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24.09.2020

Highway Through Green Hell: Gibt's eine Sensation?


Liegt beim 24-Stundenrennen auf dem Nürburgring eine Sensation in der Luft? Plötzlich wirkt es so, als sei der Lamborghini aus dem Team von Franz Konrad ein großer Favorit auf den Sieg. Denn der Stier aus der Nähe von Gütersloh ist nicht nur mit einer atemberaubenden Zeit von Michele de Martini im Freien Training aufgefallen – sondern in den letzten zwei Wochen bei der Firmenzentrale in Italien auch von Grund auf neu aufgebaut worden. Der türkise Bolide erhielt einen neuen Motor und ein neues Getriebe, auch die Aufhängungen sind ausgetauscht worden. Konrad war deswegen dauernd in Italien, um den Umbau persönlich zu übersehen.

Oder kommt doch alles ganz anders? Denn die Krux des Wochenendes könnten die Reifen sein. Konrad fährt wie die meisten anderen Favoriten Michelin-Bereifung. Die Franzosen steuern drei Mischungen Slicks bei. Aber von jener Variante, die bei den kühlen Witterungsbedingungen und in der langen Nacht gefahren werden müssen, gibt's nur 10 Satz pro Auto. Davon werden mindestens zwei, eher vier, schon in der Qualifikation verbraten. Bleiben noch sechs Satz fürs Rennen – bei hochgerechnet 22 Törns. Man wird also nicht umhin kommen, einen Großteil der Törns mit nicht optimalen Pneus zu fahren. Und das kann richtig viel Zeit kosten.

Die Nutznießer davon könnten das Porsche-Team von Sven Schnabl oder das Ferrari-Team Octane 126 sein, denn die fahren auf Falken respektive Goodyear – und deren Kontingent ist mehr auf Kühle ausgerichtet. Doch der Ferrari ist nach einer rätselhaften Fehlmessung auf dem Rollenprüfstand neu eingestuft worden, sodass ihm in Sachen Motorspitzenleistung sechs km/h Topspeed auf den Geraden fehlen. Zwar geht der Motor im Drehmoment unten rum besser. Doch das treibt die Hinterachse an ihre Grenzen, und zum Überholen taugt diese Leistungsentfaltung auch nicht.

Die Schnabl-Mannschaft kann sich also bei Trockenheit berechtigte Hoffnungen machen – und das wäre eine ähnliche Überraschung wie ein Konrad-Sieg.

Über all' diesen Überlegungen schwebt die Unsicherheit des Wetters. Zwar war es am Donnerstag tagsüber unerwartet spätsommerlich schön. Doch abends ab kurz vor Sieben fielen in der Eifel die ersten Tröpfchen. Fürs Wochenende ist Regen en masse vorhergesagt. Dann hätten die Michelin bereiften Autos wieder einen Vorteil gegenüber allen anderen Reifenmarken.

Und im GT-Sport gilt seit jeher: je Regen, desto Porsche. Weil der Motor auf der Hinterachse liegt statt in der Mitte wie beim Audi – dem man seitens der Technikkomission zudem den Vorteil bei der Einstufung vom Sechsstundenrennen wieder komplett weggenommen hat – oder gar in der Front, drückt er die angetriebene Achse durch die feuchte Fahrbahn nach unten und spendiert so quasi gratis Traktion.

Im Regen könnte die nächste Sensation lauern. Dann muss man auf das Hongkonger KCMG-Team schauen. Das ist nicht nur fahrerisch 1A besetzt, trotz des Coronabefunds und der Umbildungsmaßnahmen bei Porsche nach Le Mans. Denn KCMG hat in Jörg Bergmeister einen Exprofi und Nordschleifenfuchs zugeteilt bekommen, der in diesem Jahr in seiner neuen Rolle als 911-Entwicklungsfahrer für die Serie schon mehr als 100 Runden auf der Nordschleife gedreht hat, zudem auch im GT3 und bei Einstellfahrten mit Project1 in Spa sogar im RSR der GTE unterwegs war, also trotz Rücktritts vom Rennsport noch voll im Saft steht. Das Team hat auch einen der besten Porsche-GT3-Renningenieure überhaupt: Patrick Arkenau. Der ist nicht nur der Sohn des kultigen Renault 5- und -Clio-Teamchefs Nikolaus Arkenau aus Vechta in Niedersachsen – sondern vor allem bei Manthey-Racing eine der tragenden Säulen der GT3-Abteilung.

Das 24-Stundenrennen trägt also plötzlich viel mehr Würze in sich, als man vor der Anreise zu hoffen gewagt hatte.


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