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16.02.2019

Formel Farce


Noch immer nix von der Formel 1 auf dieser Website? Habt Ihr Euch schon gefragt, warum PITWALK die Vorstellungen der neuen Grand Prix-Rennwagen konsequent verschweigt? Die Antwort ist einfach: Weil es nichts zu berichten gibt.

Alle Teams zeigen irgendwelche bestenfalls halbfertigen Wagen und erwarten dann, dass die Medien wie wild darauf anspringen. Dabei ist der Neuigkeitswert gleich Null. Williams präsentiert eine neue Farbgebung auf dem Vorjahreswagen. Das neue Modell wird nicht mal zum Beginn der Testfahrten kommende Woche in Katalonien fertig sein. Aber das neue Dekor soll berichtenswert sein? Nix davon.

Ferrari zwängt seine Fahrer in Anzüge, als wären sie Politiker auf dem Weg in den Bundestag. Die Aktiven sollen möglichst staatstragend gucken, während sie Floskeln von sich geben wie, „alle im Team werden alles geben, um möglichst vorn dabei zu sein“ – ja was denn sonst, als Formel 1-Team voller hochgezahlter Spitzensportler und Topingenieure. Hat wirklich jemand gedacht, die wollen alle nur spielen und sind zufrieden, wenn sie um Platz 7 abwärts mitfahren?

Also wirklich.

Und beim neuen Auto gähnt ausgerechnet an jener Stelle, wo sich in Sachen Entwicklungsarbeit die meiste Spannung abspielt, gähnende Leere – bei den Segeln und Luftleitblechen an den Cockpitflanken, auch Barge Boards genannt. Ferrari hat der Einfachheit halber erst gar keins montiert – während andere Rennställe bei ihren Präsentationen munter die alten Versionen aus der Saison 2018 angeschraubt hatten, obwohl jeder weiß: Dieses Jahr müssen diese Segel in ihren Maßen und Formen völlig anders ausfallen.

Aber nicht nur Ferrari hat sich nach Kräften blamiert, auch Toro Rosso. Deren Online-Video vom neuen Auto, das ich aus Versehen angeschaut habe, ist ein reines Ärgernis: Ein dunkelblaues Auto wird vom schwarzen Bildschirmhintergrund aufgemampft. Abgesoffen, heißt das in der Sprache der Fotografen und Grafiker. Aber die optische Panne ist in diesem Falle gewollt, denn keiner soll sehen, dass der Toro Rosso ein Replikat des neuen Red Bull ist – weil dieses Jahr erstmals beide Limoteams Honda-Motoren verwenden.

Toro Rosso ist im Grund über. Seit Pirelli den sportlich-fahrerischen Wert der Formel 1 mit bewusst schlechten Reifen verzwergt hat, braucht man das B-Team nicht mehr für Kälbchenzucht. Die Österreicher können ihre Fahrer aus dem Nachwuchskader in den Nachwuchsformeln prüfen und bei Talentüberzeugtheit direkt ins A-Team aus Milton Keynes hieven.

Deswegen möchte Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz Toro Rosso ja auch schon seit 2009 verkaufen, findet aber keinen Abnehmer, der seinen hohen Preis zahlen möchte.

Seither ist das Team ein Spielball egopolitischer Machtspielchen von Teamchef Franz Tost. Der hat sich erst gerade wieder öffentlich zitieren lassen, ein junger Fahrer brauche zwei bis drei Jahre, ehe er reif und bereit für die Formel 1 sei.

Und dann schmeißt er Brendon Hartley nach nur einem Jahr wieder raus.

Red Bull seinerseits zeigt eine Farbgebung, die nur für Tests aufs Auto kommt. Und Sauber, das neuerdings Alfa-Romeo heißen muss, dreht am 14. Februar in Fiorano allein seine ersten Runden, in einer angeblichen „Valentinstag-Sonderlackierung“. Eigentlich soll der Test geheim sein, doch dann sickern unscharfe Videos vom Eintagesdekor durch – und keiner hinterfragt die Logik dahinter: Ist der Test geheim – wozu dann die Sonderlackierung, wenn’s doch keiner sehen soll?

Viele Formel 1-Fans lassen all’ das mit sich machen, sogar viele Berichterstatter auch. Dabei sind solche Aktionen nur eines: Verdummung der Fans. Die Grand Prix-Szene spielt irgendwas von Topfschlagen bis Flaschendrehen, mehr kommt nicht dabei rum, aber viel zu viele berichten darüber und vervielfältigen den Stuss auch noch in den Sozialen Netzwerken.

Als Journalist mit einem Anspruch an sinnvolle und richtige Berichterstattung darf man so etwas nicht mitmachen. Deswegen zeigen wir auch hier nur den Mercedes. Denn die Schwaben haben als einzige jenen Wagen vorgestellt, der auch wirklich das Basismodell für die bevorstehende Saison ist.

Wer hätte das gedacht? Ganz plötzlich ist ausgerechnet Mercedes jenes Team, das Fans und jene Multplikatoren, über welche die Fans angesprochen werden – Journalisten also – ernst nehmen. Wenn man noch an die Zeit von Sportchef Norbert Haug und dessen Pressemann Wolfgang Schattling zurückdenkt, als die Marke so offen und zugänglich war wie Erichs Lampenladen – die Zeiten in der Formel 1 haben sich ganz schön gedreht.

Aber nur im Falle von Mercedes zum Besseren.

Alle anderen führen die Zuschauer am Nasenring durch die Manege.

Darum berichten wir auch erst dann wieder über die Formel 1, wenn es darüber wirklich was Substanzielles zu sagen oder schreiben gibt. Also nach den Testfahrten kommende Woche in Barcelona.

Dann erfahrt Ihr hier aber die umfassendste und genaueste Analyse der neuen Generation aller deutschen Medien überhaupt. Ob im Podcast oder als Blog, das bleibt noch zu überlegen. Aber dass da was Großes auf Euch zukommt – das könnt Ihr Euch jetzt schon mal vormerken.


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