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26.09.2020

Highway Through Green Hell: Wirbel um Ferrari


Christian Bertschinger sitzt in seiner Lounge und mag nicht mehr. Das ganze Gerede um seinen Ferrari, den Luca Ludwig am Abend mit Intermediates auf Startplatz 2 fürs 24-Stundenrennen gestellt hat, geht dem Teamchef aus Zürich gehörig auf die Nerven.

Die Werksteams messen dem Ferrari eine unpassende Einstufung zu, und dann gibt's auch noch den Eklat um falsche Leistungswerte, die auf dem Rollenprüfstand für die Einstufung zugrunde gelegt worden sind. Dabei war gar nicht der Octane126-Ferrari auf der Rolle – sondern das Kundenauto von Rinaldi Racing, das als Wochenspiegel-Ferrari von Georg Weiss bekannt geworden ist. Und das hat einen anderen technischen Stand als der Octane126-Wagen.

Bertschinger betont: Man hätte ihn seitens des Technikausschusses nur zu fragen brauchen, dann hätte er nach einem frühen NLS-Rennen montags das eigentliche Einsatzauto für die Rollenmessung zur Verfügung gestellt.

Die Version, die auf dem Ring fährt, ist nicht mehr Michelotto entstanden – sondern in einer gemeinsamen integrierten Entwicklung zwischen dem Ferrari-Werk und dem Ferrari- und Maserati-Service in der Eidgenossenschaft. Aus diesen Entwicklungen, sagt Bertschinger, resultiere jenes EVo-Paket, das für 2020 aufgelegt worden sei.

Für die Nordschleife seien allerdings speziell im Bereich der Elektronik, bei der Traktionskontrolle und dem ABS, noch weitere Feinheiten verbaut, die speziell für die Grüne Hölle programmiert seien.

Durch die Korrektur der Motorleistung nach den Prüfstandsmessungen fürchtet man bei Octane126, dass man bei der Leistung und der Topspeed ins Hintertreffen geraten sei. Und dann, versichert Bertschinger, würde er auch die Konsequenzen ziehen: Sollten die Gegner einfach an den wehrlosen Fahrern Ludwig, Simon Trummer, Jonathan Hirschi und Bjrön Grossmann vorbeizischen, werde er den Wagen zurückziehen.

Das Wetter könnte diesen Eklat vermeiden: Der Ferrari fährt auf Goodyear. Die haben fünf verschiedene Varianten Regenreifen zur Verfügung gestellt. Und Intermediates noch obendrein, die es von Michelin für Porsche, BMW und Mercedes nicht gibt. Nachschneiden von weichen Slicks auf Intermediates ist inzwischen gestattet worden. Aber die Vielfalt von Mischungen eröffnet Octane126 mehr Spielmöglichkeiten, je nach Intensität des Regens, Außentemperaturen und Wassermassen auf der Straße.

Dafür hat Octane126 in der Loge einen eigenen Kommandostand aufgebaut. Denn Bertschinger betont, man verlasse sich bei der Entwicklung des Autos wie auch bei den Calls im Rennen vor allem auf eine gründliche, fast schon wissenschaftliche Datenauswertung.

Das Team ist bislang gut damit gefahren. Nachdem man in der Frühphase der Existenz die Prowertung in der Ferrari-Challenge gewonnen hat, stürzte man sich bewusst aufs 24-Stundenrennen, weil Ferrari das als einzige Veranstaltung der Welt noch nie gewinnen konnte. Im vergangenen Jahr hat man die Elektronikentwicklung in mehreren Experimentalstufen durchprobiert, 2020 sei immer das Jahr gewesen, in dem man voll auf Angriff fahren wolle.

Gerade im zu erwartenden Regen genießt der Ferrari mehrere Vorteile. Nicht nur die Reifenvielfalt und die Elektronik – sondern vor allem die Tatsache, dass der Wagen als einer wenigen GT3 tatsächlich Abtrieb produziert. Und der ist im Regen wichtiger als Topmotorleistung.


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