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25.09.2021

Hartes Brot für Schumacher


Er muss. Mick Schumacher muss ein weiteres Jahr beim Hinterbänklerteam Haas fahren – und dann auch noch mit seinem bisherigen Teamkollegen, dem russischen Oligarchensohn Nikitia Masepin. Nix ist’s mit dem eigentlich zu erwartenden Aufstieg in einen anderen Rennstall – etwa zu Alfa-Romeo, also dem eidgenössischen Sauber-Team aus den Zürcher Bergen.

Der Sohn des siebenfachen Weltmeisters ist nicht so frei in seinen Entscheidungen, wie sein Name wie Donnerhall es eigentlich vermuten lassen würde. Schumi jr. ist eingeflochten in die Ferrari-Akademie für junge Rennfahrer, welche die Italiener für einen Stammplatz im roten Werksteam aufziehen möchten. Und Schumacher ist von allen Ferrari-Akademikern der vielversprechendste.

Also muss der Blondschopf mit der ausgeprägten Finesse für verbale Diplomatie sich dem fügen, was die Ferrari-Chefetage für ihn am besten findet. Und die meint offenbar: Der 22-Jährige braucht noch ein weiteres Lehrjahr mit einem Teamkollegen, der ihm nicht gefährlich werden kann. So soll vermieden werden, dass Schumacher einer alten Motorsportweisheit zum Opfer fährt: „Der Teamkollege ist immer Dein härtester Gegner.“ Verlöre Schumacher gegen einen Rivalen, der baugleiches Material in den Händen und unterm Hintern hat wie der Deutschschweizer, dann hätte das zwei Effekte: Schumachers Selbstsicherheit bekäme einen Knick – und seine Reputation als Toptalent arge Kratzer.

Genau diese Gefahr hätte bestanden, wenn Ferrari Schumacher bereits für 2022 zu Sauber-Alfa querversetzt hätte. Denn dort wäre auf Valtteri Bottas getroffen, den Mercedes gerade zugunsten von George Russell hat fallengelassen. Und Bottas hat sich zwar an der Seite von Lewis Hamilton bei den Schwaben gerade selbst ordentlich das Image verbogen. Doch der Finne ist fahrerisch und technisch deutlich stärker, als sein Ruf nach den Dauerniederlagen gegen Hamilton erahnen lässt. Dass Schumacher jr. gegen Bottas intern nicht angekommen wäre, ist bei seinem derzeitigen Stand der Erfahrung sehr wahrscheinlich.

Damit stellt sich die Gretchenfrage: Was ist für junge Formel 1-Fahrer wichtiger? Dass sie sich in einer Komfortzone ohne internen Druck einsnuggeln und so in Königsklasse schlüpfen können wie in einen edlen Schuh? Oder dass sie sich per aspera ad astra an die Spitze kämpfen müssen – dabei an Niederlagen wachsen und vor allem auch die Chance haben, von besseren Teamkollegen zu lernen und sich deren Arbeitsweise abzugucken? Die Geschichte lehrt: letzteres. Ferrari meint: Die Kuschelvariante sei besser.

Natürlich haben alle Entscheider in der Formel 1 genau beobachtet, wie Schumacher sich im Debütjahr schlägt. Das Urteil ist einhellig: genau so, wie es ein Fahrer mit seinem Erfahrungsstatus tun muss. Die Parameter, nach denen solche Auguren urteilen, sind völlig andere als jene, die durch die Medien geistern: Da geht’s um Steigerungen der Rundenzeiten, wachsendes Verständnis für den Umgang mit der Technik und eine entsprechende Umsetzung über die Saison hinweg, auch um das Delta zum Teamkollegen – aber nicht um Unfälle und blanke Resultate, die kontextlos zur Kenntnis genommen werden. Dass Schumacher ganze null WM-Punkte hat, interessieren bei der Beurteilung niemanden, der sich auskennt.

Theoretisch hätte Schumacher in seiner Lehrphase die Chance zu einem Aufstieg gehabt. Aber da er Ferrari-Junior ist, dessen Weg als Nachfolger von Carlos Sainz intern vorgezeichnet ist, lassen andere Teamchefs fein die Finger von ihm: Warum sollten sie einen aus dem Feindeslager auch noch ausbilden? Das käme nur infrage, wenn Ferrari ordentlich dafür bezahle. Und das brauchen die Italiener nicht, denn sie haben zwei Satellitenteams, die sie schon cofinanzieren.

Also muss Schumacher ein weiteres Jahr ins harte Brot der Hinterbänkler beißen. Und hoffen, dass Haas-Ferrari für 2022 ein Auto auf Kiel legt, das Anschluss ans hintere Mittelfeld findet. Darauf baut auch Ferrari, die einen eigenen Ingenieursstab nur für die Kunden aus den USA abgestellt haben. So soll die kommende Saison zum einzig relevanten Lehrjahr für Mick Schumacher werden.


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