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28.02.2019

IndyCar geht nach Argentinien


Die Renaissance der IndyCars geht weiter. In der Nacht wurde ein großer Schritt zurück in die goldene Ära des US-Monopostosports gemacht: Die Formelrennserie wendet sich wieder einer Internationalisierung zu.

Im März 2020 soll das erste Südamerika-Rennen der neuen IndyCar-Ära stattfinden – in Argentinien. Eine zentrale Rolle spielt dabei Orlando Terranova – ein langjähriger Stammfahrer von X-Raid im Marathonrallyesport, vor allem bei der Rallye Dakar, unter anderem mit dem kernigen Bayern Andreas Schulz als Navigator an seiner Seite.

Terranova, den alle nur Orly nennen, ist einer der Geschäftsführer der noch jungen Rennstrecke von El Villicum vor den Toren von Albardón am Fuße der Anden, gelegen direkt an der legendären Fernstraße Ruta 40.

Gestern Abend argentinischer Zeit trafen Terranova und sein Mitgeschäftsführer Ricardo Juncos sich mit Sergio Uñac, dem Minsterpräsidenten des zugehörigen Bundeslandes, und Stephen Starks, dem Chef der IndyCar-Serie.

Der Politiker ließ sich hinterher mit den Worten zitieren, er werde alles tun, das IndyCar-Rennen von San Juan zu unterstützen, solange klar sei, dass es spürbare Auswirkungen auf den Sport, den Fremdenverkehr und die Wirtschaft seiner Region nach sich ziehe.

Streckenbetreiber Ricardo Juncos sagte: „Das war heute ein ganz wichtiger Schritt. Die Vorbereitungen sind äußerst belastbar. Ich bin überzeugt davon, dass alles auf dem richtigen Wege ist.“

Auch warum die Wahl der IndyCar gerade auf Argentinien und San Juan gefallen sei, konnte Juncos erläutern: „Die Serienbetreiber möchten in andere Länder gehen, weil in ihrem Championat so viele Fahrer ganz unterschiedlicher Nationalität fahren – aus mehr als 10 verschiedenen Ländern nämlich. Eine Rückkehr nach Südamerika stand ganz oben auf ihrer Liste. Deswegen haben sie mich als ihren Gewährsmann ausgesucht und mich voll und ganz unterstützt. Ich hoffe wirklich, dass wir das auf die Beine gestellt kriegen – aber ich weiß auch, dass unser Land gerade durch eine ganz schwierige wirtschaftliche Phase geht, das müssen wir mit ins Kalkül ziehen. Aber für uns ist das auch eine ganz große Chance.“

X-Raid-Star Terranova ergänzt: „Wir haben in unserem Treffen alle Vorteile für die Region durchgesprochen, welche die verschiedenen Projekte der vergangenen Jahre nach sich gezogen haben. Vor allem im Hinblick auf den Fremdenverkehr und die Auswirkungen des Sports. Die IndyCar-Vertreter haben ganz genau erklärt, wie sie arbeiten – und dabei auch betont, dass sie Rennen außerhalb der Vereinigten Staaten und ganz konkret in Argentinien haben möchten. Sie haben sich ein genaues Bild von den Möglichkeiten in San Juan verschafft, und darauf werden sie ihre weiteren Überlegungen jetzt aufbauen. Schon bald werden alle Berichte vorliegen. Das Rennen soll im März 2020 stattfinden.“

Die IndyCar-Serie hat sich noch zu C.A.R.T.-Zeiten schon mal internationalisiert, damit wurde sie ihrem Ruf als amerikanisches Pendant zur Formel 1 immer weiter gerecht. Neben einem spektakulären Rennen an der australischen Goldküste, in Surfer’s Paradise, entstanden aus diesem Drang zur Expansion auch die Ovale im englischen Rockingham und in der Lausitz bei Oberlungwitz nördlich von Dresden. Während die Engländer ihr Rockingham weiter nutzten und hegten, ehe es im Herbst 2018 zugunsten eines lukrativeren Logistigzentrums für die Autoindustrie im Brexit überraschend doch zugesperrt wurde, verfällt der EuroSpeedway zusehends. Der Ovalkurs ist bereits eine Bauruine: Der Asphalt ist dermaßen von Bodenwellen und Verwerfungen übersäht, dass man darauf kein Rennen mehr fahren könnte. Dabei hätte man ihn bestens dafür nutzen können, auch in Deutschland eine Ovalkultur einzuführen und aufzubauen. Aber dafür fehlte die sportpolitische Weitsicht, als die IndyCar im Zuge ihres Grabenkampfes zwischen IRL und C.A.R.T. von der Internationalisierung Abstand nahm. So verkam der EuroSpeedway zu einem Objekt in einem nicht enden wollenden Wirtschaftskrimi mit Skandalcharakter.

Die IndyCar-Serienbetreiber versuchten sich nach ihrer Wiedervereinigung noch mit einem Auslandsauftritt in São Paulo – aber nicht auf der Formel 1-Rennstrecke in den Slums von Interlagos, sondern auf einem Stadtkurs, der auf Dauer nicht sinnhaft zu tragen war. Der Weg nach San Juan markiert nun einen Wendepunkt in der Ausrichtung der Serie.

Und er ist die logische Schlussfolgerung auf das starke Wachstum, dem die IndyCar seit drei Jahren unterliegt: Weltweit erstarkt gerade kein Championat so stark und nachhaltig wie die US-Formelserie.


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