+++ 09.09.2019 09:11 : Neuer PITCAST online – Inga Stracke analysiert den Formel 1-Grand Prix von Monza +++ 10.09.2019 22:11 : Neuer PITCAST online – Goa Bellof erinnert sich an seinen Bruder Stefan +++ 08.09.2019 09:22 : Neuer PITCAST online – Entscheidung in der Marathon-WM, Matthias Walkner analysiert sein Comeback +++
BACK

27.02.2019

Kopier-Gerät


Momentan herrscht große Verwunderung darüber, dass das ehemalige Sauber-Team sich bei den Testfahrten in Barcelona in der erweiterten Spitzengruppe der Formel 1 festbeißt. Dabei ist die Mannschaft aus Hinwil, die inzwischen in Alfa Romeo umgetauft wurde, genau dort, wo sie von der Logik her hingehört: Als Bob Ferrari 2 sind die Rotweißen mit der grundsätzlich gleichen Technik ausgerüstet wie die Ferraristi rund um Sebastian Vettel.

Das umfasst sowohl die aerodynamische Stoßrichtung mit der innovativen Luftführung an den Vorderreifen vorbei als auch den Motor. Bereits 2018 durften die Sauber erstmals mit baugleichen Aggregaten antreten wie Ferrari – was ihnen umgehend 60 PS mehr unter die Haube gelegt hat. Zuvor waren die Kundenmotoren stets eine Ausbaustufe alt gewesen. Doch seit Ferrari im Gleichschritt mit Entwicklungspartner Shell dank einer integrierten Entwicklung mit deren Hamburger Laboren einer- sowie einer stufenweise umgebauten generellen Motorkonstruktion andererseits so große Schritte bei Leistung und Haltbarkeit ermöglicht hat, dass der Ferrari zum stärksten Aggregat herangezüchtet wurde, konnte man auch die B-Teams Sauber und Haas mit diesen Treibsätzen ausrüsten.

Für Ferrari geht es darum, genau wie Mercedes einen ganzen Schwarm höriger Teams aufzubauen. Die brauchen sie vor allem auf politischer Ebene, wenn es bei Abstimmungen in den vielen Gremien und Kommissionen auf jeden gehobenen Arm ankommt. In gewisser Weise funktioniert die Formel 1 da wie ein Bundestag, in dem die großen Parteien versuchen, möglichst wenige andere Fraktionen zuzulassen. Oder sogar wie das Wettrüsten im Kalten Krieg: Der Ferrari-Doppelbeschluss versucht, bei der Anzahl der von Mercedes stationierten Stimmwaffen nachzuziehen und ein Gleichgewicht herbeizurüsten.

Sauber profitiert dabei von einer engeren Anbindung ans Werk in Maranello als noch 2018. Für die letzte Saison hat der aus Ratingen stammende Topingenieur Jörg Zander die technischen und auch infrastrukturellen Weichen gestellt. Seiner Vorarbeit, seit er von Audis LMP1-Team zu Sauber ging, ist es zu verdanken, dass der letztjährige Sauber aerodynamisch – mit steilem Anstellwinkel von Front zu Heck – so aufgebaut war, dass er die Vorteile des starken, gleichzeitig auch kompakten und kleinen Ferrari-Motors optimal umsetzen konnte.

Zander hat eine ähnlich radikale Aerodynamik schon bei Audi mit dem R18 verfolgt. Dessen letzte Ausbaustufe durfte ja nie mehr eingesetzt werden, weil Audi sich wegen des Dieselbetrugskandals aus dem Spitzensport zurückziehen musste. Aber sie wäre aerodynamisch ähnlich radikal konzeptioniert gewesen wie der neue Sauber – nur halt ohne freistehende Räder. Quasi.

Und Zander hat auch seinen Audi-Chefaerodynamiker Jan Monchaux in die Alpen gelockt, mit dem zusammen er die Audi R18-Luftführung konzipiert hat – nachdem Monchaux von Toyota zu Audi gegangen war. Monchaux und Luca Furbatto als Chefkonstrukteur haben das Konzept des C38 getrieben – auf dem Fundament dessen, was Zander gelegt hat.

Dass Zander dann im ersten Saisondrittel 2018 sang- und klanglos geschasst wurde, gehört zu den Absurditäten des Grand Prix-Intrigenstadels und der politischen Hintergründe der de facto-Annexion von Sauber durch Ferrari. Denn Simona Resta, der neue Technische Direktor in Hinwil, ist natürlich das Bindeglied und die Telefonleitung zu Maranello und insofern ist sein Auftrag auch klar: Der Alfa Romeo muss eine Kopie des Ferrari sein, so nahe am ideal und damit auch so schnell wie's nur irgend geht.

Genau das spiegelt sich jetzt bei den Testverläufen wider.


Teile diesen Beitrag

Das könnte auch interessant sein:

  • 05.09.2019

    Säurebad für den neuen Platzhirschen

    Schon der Firmengründer pflegte einen hehren Grundsatz: Bei allen Rennwagen, die Enzo Ferrari bauen ließ, gab er stets die Maßgabe aus, Motorleistung sei wichtiger als alles Andere…
  • 03.09.2019

    Reifenschaden bei Correa als Ursache?

    Muss man den Unfallhergang, der zum Tod von Anthoine Hubert führte, noch mal ganz neu beleuchten? Es sieht schwer danach aus – nachdem uns bei der PITWALK-Redaktion aus einer Quell…
  • 03.09.2019

    Konsequenzen aus der Tragödie

    Die Geschichte zeigt hin und wieder ihr sarkastisches Gesicht. Ausgerechnet in jener Woche, in der die Motorsportwelt sich an den Schwarzen Sommer 1985 erinnert, verunglückt in Spa…
  • 29.08.2019

    Geheimniskrämer

    So schnell fliegen Geheimhaltungspläne auf. Vor einiger Zeit schon war ich bei Toyota Motorsport in Köln zu Gast – und aß in deren Kabine zu Mittag. TMG lebt nicht nur davon, TS050…
  • 04.08.2019

    Sommerferien

    Na, da haben wir ja was losgetreten. Am vergangenen Sonntag hatten Lucas Luhr – Fahrer im Iron Force-Porsche-Team im deutschen GT-Masters – und ich unerwartet viel Zeit. Denn das 2…
  • 29.07.2019

    So sieht das Jubiläum aus

    Passend zum Saftladen-Podcast von PITWALK-Chef Norbert Ockenga und Experte Lucas Luhr, der so hohe Wellen im Netz schlägt, hier nun der Blick aufs Inhaltsverzeichnis der neuen Ausg…
  • 26.07.2019

    So verfolgt Ihr Spa

    Beim 24 Stunden-Rennen von Spa gibt's Langstrecken-Motorsport vom Feinsten – mit PITWALK-Chef Norbert Ockenga und Lucas Luhr am Mikrofon von Eurosport und unserer PITCAST-Reihe. E…
  • 26.07.2019

    Vettels Langmut

    Zwischen den Zeilen steht häufig am meisten. Zumindest in der Welt von Ferrari. Die Italiener verfolgen eine rigide Medienpolitik: Interviews nur nach vorherigem Einreichen der Fra…
  • 24.07.2019

    Feiern wir zusammen Jubiläum?

    Bald können wir gemeinsam Jubiläum feiern. Denn die 50. Ausgabe unserer Zeitschrift steht unmittelbar bevor – und wir würden uns freuen, wenn Sie bei diesem ganz besonderen Heft wi…
  • 12.07.2019

    Die Formel 1 trägt schon wieder Trauer

    Silverstone ist eigentlich immer einer der wenigen in Europa ausgetragenen Großen Preise, auf die man sich regelrecht freuen kann – wegen der Einzigartigkeit von umgebender Landsch…
  • 11.07.2019

    Geheimwissenschaft

    Wer die Disqualifikation des Manthey-Porsche nach dem 24 Stunden-Rennen auf dem Nürburgring verstehen möchte, der muss sich zunächst mit der Balance of Performance als Gesamtkunstw…
  • 26.06.2019

    Stimmung in der Steiermark

    Allein schon der Tunnel. Wenn man normaler Weise unter einer Rennstrecke hindurch muss, um etwa von den Parkplätzen in den Innenbereich zu gelangen, bieten die Unterführungen stets…
2019 – BILD-PUNKTE LAREUS.MEDIA