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05.01.2019

Mazda Rumpelstilzchen


Ausgerechnet der erfolgloseste Teilnehmer der ganzen Klasse sorgt für eine Eskalation: Mazda hat in der IMSA-Serie zwar noch nichts gewonnen – aber kurz nach Neujahr dafür gesorgt, dass ein eiserner Grundsatz der nordamerikanischen Sportwagenmeisterschaft versenkt wurde: gute Stimmung, freundlich-respektvoller Umgang und eine generelle Lockerheit.
Denn beim Roar, dem Vortest vor dem 24 Stunden-Rennen von Daytona, macht der japanische Hersteller mit rüden Methoden von sich reden.

Alles begann mit einer Pressemitteilung am Tag vor den Probefahrten. Darin wurde nicht nur die Verpflichtung von Timo Bernhard als Ergänzungsfahrer für Daytona bekanntgegeben, sondern auch eine Umstrukturierung in der Teamleitung. Ralf Jüttner, der langjährige erfolgreiche Kopf hinter den Leistungen von Joest Racing, sei nicht mehr dabei, stattdessen seine bisherige rechte Hand bei Joest Racing.

In der Box von Mazda bietet sich ein anderes Bild. Einer der weinroten Wagen wird von einer Mechanikermannschaft betreut, die man sonst aus dem Ford-Werksteam in der Sportwagen-WM kennt. Auch George Howard-Chappell, der Teamchef von Ford aus der WM, ist in der Mazda-Box engagiert.

Denn der Engländer ist nicht bei Ford angestellt, sondern bei Multimatic – jener kanadischen Ingenieurs- und Zuliefererfirma, die nicht nur den Ford GT entwickelt hat, sondern auch das Chassis für den Mazda DPi. Howard-Chappell ist einer der am höchsten qualifizierten Insider im Fahrerlager überhaupt, sicher eine gute Wahl.

Aber er fühlt sich sichtlich unwohl in seiner Haut, als ich ihn nach seiner Rolle beim Roar-Vortest befrage. Denn er ist ein langjähriger Bekannter und ein Mann mit Grundsätzen. Dazu zählt auch Aufrichtigkeit gegenüber Gesprächspartnern, die er kennt und einschätzen kann.

Nun windet er sich freundlich aus der Unterhaltung, verweist darauf, dass er nicht als offizieller Ansprechpartner auftreten könne und dass es „ein sehr schönes Medienbriefing vom Mazda-Sportchef“ gebe, das ich doch lesen könne; da stünde alles drin. Er müsse jetzt gerade weg.

Man merkt sofort: Da ist irgendwas im Argen. Und sieht, dass am zweiten Auto eine Joest-Mannschaft arbeitet. Zwei Boxen, die plötzlich wirken wie das geteilte Dorf im Asterix-Band „Der große Graben“.

Es geht schon längst nicht mehr um die Wertung, ob es sinnvoll ist, das Team Joest umzubauen, Experten von Mutimatic an Bord zu holen etc. Vielmehr baut sich eine zweite Ebene auf, jenseits des rein Fachlichen.

Der nächste Weg führt zu einem der Fahrer von Mazda. Und der schaut auch so komisch. Alle Piloten hätten am Tag zuvor eine Order erhalten, sich nicht von Journalisten in Gespräche verwickeln zu lassen. Alle Wünsche von Journalisten müssten über die Mazda-Pressestelle koordiniert werden. Einzige Ausnahme: spontanes Auftauchen von TV-Kamerateams. Da dürfen die Fahrer antworten.

Welcher Fahrer mir das gesagt hat, behalte ich natürlich fein für mich, denn sonst kriegt der am Ende noch eine reingewürgt. So wirkt zumindest die Atmosphäre in der Garage Area von Daytona.

Es gibt noch weitere Wunderlichkeiten, etwa das willkürliche Streichen eines US-Kollegen aus dem Presseverteiler – als Strafe für eine unliebsame Veröffentlichung auf dessen Internetseite.

Solches Gebaren kennt man aus der Formel 1 und aus dem DTM. Doch in der IMSA ist es völlig fehl am Platze. Denn die Szene dort lebt davon, offen, zugänglich und kooperativ zu sein. Zu allen – Fans vor Ort, Internetusern, Journalisten. Die Freundlichkeit und der Respekt haben zum Beispiel Alex Zanardi, der den Motorsport in den USA von innen heraus kennt, bei seinem Kurzcomeback zu einer ellenlangen Lobeshymne auf den Sportsgeist und die Kameradschaft in den Staaten veranlasst, weil der Italiener von seinem Empfang echt beeindruckt war.

Das rumpelstilzenhafte Verhalten von Mazda mag der langen Dürre bei den Resultaten geschuldet sein. Da können die Nerven schon mal blank liegen. Vor allem, wenn es darum geht, ob einschneidende Veränderungen auch wirklich greifen. Beim HSV ging es ja phasenweise auch drunter drüber. Aber Mazda unterminiert mit der Kommunikationssperre das Fundament des ganzen Wachstums der IMSA-Serie. Es passt nicht in die von Serienbetreibern und Herstellern so sorgsam gepflegte Landschaft – schließlich ist die IMSA eine Meisterschaft mit ausgeglichenem Feld, einem funktionierenden BoP-System und stets spannenden Rennen in allen Klassen.

Dieses Jahr feiert die Serie ihr 50-jähriges Jubiläum. Das 24 Stunden von Daytona ist der klare Saisonhöhepunkt und lockt weltweite Aufmerksamkeit – die der Serie nach den beiden Florida-Rennen von Daytona und Sebring im März schlagartig abhanden kommt.

Ausgerechnet in dieser wichtigen Phase schadet Mazda mittelbar der ganzen Meisterschaft.

Aber vielleicht beruhigen sie sich ja bis zum 24 Stunden-Rennen wieder. Ein paar Wochen Zeit haben sie schließlich noch.


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