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24.11.2017

Noch ruft die falsche Wüste


Der Ausweg könnte aus der Wüste kommen. Bei der Rallye Dakar, die im Januar 2018 wieder durch Südamerika pflügt, startet das Peugeot-Werksteam zum letzten Mal. Dann setzen die Franzosen auf den Rallycross-Sport, der in Norddeutschland im Alten Land bei Buxtehude seine Hochburg hat.

Doch die hochmodernen Peugeot 3008 Maxi haben wahrscheinlich dennoch eine Zukunft im Motorsport. Weil Khalid al-Qassimi, der rallyefahrende Scheich aus Abu Dhabi, die ganze Fahrzeugflotte aufkaufen möchte – vier Einsatz- und ein Testauto, allesamt ab an jenen Ort, wo an diesem Wochenende das Formel 1-Finale stattfindet.
Schon seit einiger Zeit knüpfen die Europäer große Hoffnungen an den arabischen Raum. Denn sie setzen die dortigen Einwohner pauschal mit Ölmillionären gleich; Menschen mit dickem Geldbeutel, die unbedingt europäische Autos brauchen.

In der Tat sind viele Araber wohlhabend und autoverrückt. Aber das ist nicht gleichzusetzen mit einer unausweichlichen Motorsportbegeisterung. Sportwagen- und GT-Rennen finden in Dubai, Bahrein und Abu Dhabi vor beklagenswert leeren Rängen statt – was von den hochmodernen Riesenanlagen der aktuellen Formel 1, den Tilk’o’dromen, noch mal in seiner ganzen Trostlosigkeit potenziert wird.

Der Formel 1-Grand Prix auf der Insel Yas ist zwar gut besucht. Doch viele Zuschauer reisen aus Europa an. Sie nutzen die vielen Fluggesellschaften aus dem arabischen Raum, die mit Billigpreisen auf dem Markt der Fernreisen den europäischen Airlines das Wasser abgraben: Man kann mit etwas Geschick beim Buchen für denselben Preis nach Abu Dhabi fliegen wie etwa zum Grand Prix von Barcelona – hat dann aber ein exotisches Ziel, eine faszinierendere Anlage und gescheites Wetter.

Allein die Vereinigten Arabischen Emirate hat zwei solcher Preisbrecher-Fluggesellschaften, die auch außergewöhnlich gelegene Flughäfen anfliegen: Man kommt etwa von Newcastle direkt nach Dubai.

Leider hat noch keine dieser Arab-Airlines den schnuckeligen Flughafen Bremen für sich entdeckt…

Der arabische Teil der Besucher stammt größtenteils aus dem gefürchteten B2B-Bereich: Business to Business – also jene Klientel von Geschäftsleuten, die den Grand Prix nutzen, um sich über ihre Unternehmen und ihre jeweiligen Geschäftspartnerschaften unterhalten. In Deutschland hat das Finanzamt solchen Ausgaben für B2B-Einladungen und -Veranstaltungen längst einen Riegel vorgeschoben, die Abzugsfähigkeit als Betriebsausgaben für die Firmen strikt begrenzt. Doch in Arabien sind Begriffe wie „Compliance“ und politische Korrektheit noch gänzlich unbekannt. Deswegen sind die Logen dort bestens gebucht, das Fahrerlager quillt über vor VIP-Besuchen, die in Trauben über die enge Meile rollen und quillen.

Die Teams stehen da vor besonderen Aufgaben. Denn der Zugang zum Fahrerlager ist streng geregelt: Dauernd reinkommen tun nur Teammitglieder und Journalisten; VIP-Gäste erhalten lediglich stundenweise Zugang mit sogenannten „Kaffeepässen“ – das sind Plastikkärtchen, die ihnen für einen bestimmten Zeitraum um den Hals gehängt werden, ehe sie wieder abgegeben werden müssen. Jedes Team kann sich bei der Formel 1-Vermarktungsgesellschaft zwar reichlich solcher Karten kaufen. Doch die kosten pro Wochenende mehr als ein Kleinwagen, also überlegen sich die Marketingverantwortlichen auf Druck der Controller sehr genau, wie sie aus möglichst wenig Pässen möglichst viel Nutzen ziehen können.

Zuweilen jöseln die Marketingleute in Abu Dhabi sogar so weinerlich wie derzeit die SPD-Damen Katharina Barley und Manuela Schwesig in Berlin, aber das ist ein Luxusproblem – gerade in den Emiraten. Denn je mehr Araber sie durchschleusen, desto höher die Chance, dass irgendein Fisch anbeißt – als Sponsor fürs kommende Jahr. Darum geht’s an diesem Wochenende eigentlich: Der sportliche Wert tendiert gegen Null, man muss Geldgeber finden, um die immer noch viel zu teure Formel 1 weiter beschicken zu können.
Dabei macht die Liebe zum Geld zuweilen blind. Die Liste von Teams und sogar Autoherstellern, die auf falsche Versprechungen reingefallen sind und mit vermeintlich solventen Arabern aufs verkehrte Pferd gesetzt haben, ist erschreckend lang. Denn auch unter Arabern gibt es Blender und Aufschneider.

Ausgerechnet ein deutscher Konzern ist in der Geschichte der Formel 1 den größten arabischen Bauernfängern auf den Leim gegangen: BMW. Aber über das Kapitel hüllt man in München penibel den Mantel des Schweigens. Dabei ist die Malaise die Keimzelle für alles Übel, an dem Sauber seit dem Rückzug von BMW als Werkspartner immer noch krankt.

Peugeot und dem Marathonrallyesport blüht solch’ ein Schicksal nicht. Denn in Wahrheit sind die Araber für Geländewettfahrten in der Wüste viel begeisterungsfähiger als für Rundstreckensport à la Formel 1.


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