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26.09.2016

Drift Challenge


Die Stimme wird mir wohl ewig im Ohr bleiben. „Hello, this is Colin; Colin McRae“, so meldete er sich immer am Telefon.

„Kouhlin; Kouhlin MäcRrrrrieh.“

Nur in Lautschrift kann man jenen einzigartigen schottischen Akzent einigermaßen rüberbringen, der einem durchs Telefon entgegen knarzte, wenn Colin McRae einen anrief.

War er der größte Rallye-Fahrer aller bisherigen Zeiten? Oder war es Henri Toivonen? Oder doch Walter Röhrl? Und wie passt Sébastien Loeb in die Reihe rein? Selbst mir, der ich mich schon so lange mit dem Rallyesport befasse, fällt die Antwort nicht ein.

Wahrscheinlich kann man solche Vergleiche wirklich nicht ziehen. Zu unterschiedlich die Epochen, zu anders die Anforderungen, die an Fahrkönnen, aber auch an Repräsentationsfähigkeit und Massenkompatibilität an die Akteure gestellt wurden.

Aber eines ist klar: McRae hat – wie Röhrl vor ihm und seither niemand mehr – den Rallyesport ins Rampenlicht gerückt. McRae gehört in eine Reihe mit Dale Earnhardt, mit Ayrton Senna oder Stefan Bellof.

Alle Genannten sind inzwischen tot, und wahrscheinlich stimmt der Satz, den Bernd Rosemeyer jr. in der neuen Ausgabe von PITWALK über seinen ebenfalls tödlich verunglückten Vater sagt.

Der Klub der 27-Jährigen – angeführt von Jimi Hendrix und Janis Joplin, ergänzt um Kurt Cobain und zuletzt um Amy Winehouse – gibt dem ja auch recht: Erst in der Tragödie werden Stars zu Helden.

Jeder, der McRae mal erlebt hat, muss gefesselt sein vom draufgängerischen Fahrstil des Schotten. Und jeder, der – wie ich – das Glück hatte, einen persönlichen Kontakt zu McRae zu pflegen, wird auch den Umgang mit ihm nie vergessen.

Im Fernsehen konnte er seine Floskeln und die nötigen Allgemeinplätze freundlich und verbindlich vortragen, so wie es in seiner Zeit gerade nötig zu werden begann – und wie es die Herren Röhrl und Toivonen noch nicht tun mussten. Aber im privaten Gespräch begegnete einem ein anderer McRae, schottisch-derb, deutlich, aber nie mit jenem Fünftklässler-Pausenhofvokabular, wie es zuletzt im DTM Einzug gehalten hat.

Bei der Produktion unserer großen McRae-Geschichte für die gerade neue Ausgabe von PITWALK, die am 23. September erscheint, fiel mir erst wieder so richtig auf, wie speziell der Rallyesport ist – und wie sehr er mir seit meiner Zeit, als ich bei Eurosport die Kommentierung der Rallye-WM übernahm, ans Herz gewachsen ist. Deswegen habe ich den Rallye-Themenblock im neuen Heft auch flugs ausgeweitet – um eine Bestandsaufnahme der Deutschen Rallye-Meisterschaft, die sich in einem neuen Aufschwung befindet, und um einen Test des jungen Toyota GT86 R3. Denn ich hatte schon länger den Eindruck: TMG hat da einen großen Wurf gelandet, der das Zeug hat, den Rallye-Kundensport ordentlich aufzuräumen und neu zu ordnen. Ob das wirklich so ist, wollte ich am eigenen Leib herausfinden – und machte mich mit Toyota-Fahrer Hermann Gassner jr. auf hautnahe Spurensuche.

Diese Rallye-Abteilung im Heft ist hoffentlich der Startschuss für einen weiteren – oder besser neuerlichen – Ausbau der Rallye-Berichterstattung in PITWALK. Denn die Einzelzeitfahren des Motorsports werden in der öffentlichen Wahrnehmung derzeit unter Wert geschlagen, ihre Faszination und ihr Facettenreichtum kommen nicht rüber.

Ich muss mal gucken, ob und wie wir das im kommenden Jahr ändern können. Aber jetzt soll es zuerst um die neue Ausgabe von Ende September gehen, deren Druck müsste schließlich inzwischen abgeschlossen sein – mit McRae als eines der Titelthemen.

Es gibt für mich keinen Zweifel: Colin McRae gehört zum Besten, was der Motorsport je hervorgebracht hat.

Deswegen war es auch ein Herzensanliegen, ihn mit in unser „Heft der Helden“ einzubinden, das kommende Woche auf den Markt kommt. Denn McRae ist ein echter Held.

Unser Autor Carlton Kirby hat McRae persönlich öfter und enger erlebt als ich selbst. Er erhebt den bei einem Hubschrauberabsturz tödlich verunglückten Rallyestar in seiner Serie „Good Old Boys“ dieses Mal zum Hauptdarsteller. Und er schafft es, ein komplexes Bild über die Persönlichkeit und das fahrerische Können McRaes gleichermaßen zu zeichnen.

Als ich – um mit Udo Lindenberg zu sprechen – ein kleiner Junge war, habe ich mir die damals noch existente Zeitschrift „rallye racing“ vor allem wegen der Berichte über Walter Röhrl gekauft.

Ich bin froh und stolz, dass wir in Carlton Kirbys Geschichte über Colin McRae jetzt einen ganz ähnlichen Kaufanreiz geschaffen haben.

Denn ich bin sicher, dass Kirbys Geschichte über den Rallye-Megastar bei allen Lesern ganz große Gefühle auslösen wird.


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