébastien Loeb samt seiner vier Fahrer, darunter auch Exweltmeister Rob Huff, seien nur nach Barcelona gefahren, um dort die Qualität der Tapas auszuprobieren.

Die Allgemeinplätze, die kein Journalist guten Gewissens für einen ernsthaften Artikel zitieren kann, offenbaren einen bedenklichen Trend. Denn nicht nur die Pressemitteilung war „pointless“ – auch die Versuche, mit Teammitgliedern auf dem üblichen Rechercheweg ins Gespräch zu kommen.

Klar, es gibt Themen beim eigenen GTI TCR, über die redet VW nicht gern. Den zu weichen Vorderwagen etwa, der sich binnen einer Saison derart verwindet, dass man die Rohkarosse nicht für ein zweites Jahr verwenden kann. Aber dass man sogar auf die einfache Frage nach eventuellen Modifikationen fürs neue Jahr eilig das Wasser in den Burggraben lässt und die Zugbrücke hochfährt – so ein Maulkorb für die Fahrer passt nicht zur Kultur des Tourenwagen-Weltpokals.

Er zeigt aber, in welcher Zwickmühle die Serie steckt: Für VW und Cupra und mit Einschränkungen auch für die Audi ist die TCR zwar ein umsatzträchtiges Geschäftsfeld, aber – angeführt von der WTCR – auch eine Prestigesache. Denn diese VAG-Marken haben keine anderen Motorsportprogramme in der Ersten Liga, nicht mal in der Zweiten.

Also müssen sie andere Maßstäbe anlegen als Honda, Hyundai oder Lynk & Co., wo die WTCR so gelebt werden kann, wie das den Ansprüchen der Serienvermarkter entspricht: offen, ehrlich, durchaus auch kontrovers. Politikschach und Politikersprech sind in dieser Szene nicht zuhause, sie dürfen dort auch keinen Eingang finden.

Die Veranstaltungswoche von Marrakesch beginnt nicht mit dem ersten Training – sondern mit einem „Fahrercamp“ schon zur Wochenmitte. Dorthin werden bewusst nur die Piloten eingeladen. Ohne Manager, Betreuer oder Pressevertreter. Denn François Ribeiro, der Promoter des Championats, legt Wert darauf, dass die Fahrer das Wesen der Serie verstehen und dementsprechend agieren und auftreten. Er mag sich das nicht von Einflüsterern voller politischer Korrektheit verwässern lassen.

Wohlgetan, kann man da nur sagen.

Hoffentlich ist es vor dem Hintergrund der Talfahrt des VAG-Motorsports, die gerade erst so richtig Fahrt aufnimmt, dafür nicht schon zu spät.

Wir haben in Le Mans, aufbauend auf dem derben Humor von Radio Le Mans, jedenfalls auch zugelegt. „Wenn den Presseabteilungen nichts mehr einfällt“, notierten wir, „dann verschicken sie eine Pressemitteilung mit der Überschrift: ‚Hersteller XY ist bereit für die 24 Stunden von Le Mans’.“

Man darf gespannt sein, wer diese Woche als Erster verschickt, dass er nunmehr bereit für den WTCR-Saisonauftakt in Marrakesch sei.


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