+++ 2019-11-22 19:59 : Neuer PITCAST online – Rückblick auf die Qualifikation und Vorschau aufs Rennen der GT3 in Kyalami. Mit Markus Winkelhock, Christopher Haase, Christopher Mies, Nick Tandy und Raffaele Marciello +++ 2019-11-22 12:48 : Neuer Podcast online – Vorschau auf die 9 Stunden von Kyalami. Mit Richard Lietz, Sven Müller, Kévin Estre und Laurens Vanthoor +++ 2019-11-16 13:14 : Neuer PITCAST online – Chaos-Samstag in Macau. Mit Sophia Flörsch, Augusto Farfus, Ernst Moser und Herbert Schnitzer jr. am Mikro +++
BACK

25.08.2016

Making America Great Again


Urlaubszeit ist Reisezeit. Auch für Motorsport-Journalisten. Aber weil zwar die Formel 1 gerade Sommerferien hat, andere Rennserien aber fleißig weiter wetteifern, fällt der Urlaub für unsereinen aus. Stattdessen geht man auf beruflich bedingte Bildungsreise.

Die USA sind da immer ein lohnendes Ziel. Denn hier hat sich eine Motorsportkultur herausgebildet, die mit der europäischen nicht viel gemein hat – aber von der gerade die Formel 1 im Moment viel lernen könnte.

Dass die Grand Prix-Serie unter Zuschauerschwund leidet, ist längsthin bekannt. Und so höre ich in letzter Zeit immer öfter: Wenn die Formel 1-Macher nicht aufpassen, wird die Sportwagen-WM – in der Porsche, Audi und Toyota mit millionenschweren Werkseinsätzen fahren – der Formel 1 womöglich den Rang als publikumswirksamste Motorsport-Sparte ablaufen.

Das kann ich mir nicht vorstellen.

Denn nur die Formel 1 ist so massenkompatibel wie Fußball. Alle anderen Rennserien europäischer Prägung setzen voraus, dass man sich aktiv mit ihnen beschäftigt; die Formel 1 kann man auch genießen, wenn man sich lediglich berieseln lassen möchte, ohne tief in die Materie einzusteigen.

Andererseits steht gerade der US-Motorsport als mahnendes Beispiel: Jahrzehntelang galt die CART/IndyCar-Serie als „das amerikanische Pendant zur Formel 1“. Dann zerfleischte sich das Championat selbst. Denn es brach ein Grabenkampf zwischen zwei Interessengruppen auf. Jede fand sich so toll, dass sie eine eigene Rennserie proklamierte – und jede Meisterschaft nahm der anderen Teams, Fahrer, Medieninteresse und Zuschauer weg.

Der „Split“ hat das „Open Wheel Racing“ in den USA auf ein Nischendasein reduziert, in etwa so wie die GT3-Rennszene in Europa – interessant, liebenswert, spektakulär aber nur was für echte Fans dieser Sparte. Der große Nutznießer war die NASCAR – die im Kielwasser vom Split ihren Siegeszug von einer Rennserie für raue Rednecks aus den Südstaaten hin zu einem landesweit geachteten und mit Hingabe verfolgten Championat angetreten hat.

Ohne die Schwächung der IndyCar-Szene wäre die NASCAR niemals zum Motorsport Nummer 1 in den USA geworden. Und dann hat sie denselben Fehler gemacht wie die Formel 1 jetzt: Verlust der Bodenhaftung, Abriss von Fannähe, hin zu einem Premium-Spektakel für Überversorgte, das mit dem Sport nicht gemein geht. Nur wenn man Premium und Bodenständigkeit in Waage hält, prosperiert der Motorsport; er ist da anders als etwa Golf oder Tennis, die beide ausschließlich vom Snobismus leben können.

Innerhalb der NASCAR hat man das erkannt und dreht inzwischen an verschiedenen Stellschrauben, um den Charakter der Serie klarer rauszuarbeiten. Und die Open Wheel-Fraktion hat ihre Wiedervereinigung längst vollzogen. Seit zwei Jahren geht es mit den IndyCars steil bergauf, wenn auch immer noch klar hinter den NASCAR-Spektakeln darbend.
Die IndyCar-Szene hat ihren eigenen Mikrokosmos aufgemacht. Dort gedieh sogar eine bessere Lösung für den Kopfschutz der Fahrer als in der Formel 1, der schon bald vorgestellt und serienreif gemacht werden wird. Während die Formel 1 sich in Debatten zerfasert wie der deutsche Bundestag, haben die Amerikaner einfach mal gemacht. Denn das können sie – trotz der landesweiten Lähmung durch Noch-Präsi Obama – immer noch am besten.

Die IndyCarianer hatten ihre eigene Tragödie, als der frühere Formel 1-Fahrer Justin Wilson – zu großgewachsen für die Formel 1, von Williams’ Technikguru Patrick Head dennoch mit privaten Mitteln bis in die Königsklasse gefördert – starb, nachdem er in Pocono von einem Trümmerteil am Kopf getroffen worden war. Der jetzt entwickelte Kopfschutz ist eine Reaktion darauf, konsequenter umgesetzt als alles, was die Formel 1 an Kopfgeburten hervorgebracht hat.

So zeigen denn sowohl NASCAR als auch IndyCar, wie man mit hausgemachten Krisen richtig umgeht und so die eigene Position langfristig stärkt. Man kann nur hoffen, dass sich auch ein paar Formel 1-Verantwortliche in der Sommerpause auf den Weg über den großen Teich gemacht haben.


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 14.11.2019

    Von Brasilien nach Macau

    Man müsste sich zweiteilen können. Denn es kommt nicht oft vor, dass zwei der spektakulärsten Rennen am selben Wochenende stattfinden. Aber dieses Mal ist es wieder soweit: Der For…
  • 13.11.2019

    Digitale Revolution live aus Macau

    PITWALK steigt am Wochenende mit dem Straßenrennen von Macau erstmals ins Livestreaming ein – und erweitert damit sein Angebot hin zu einem 360°-Multimediaunternehmen. Die Liveübe…
  • 12.11.2019

    I Have a Stream

    PITWALK wird das Stadtrennen von Macau in einem exklusiven kommentierten Stream live übertragen. Der Formel 3-Grand Prix, das GT3-Weltfinale und der Motorrad-Grand Prix werden über…
  • 05.11.2019

    Auf eine bessere Zukunft?

    Auf den ersten Blick sieht das Modell so aus wie jenes Ergebnis, das immer dabei rauskam, wenn ich als Kind einen Modellbausatz zusammengeklebt und -gesteckt hatte: alles schief un…
  • 04.11.2019

    Das muss drin sein!

    Es ist soweit. Bei unserer Druckerei in Ahrensfelde können wieder die Maschinen rattern – die neue Ausgabe der Zeitschrift PITWALK ist druckreif und die Daten sind übermittelt. Bal…
  • 03.11.2019

    Die neue PITWALK kommt bald

    Auch im Herbst hat die PITWALK-Redaktion wieder alle nötigen Eintrittskarten, um hinter die Kulissen des Motorsports blicken zu können. Auf 180 Seiten bietet die nächste Ausgabe vo…
  • 25.10.2019

    Rallye der zwei Gesichter

    Freitags verwinkelte Schotterpassagen, am Samstag und Sonntag rasant schnelle Asphaltstrecken: Keine zweite Rallye im WM-Kalender wartet mit so unterschiedlichen Anforderungen auf …
  • 23.10.2019

    Französische Volte

    Den Gesichtsausdruck werde ich mein Lebtag nicht vergessen. In tiefer Nacht nach dem Singapur-Grand Prix 2008 befragte ich Pat Symonds, den damaligen Technischen Leiter des Renault…
  • 16.10.2019

    All Four Won

    Es wird eine der Storys des Jahres. In der nächsten Ausgabe der Zeitschrift PITWALK erfahrt Ihr exklusiv alle technischen Hintergründe und Neuerungen des jüngsten Porsche 911 RSR. …
  • 15.10.2019

    Das große Schwelgen

    Nach vier Jahren endete am Wochenende für das Werksteam Ford Chip Ganassi Racing eine Ära: Das Zehnstundenrennen Petit Le Mans auf der berühmten Rennstrecke von Road Atlanta war …
  • 13.10.2019

    Die Geschichte von Bamthoor

    Wir schreiben das Jahr 2016. In den engen Straßen der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau treffen Earl Bamber und Laurens Vanthoor erstmals aufeinander. Beim GT-Weltcup steuer…
  • 12.10.2019

    Gone Like Hell?

    Die Zukunft von Ford beschäftigt die Sportwagenlandschaft weltweit. Das Petit Le Mans auf der Road Atlanta am heutigen Samstag ist das letzte Rennen für die GT. Alle Bemühungen, di…
2019 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA