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28.03.2019

Die Super-Nasen


Die Nacht von Barcelona war kurz. Nach der Präsentation des Tourenwagen-Weltpokals 2019 hing man noch lange in der Location, dem El Born, denn der Umgang in der WTCR ist immer wieder eine Freude: auskunftsfreudige Teammitglieder, emotionale Fahrer, ein nahbares Management – so sollte Motorsport überall sein.

Doch eine Sache stößt dann doch sauer auf. Plötzlich ist alles „super“. Immer und überall.

Vielleicht ist „super“ international ein neues In-Wort, wie „krass“ oder „nicht wirklich“ in Deutsch?

Jedenfalls nervt es mittlerweile genauso.

Vor allem im Motorsport. Da haben wir eine „Super Season“ der Sportwagen-WM. Das „Super Sebring“ ließ nicht lange auf sich warten. Bei Lucas di Grassi, dem Audi-Piloten in der Formel E, ist alles immer „super fast“. Und seit Mittwochabend gibt es auch noch die „Super Grid“.

Nun ist es nicht so, dass die Veranstalter des Tourenwagen-Weltpokals damit nicht recht lägen. Das Startfeld der WTCR ist in der Tat gespickt mit mehr großen Namen und mehr hochdekorierten Fahrern als die meisten anderen Rennserien der Welt.

Aber es fällt auf, wie sehr die WTCR-Macher sich an dem bedienen, was anderswo schon funktioniert. Es gibt neuerdings einen knapp mannshohen Pokal – wie die Borg-Worner-Trophy beim Indy 500. Die Fahrer haben ihre festen Startnummern und die auch noch selbst in möglichst grellen Farben gestaltet – wie es die Speedway-WM und die MotoGP vor- und die Formel 1 dann nachgemacht hat. Und die „Super Grid“ ist ein Plagiat der oben genannten Marketingphrasen.

Auch dagegen ist wenig zu sagen. Denn warum soll man nicht das bündeln und für seine eigene Stärke nutzen, was anderswo schon funktioniert und sich bewährt hat? Aber ein bisschen weniger offensichtlich als das Überstrapazieren von „Super“ dürfte es dann doch sein.

Trotzdem zeigt sich die WTCR in einem erstaunlichen Zustand: Vor einem Jahr lag sie auf den Trümmern der Tourenwagen-WM mit ihrer zu teuren TC1-Klasse auf dem Sterbebett. Jetzt floriert sie mit mehr als 30 Autos von sieben verschiedenen Marken, mit Stars wie Yvan Muller, Andy Priaulx, Rob Huff, Gabriele Tarquini oder Thed Björk – und mit Autos, die man sich anschauen kann und die trotzdem nicht zu teuer sind.

Man kann die Organisatoren nur beglückwünschen, dass sie sich von der durchaus vorhandenen fixen Idee, mit der Klasse 1 was zu machen, losgesagt haben. Das sah vor zwei Jahren bei der WM-Präsentation in Monza noch ganz anders aus. Durch die Konzentration auf eine echte Tourenwagenklasse, mit Autos für Teams und nur einer mittelbaren Werksunterstützung, hat man den richtigen Weg beschritten und die Serie zukunftsfähig gemacht.

Eigentlich war die Legislaturperiode der TCR in der Weltserie nur für zwei Jahre ausgelegt. Diesen Plan haben die Franzosen stillschweigend beerdigt. Die WTCR wird ein Langfristprojekt. Und sie ist auch wieder auf der Nordschleife dabei, im Vorprogramm des 24 Stunden-Rennens.

Ist doch super, oder?


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