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27.02.2019

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Momentan herrscht große Verwunderung darüber, dass das ehemalige Sauber-Team sich bei den Testfahrten in Barcelona in der erweiterten Spitzengruppe der Formel 1 festbeißt. Dabei ist die Mannschaft aus Hinwil, die inzwischen in Alfa Romeo umgetauft wurde, genau dort, wo sie von der Logik her hingehört: Als Bob Ferrari 2 sind die Rotweißen mit der grundsätzlich gleichen Technik ausgerüstet wie die Ferraristi rund um Sebastian Vettel.

Das umfasst sowohl die aerodynamische Stoßrichtung mit der innovativen Luftführung an den Vorderreifen vorbei als auch den Motor. Bereits 2018 durften die Sauber erstmals mit baugleichen Aggregaten antreten wie Ferrari – was ihnen umgehend 60 PS mehr unter die Haube gelegt hat. Zuvor waren die Kundenmotoren stets eine Ausbaustufe alt gewesen. Doch seit Ferrari im Gleichschritt mit Entwicklungspartner Shell dank einer integrierten Entwicklung mit deren Hamburger Laboren einer- sowie einer stufenweise umgebauten generellen Motorkonstruktion andererseits so große Schritte bei Leistung und Haltbarkeit ermöglicht hat, dass der Ferrari zum stärksten Aggregat herangezüchtet wurde, konnte man auch die B-Teams Sauber und Haas mit diesen Treibsätzen ausrüsten.

Für Ferrari geht es darum, genau wie Mercedes einen ganzen Schwarm höriger Teams aufzubauen. Die brauchen sie vor allem auf politischer Ebene, wenn es bei Abstimmungen in den vielen Gremien und Kommissionen auf jeden gehobenen Arm ankommt. In gewisser Weise funktioniert die Formel 1 da wie ein Bundestag, in dem die großen Parteien versuchen, möglichst wenige andere Fraktionen zuzulassen. Oder sogar wie das Wettrüsten im Kalten Krieg: Der Ferrari-Doppelbeschluss versucht, bei der Anzahl der von Mercedes stationierten Stimmwaffen nachzuziehen und ein Gleichgewicht herbeizurüsten.

Sauber profitiert dabei von einer engeren Anbindung ans Werk in Maranello als noch 2018. Für die letzte Saison hat der aus Ratingen stammende Topingenieur Jörg Zander die technischen und auch infrastrukturellen Weichen gestellt. Seiner Vorarbeit, seit er von Audis LMP1-Team zu Sauber ging, ist es zu verdanken, dass der letztjährige Sauber aerodynamisch – mit steilem Anstellwinkel von Front zu Heck – so aufgebaut war, dass er die Vorteile des starken, gleichzeitig auch kompakten und kleinen Ferrari-Motors optimal umsetzen konnte.

Zander hat eine ähnlich radikale Aerodynamik schon bei Audi mit dem R18 verfolgt. Dessen letzte Ausbaustufe durfte ja nie mehr eingesetzt werden, weil Audi sich wegen des Dieselbetrugskandals aus dem Spitzensport zurückziehen musste. Aber sie wäre aerodynamisch ähnlich radikal konzeptioniert gewesen wie der neue Sauber – nur halt ohne freistehende Räder. Quasi.

Und Zander hat auch seinen Audi-Chefaerodynamiker Jan Monchaux in die Alpen gelockt, mit dem zusammen er die Audi R18-Luftführung konzipiert hat – nachdem Monchaux von Toyota zu Audi gegangen war. Monchaux und Luca Furbatto als Chefkonstrukteur haben das Konzept des C38 getrieben – auf dem Fundament dessen, was Zander gelegt hat.

Dass Zander dann im ersten Saisondrittel 2018 sang- und klanglos geschasst wurde, gehört zu den Absurditäten des Grand Prix-Intrigenstadels und der politischen Hintergründe der de facto-Annexion von Sauber durch Ferrari. Denn Simona Resta, der neue Technische Direktor in Hinwil, ist natürlich das Bindeglied und die Telefonleitung zu Maranello und insofern ist sein Auftrag auch klar: Der Alfa Romeo muss eine Kopie des Ferrari sein, so nahe am ideal und damit auch so schnell wie's nur irgend geht.

Genau das spiegelt sich jetzt bei den Testverläufen wider.


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