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23.05.2018

Der Schmarrn mit dem großen Rennen


Momentan tobt irgendwie die Diskussion darüber, welches Rennen das großartigste in der ganzen Motorsportlandschaft sei. Es gibt für diese Debatte eigentlich keinen Anlass, aber die Veranstalter des Deutschen Tourenwagen-Masters haben sie losgetreten, weil sie mit dem Rücken zur Wand stehen – und plötzlich stimmen alle mit ein.

Los ging das Palaver mit einem DTM-Lauf in Hockenheim, bei dem in Timo Glock und Gary Paffett zwei Fahrer über mehrere Runden hinweg miteinander kämpften und sich auch überholten. Das DTM-Lager posaunte daraufhin in die Welt, das sei garantiert das beste Rennen aller bisherigen Zeiten gewesen – weil ihre Serie durch den Ausstieg von Mercedes vor dem Aus steht, ließen sie sich zu solch’ einer kommunikativen Verzweiflungstat hinreißen.

Dabei übersahen sie völlig, dass solche rundenlangen Duelle in der Sportwagen-WM in jedem Rennen mehrfach stattfanden, solange Audi und Porsche noch dabei waren.

Da an diesem Wochenende zwei der wirklich großen Autorennen der Welt stattfinden, bietet es sich an, das alles mal ein bisschen in Relation zu setzen. Denn sowohl der Formel 1-Grand Prix von Monaco als auch das 500 Meilen-Rennen von Indianapolis im Mittleren Westen der USA sind echte Klassiker mit Riesenpublikum – keine aufgeblähten nationalen Veranstaltungen, die künstlich hochgejazzt werden.

In Indy etwa fallen 300.000 Zuschauer über das riesige Oval her, in dem die Autos mit mehr als 300 km/h im Zentimeterabstand an einer Betonwand vorbei rauschen. Dieses Jahr sind erstmals seit langer Zeit wieder so viele Autos genannt, dass sich nicht alle für die Highspeedorgie qualifizieren konnten – ausgerechnet Superstar James Hinchcliff kam nicht über die Qualihürde, das ist so, als würde sich Sebastian Vettel nicht für den Monaco-Grand Prix qualifizieren.

Indianapolis hat alles, was ein wirklich großes Autorennen auszeichnet. Deswegen brauchen die Veranstalter sich auch keine brüstenden Superlative auszudenken, die auf den ersten Blick als schwülstige Fake News zu enttarnen sind.

Monaco geht’s ganz ähnlich. Zwar hat die Formel 1 in Singapur und Aserbaidschan zwei weitere Stadtrennen vor spektakulärer Kulisse erschaffen, doch an den Flair von Monte Carlo kommen beide nicht ran. Denn Monaco hat – genau wie auch Indy – eine historisch gewachsene Motorsportkultur. Im Fürstentum findet der wuseligste Grand Prix und alljährlich im Januar auch die spektakulärste Veranstaltung der ganzen Rallye-WM statt. Und zwar schon seit knapp 100 Jahren.

Diese Geschichte kann man nicht durch Neukreationen an den Rand drängen. Das Rennen in Aserbaidschan wird es schon kommendes Jahr nicht mehr geben. Singapur ist schön spektakulär, aber beileibe kein moderneres Monaco.

Anders gesagt: Jeder will nach Monte Carlo, weil sich dort Glitz und Glamour mit ehrlichem Motorsport verbinden. Auch wenn das Rennen selbst meist dazu geeignet ist, nebenbei Patiencen zu legen – weil man auf dem engen Stadtkurs, der mehr eine Bobbahn als eine Rennstrecke darstellt, so gut wie nicht überholen kann.

Die Unterschiede zwischen den historisch gewachsenen Klassikern und dem Marketingkunstprodukt DTM sind so augenfällig, dass man über den Claim des DTM mit dem besten Rennen aller bisherigen Zeiten gar nicht weiter nachzudenken braucht.

Aber die unsinnige Diskussion ist von den Machern des 24 Stunden-Rennens auf dem Nürburgring mit deutscher Gründlichkeit gleich noch auf diese Veranstaltung ausgedehnt worden. Dort zählt man Zuschauerzahlen pro Tag und addiert daraus eine Summe für einen Tag, und bei der Auswertung des Livestreams wird jeder, der sich zwischendurch immer mal wieder reinklickt, als neuer Zuschauer gezählt – das ist so, als ob eine Zeitung oder Zeitschrift jedes Umblättern als zusätzlichen Leser erfasst und so mit gewaltigen Auflagenzahlen hausiert. Im Internet geht so was, beim 24 Stunden-Rennen am Ring sowieso. Aber auch hier muss man sagen: Wahre Größe hat nicht der Eifelmarathon – er steht klar im Schatten der 24 Stunden von Le Mans, die mehr Zuschauer, mehr Stil und mehr Sportsgeist aufweisen.

Beim 24 Stunden-Rennen am Ring saß ich sonntags mit Mark Webber frühstücken, zu einer recht frühen Stunde. Gemeinsam philosophierten wir über Fachwissen und Auftreten der Zuschauer bei den verschiedenen Rennen. Die Quintessenz, niemand kenne sich so gut aus wie englische Fans, ist unumstritten, konnte aber am Ring noch mal manifestiert werden.

So kann man denn eine Liste mit den größten Rennen der Welt aufstellen. Le Mans würde sie anführen, vor Indy und Monaco. Deutsche Veranstaltungen schafften es nicht unter die ersten 20. Vielleicht mache ich solch ein Ranking mal im nächsten Heft, damit so ein Stuß wie nach dem DTM-Rennen in Hockenheim erst gar nicht mehr hochkochen kann.


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