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13.02.2020

Interregnum


Das Peugeot-Programm für die Rückkehr zu den 24 Stunden von Le Mans und in die Sportwagen-WM ist in schwerer See. Am heutigen Donnerstag hat Rebellion angekündigt, sich nach dem 24 Stunden-Rennen im Juni 2020 von allen Motorsportprogrammen zurückzuziehen. Das betrifft nicht nur den Einsatz der LMP1-Oreca und das Rallye Dakar-Team von Romain Dumas – Rebellion hätte auch das neue Hypercar von Peugeot für die Nachfolgeklasse der aktuellen LMP1 einsetzen sollen.

Dieser Einsatz fällt nun flach. Nicht aber die Hypercarpläne von Peugeot an sich.

Die Ursache für die Turbulenzen liegen in der Titelgeschichte der neuen Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK, die wir morgen fertigstellen und in Druck geben werden: im neuen transatlantischen Bündnis für die Sportwagen-Szene. Die Le Mans-Veranstalter und die Ausrichter der nordamerikanischen IMSA-Serie haben ja beim 24 Stunden-Rennen von Daytona – noch reichlich vage – einen Doppelbeschluss über eine Zusammenlegung der beiden Erstligaklassen verkündet, ohne dabei schon mit handfesten technischen und regelseitigen Details aufwarten zu können.

Das Thema hat PITWALK nicht ruhen lassen. Schließlich ist das 180 Seiten starke Premiummagazin ja schon seit Bekanntwerden der Hypercarregeln Taktgeber bei Nachrichten und Hintergrundberichterstattung zu diesem Thema. Genaugenommen hat PITWALK die ersten Pläne dazu enthüllt – und im Frühling 2019 auch als erstes Medium dargestellt, wie solch' ein bilaterale Annäherung beider Klassen in der Praxis funktionieren kann.

Deswegen haben wir nun für jene Ausgabe, die am 28. Februar in den Handel kommen wird, die Zukunft der Sportwagen und transatlantische Bündnis, das andernorts hochtrabend und falsch übersetzt Konvergenz genannt wird, genau unter die Lupe genommen. Und vor allem haben wir es aus beiden Stoßrichtungen beleuchtet: sowohl von der IMSA- als auch von der Warte der Hypercarfraktion aus.

Dass Peugeot sich dabei in einem besonderen Zwang findet, ist schnell klargeworden. Und zwar gar nicht mal so sehr, weil – wie alle glauben – ein Hypercar teurer ist als ein LMDh und die Franzosen darum ihre Pläne angeblich ändern müssen. Nicht die Kosten stehen im Vordergrund der Problematik, sondern andere wirtschaftspolitische Zusammenhänge. Die werden in der nächsten Ausgabe der PITWALK im Rahmen des großen Le Mans-Zukunfts-Specials mit beleuchtet werden. Und die Rebellion-Thematik spielt dort mit rein.

Denn sie ist ein Teil jenes großen Missverständnisses, das in Sportwagenkreisen immer noch vorherrscht. Die meisten glauben nämlich, dass Oreca das Peugeot-Auto baut. Aber das stimmt nicht; es hat noch nie gestimmt.

Der Schritt von Rebellion, unvermittelt alles hinzuschmeißen, hat auch eine intrigante Komponente: Aus Kreisen der LMDh-Fraktion wurde dem Nobeluhrenhersteller nachdrücklich geraten, sich nicht auf ein Hypercar-Projekt mit Peugeot einzulassen, weil das Rebellion unverhältnismäßig viel eigenes Geld kosten würde. Diese Argumentation hat nun beim motorsportbegeisterten Chef Alexandre Pescchi, der in einem Buggy von Romain Dumas' Team selbst noch die Rallye Dakar im Januar gefahren hatte, verfangen. Die Eidgenossen haben unter dem Vorwand, man müsse das Marketing für die Chronographen neu ausrichten, den Stecker gezogen.

Das klingt zwar bedauerlich. Aber ein so großer Verlust für den Sport ist es auch nicht. Denn viel gerissen haben die Rebellion-Boliden auf der Langstrecke nicht. Die Ankündigungen waren stets größer als die Leistungen, und die Hoffnung, mit einem privaten LMP1 eine so gute Einstufung zu ergattern, dass man das Werksteam von Toyota sogar in Le Mans schlagen könne, trug schon etwas Grundschulhaft-Naives in sich.

Entscheidender als das Aufhören von Rebellion ist die Nachricht dahinter: Peugeot baut offensichtlich eben keinen LMDh, sondern bleibt bei seinem Hypercarkurs.


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