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23.02.2019

Mehr Touren wagen


So, nun ist also das Klappergestell präsentiert, dessen Formen den neuen Aston Martin für das DTM darstellen sollen. Mit ein paar Fahrern dazu, und ein paar salbungsvollen Worten des Teamchefs, der allerdings auch einräumt, wie knapp der Zeitraum bis zum ersten Rennen sei.

Er tut das in einer Reihe von Redewendungen, die direkt aus dem Englischen übersetzt sind und die jedem, der sich mit deutscher Sprache befasst, die Zehennägel hochklappt. Aber so etwas finden manche modern, und sie kaschieren damit andere Dinge.

Was viel mehr erstaunt: wie kritiklos und wenig hinterfragend die dürre Präsentation von den Medien hingenommen und wiedergekäut wurde.

Wer die aktuelle Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK gelesen hat, der weiß, wie es um das private Projekt mit all' seinen kuriosen Klimmzügen wirklich bestellt ist.

Doch der Drahtseilakt ist die einzige Chance, das wackelige DTM am Leben zu erhalten. Also werden die beteiligten Hersteller und Organisatoren auch Mittel und Wege finden, den Aston an den Start zu bringen – und schon ganz bald auch in die Siegerstraße.

Was all' das dann noch mit Motorsport zu tun hat, steht auf einem anderen Blatt. Aber danach wird auch keiner fragen, wenn der Aston zum ersten Mal gewonnen hat. In den '68ern gab es mal Jubelperser, im DTM-Fahrerlager und -Pressezentrum hat diese Gattung scheinbar überlebt.

Das Grundproblem des DTM ist gar nicht mal nur seine Deutschtümelei, sondern es ist das Festhalten an einem ganz eigenen Weg – mit den Prototypen aus Kohlefaser, die nur äußerlich an Serienwagen erinnern. Audi-Sportchef Dieter Gass äußert sich in einem großen Interview in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK genau dazu.

Natürlich sind die Chevrolet Camaro, Ford Mustang und Toyota Camry in der US-amerikanischen NASCAR auch längst keine StockCars mehr. Also keine Autos, die aus dem Lager – eben dem Stock, wie's auf Amerikanisch heißt – auf die Ovale gebracht werden. Das ist eine überholte Lagefeuerromantik aus der Zeit der Moonshiner, mit Junior Johnson und Konsorten, die durch die Wälder und Serpentinen der Karolinas geheizt sind, um ihr Schwarzgebrannten während der Prohibition an den Kontrolleuren und Polizisten vorbeizuschmuggeln.

Aber das Überführen in die Moderne haben die NASCAR-Organisatoren eleganter hingekriegt als die DTM-Macher, wobei damit vor allem die Hersteller gemeint sind, denn die haben ja bis 2018 das Zepter geschwungen.

Dabei hilft es der NASCAR, dass die USA um ein Vielfaches größer sind als Deutschland. Und den Betreibern der australischen V8-Supercars geht es genauso: Die größere räumliche Ausdehnung bringt mehr Rennstrecken, größere Einzugsgebiete pro Veranstaltung und eine größere Vielfalt mit sich. Da kann eine eigene Autogattung und -kultur viel besser gedeihen als im engen Deutschland, in dem es nur vier permanente Rennstrecken plus den Sachsenring gibt, von der eine auch noch vom DTM gemieden wird.

Osteuropa-, England- und Italien-Ausflüge des DTM präsentieren jeweils gähnend leere Tribünen. Denn in England gibt es eine ganz eigene Motorsportgeschichte. Die tiefe Verwurzelung von Racing mit dem englischen Sport und der Freizeitkultur auf der Insel sorgt dafür, dass die BTCC sich einen Sonderweg leisten kann, obwohl die Brexiteernation noch flächenmäßig noch kleiner ist als Deutschland. Aber was sich dort an Pisten tummelt – da kriegt man als Deutscher mit Weitblick glatt Tränen in den Augen: Oulton Park, Snetterton, Thruxton, Knockhill oben in Schottland, daneben die international bekannten Rundkurse, und dazu noch Autospeedwaypisten und kleine Anlagen wie Pembrey in Wales. Man kann England nicht mit Deutschland vergleichen.

Und genau da liegt die Krux am DTM. Deren neue Klasse 1 ist ein Hochrisiko-Drahtseilakt, der wahrscheinlich scheitern wird. Daran kann auch das schiefe Aston Martin-Projekt, von dem die englische Marke selbst überhaupt nix wissen, nichts ändern. Auch wenn man sich mit Klimmzügen bemühen wird, das alles irgendwie passend zu machen und hinzudengeln.

Ein gangbarer Weg wäre die TCR-Klasse, denn solche Tourenwagenkonzepte – wie auch die alten Gruppen A und N – sind für Länder konzipiert, die nicht aus eigenem Antrieb ihr selbstgedüngtes Feld mit Eigengewächsen bewirtschaften können.

Aber die TCR kommt ja für das DTM nicht infrage. Warum? Auch das erklärt Gass in dem großen Interview in der neuen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK.

Was meint Ihr dazu? Ist das DTM der richtige Weg, oder wie soll es mit dem Tourenwagensport in Deutschland weitergehen?

Schickt doch Eure Meinung mal per Mail an verlag@pitwalk.de, oder äußert Euch auf Facebook oder Twitter. Dann können wir in der nächsten Ausgabe einen repräsentativen Meinungsspiegel der deutschen Fans veröffentlichen. Vielleicht regt der ja zum Nachdenken an.


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