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24.02.2020

Der englische Patient


Es war wohl so eine Art Vorahnung, wegen der wir bei der Bebilderung der Hypercar-Geschichte in der neuen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK auf jegliches Motiv von Aston Martin verzichtet haben. Und in der Tat haben die Engländer die AKK gemacht und sich davon und aus der Verantwortung gestohlen, während das Heft gedruckt wurde, und damit eine in der Szene schon lange gehegte Befürchtung wahr werden lassen: Aston Martin ist eine Luftnummer.

Man darf sich von der Begründung der Engländer im Jürgen-Klinsmann-Stil nicht irreleiten lassen. Die Kommunikation folgte einer einfachen Logik: Man wartet mit dem Verkünden einer eigenen schlechten Nachricht so lange, bis sich von außen her irgendein Grund herbei konstruieren lässt – dann steht man selbst nicht mehr in einem so ganz schlechten Licht dar, sondern reicht den Schwarzen Peter einfach weiter.

Das lernt man im Grundschulunterricht für Pressesprecher.

Die echten Ursachen für das Abblasen der Hypercar-Pläne von Aston Martin liegen im Unternehmen selbst begründet. Sie wurden auch bei der Recherche und beim Verfassen des Artikels schon ins Felde geführt, notabene bei der großen Rechercheoffensive im schwedischen Arvidsjaur. Dort verwies ein Informant, dem man zu 100 Prozent trauen kann, auf die derzeitige Firmentaktik der Engländer: Die legen immer wieder neue Sondermodelle und Kleinstserien auf, um so Anzahlungen von Sammlern einholen und deren Bestellungen als Sicherheit für Überbrückungskredite hinterlegen zu können. Nur so retten sie ihren Cashflow, obwohl sich das Eigenkapital der Firma binnen kürzester Zeit auf eine Neige von nur noch 20 Prozent verflüchtigt hat.

Trotzdem hat Aston Martin jahrelang so getan, als wären sie mindestens so stark und finanzkräftig wie Porsche: Immer neue Modelle, immer mehr und vielfältigere Motorsportprogramme ließen den Eindruck entstehen, das Unternehmen sei im starken Wachstum. Smoke Screen, nennt der Engländer das, oder Putting up Wallpapers. Man könnte auch sagen: täuschen.

Jedenfalls tauchte die Marke plötzlich in der Formel 1, in drei Sportwagenlangstreckenklassen, im DTM und mit Studien auch im Hypercar-Konzert der Zukunft auf. Eigentlich haben sich alle mit ein bisschen Einblick nur gefragt, wie lange das Kartenhaus stehenbleiben kann.

In der großen Hintergrundgeschichte in der neuen Ausgabe der Zeitschrift PITWALK, welche diese Woche auf den Markt kommt, steht noch jene offizielle Aussage drin, die Aston Martin bei der letzten Sitzung der Langstreckenkommission der FIA vom Stapel gelassen hat: Testbeginn Mitte Mai. Auch diese Info sollte laut den Wünschen der Konferenzteilnehmer eigentlich geheim bleiben, aber dem konnten wir im Sinne des Journalismus nicht entsprechen.

Die wirtschaftspolitische Großwetterlage hat diese Behauptung inzwischen überholt, sodass das Aston Martin-Hypercar sich zu einem Karnevalskostüm verwandelt hat: Man trägt es, solange es die Zeit hergibt, macht darin, was man will, und am Aschermittwoch ist alles vorbei.

Mit einem kleinen Unterschied: Hier sind Veranstalter und Konkurrenten bewusst genasführt worden. Denn nicht erst der Einstieg von Lawrence Stroll und seinem Konsortium als neuer Aston-Teilhaber hat den Wind sich drehen lassen. Der blies auch schon vorher steif von vorn. Jetzt ist passiert, was irgendwann kommen musste.

Man hat nur versucht, einen Nebenkriegsschauplatz zum Ort der Haupthandlung umzuwidmen – und so die Schuld all' jenen zuzuschieben, denen man monatelang vorgegaukelt hat, alles ginge seinen Gang.

Diese Zusammenhänge sollte man bei der Bewertung der Entwicklung aus der Vorwoche – und beim Lesen der neuen PITWALK – stets im Hinterkopf haben.


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