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01.07.2021

Der Max-Faktor


Der Fan mit Stil trägt heute Orange. Denn in unserem Nachbarland sind sie alle im Formel 1-Fieber – mit allen skurrilen Auswüchsen, die bei niederländischen Sportbegeisterten nun mal dazugehören.

Ob beim Fußball, bei den Eisschnelllaufspektakeln in Heerenveen und Assen und nun eben auch bei der Formel 1 – immer, wenn Oranje-Sportler erfolgreich sind, flippen ihre Landsleute in einem Maße aus, wie man es von kaum einer Nationalität der westlichen Welt kennt. Und dieser Tage gibt es in den Niederlanden selbst auf den Straßen nur ein alles beherrschendes Thema: Max Verstappen auf Weltmeisterkurs.

So sagt es Jeroen Bleekemolen, ein erfolgreicher und international renommierter Sportwagenpilot aus Aerdenhout, den ich spontan als Holland-Experten für die jüngste Ausgabe unseres Formel 1-Expertentalks auf PITWALK TV eingeladen hatte: Mit dem Fußball ginge ja nun nichts mehr vorwärts, also konzentriere sich alle Leidenschaft auf Verstappen.

Bleekemolen fand dabei sogar noch einen bemerkenswerten Nebenaspekt: Auch die vielen anderen Rennfahrer aus den Niederlanden würden davon profitieren, wenn Motorsport plötzlich als Massenphänomen und nicht mehr nur als Nischensport wahrgenommen werde.

Den Effekt gab es in Deutschland auch schon zwei Mal: In den frühen Achtzigern, notabene ab 1983, als Egon Müller im Motodrom Halbemond Speedway-Weltmeister wurde – und natürlich in der Hochphase der Schumania, der Begeisterung um den siebenfachen Weltmeister Michael Schumacher. Beide Male schwammen in deren Kielwasser junge Fahrer mit, die ebenfalls den Weg an die Weltspitze fanden, und es gab auch einen breiten Unterbau von Driftern und Piloten, welcher die jeweiligen Sparten auf eine gesunde Basis stellten.

Doch dann haben in beiden Fällen die Funktionäre versagt. Statt die kurzfristige Begeisterung zu nutzen und mit konkreten, systematischen Förderkonzepten den Grundstein für einen nachhaltigen Boom zu legen, ließen sie die privaten Initiativen einfach laufen – und demzufolge liefen sie irgendwann aus. Speedway ist heute nicht mal mehr eine Randsportart, sondern außer unter reinen Insidern sogar in der Versenkung verschwunden – und in den Nachwuchsformeln, welche die Brücke zwischen Kartsport und einer Profikarriere etwa in der Formel 1 oder bei Le Mans-Sportwagen schlagen, tummeln sich hauptsächlich ausländische Fahrer, Deutsche stehen da schon in einem Exotenstatus. Nach Sebastian Vettel und Mick Schumacher ist kein deutsches Talent in sich, das Formel 1-tauglich wäre.

Machen die Niederländer es jetzt besser? Viel spricht dafür. Denn unsere Nachbarn sind vor allem ein Hort unglaublicher Kreativität. Das geht bei den Fan-Aktivitäten los. Die sind nicht nur farbenfroh und laut, sondern immer auch mit einer gehörigen Prise Humor gewürzt. Wer sich in die Reihen der begeisterten Niederländer traut, der erlebt unweigerlich eine ganze Menge. Und das Sympathische dabei: Es geht zwar immer wild zu – aber niemals feindselig oder gar aggressiv wie etwa beim Fußball. Die Niederländer kultivieren zwar stets ihre Abneigung gegen uns Deutsche – doch in Wahrheit schließen sie uns gleich mit in ihr Herz, wenn wir ihnen zeigen, dass wir ihren Humor und ihre Attitüde klasse finden. Mit Niederländern im Motorsport lässt sich jedenfalls besser lachen, feiern und fachsimpeln als mit den meisten Deutschen.
Die Ursache für die ganz besondere Atmosphäre unter holländischen Fans liefern die auf Nachfrage auch gleich mit: Weil das Land so klein sei und es nur selten mal echte Spitzensportler auf absoluten Weltniveau gebe, werde jeder, der es an die Spitze schaffe, um so frenetischer gefeiert.

Klingt entwaffnend charmant und logisch zugleich.

Und wird an diesem Wochenende gleich mit doppelter Vehemenz zelebriert: Zum ersten Mal seit der Lungenseuche sind wieder volle Ränge bei einem Grand Prix erlaubt. Die Reisen, die der Max-Verstappen-Fanklub zum Großen Preis von Österreich anbot, waren binnen Stunden ausverkauft. Denn die Begeisterung für Max Verstappen übersteigt sogar die extremsten Phasen der Schumania in Deutschland.

Alles spricht dafür, dass die orangene Armee am Sonntag wieder Grund zum Jubeln haben wird: Die Datenanalysen zwischen den beiden Rennen auf derselben Piste haben die Red Bull-Ingenieure davon überzeugt, wie sie jene neuen Frontflügel urbar machen können, die am vergangenen Sonntag nach einem Vergleichstest noch in den Transportkisten bleiben mussten. Und es soll sogar regnen. Auf nasser Bahn ist niemand so gut wie Verstappen: Er findet instinktiv eine Regenlinie, auf die andere Piloten sich nicht trauen – und er kapiert um Runden schneller als der Rest, wie weit er sich auf schlüpfriger Bahn ans Limit wagen darf. Diese Explosion der Griplehre birgt zwar ein Abflugsrisiko – doch wenn Verstappen das Limit trifft, ist er schon nach drei Runden im Nassen allen Anderen vorentscheidend enteilt.


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