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15.01.2020

Dakarfieber: Mannschaftssport


Jetzt wird's taktisch. Um die Marathonetappe gut zu überstehen und damit Nasser Al-Attiyah den Spieß bei der Rallye Dakar noch umdrehen kann, muss das Toyota-Großaufgebot sich eine Strategie zurechtlegen. Der Zweitplatzierte aus Katar profitiert dabei davon, dass so viele Bakkies – so heißen Pritschenwagen in Südafrika – im Wettbewerb mitfahren wie Dromedare in einer Herde neben der Rallyeroute einhertrotten.

Schließlich setzt nicht nur das Hallspeed-Team aus Kyalami – die Hauptdarsteller in der Titelgeschichte der aktuellen Ausgabe unserer Zeitschrift PITWALK – eine Handvoll Hilux ein, sondern auch die belgische Overdrive-Mannschaft vom fülligen Teamchef Jean-Marc Fortin. Dabei handelt es sich um Kundenautos, welche gemietet werden können. Teils sind dabei Herrenfahrer aus Lust am Abenteuer dabei – teils aber auch, wie Yazeed Al-Rahji – echte Hotshots am Lenkrad.

Wie genau die Verhältnisse zwischen Hallspeed und Overdrive sind, steht alles in der großen Geschichte vom PITWALK-Hausbesuch bei Hallspeed in Kyalami im aktuellen Heft.

Jedenfalls wird genau diese Kundensportallianz jetzt zu einem Ass im Ärmel von Nasser Al-Attiyah. Denn bis auf Ronan Chabot, der seinem Hilux gestern die rechte Vorderradaufhängung aus den Anlenkpunkten gerissen hat, sind alle Overdrive-Pickups noch im Rennen. Und auch die Werkswagen von Hallspeed.

Für die Marathonetappe am Mittwoch und Donnerstag greift deswegen ein Masterplan. Am Mittwochabend ist kein Mechanikerzugang zu den Boliden erlaubt, Fahrer und Beifahrer müssen alles mit Bordmitteln reparieren. Man kann die Wüstenprototypen mit jeder Menge Ersatzteile und Werkzeuge vollladen. Dazu gibt es einen doppelten Boden unter der Fahrerkabine, in der vom Ersatzreifen bis hin zur Antriebswelle und zum Getriebe Platz für alles Mögliche ist. Bis zu 50 Kilogramm Material kann man einem Hilux zuladen, wenn ihn bis zum Stehkragen vollpackt.

Aber zusätzliches Gewicht kann Al-Attiyah eigentlich auf seiner Verfolgungsfahrt im beinharten Duell mit Carlos Sainz nicht gebrauchen. Denn je schwerer ein Auto, desto langsamer. Und da man in Saudi-Arabien ohnehin schon weniger Tankstellen hat als etwa in Südamerika bei den vergangenen Dakar-Ausgaben, muss man allein schon mehr Treibstoff mitführen, bis zu 400 Liter schwappen in den Tanks. Auch das wiegt dann mehr als 400 Kilogramm.

Die latente Neigung zu Reifenschäden macht Hallspeed-Boss Glyn Hall Sorgen. Also muss er seine Overdrive-Kunden mit in die Strategie einbeziehen und die Reifen vor der Abfahrt aus dem Oasenbiwak am Mittwochmorgen so zeichnen lassen, dass sie theoretisch zu einer Lieferkette ausgebaut werden können. Wenn Al-Attiyah seine drei Reserveräder verbraucht hat und ihm noch ein Pneu platzt oder delaminiert, muss ein Markenkollege schnell zur Stelle sein, um ihm ein Ersatzrad spendieren zu können.

Dazu kann man bei der Vielzahl an Hilux eine Versorgung wie mit einem Förderband aufbauen: Der jeweils nächst folgende Markenkollege muss so rasch zur Stelle sein, dass er seinen Ersatzreifen entweder direkt an Al-Attiyah weitergibt – oder an einen Mitstreiter, der weiter vorn oder schneller wird und dann zum nächsten Ersatzteilkurier wird. Das bezieht nicht nur eine Zuteilung von drei Reserverädern pro Hilux mit ein – sondern auch eine strategische Umsetzung der Zielzeiten, um für den zweiten Teil der Marathonetappe genug Wagen im richtigen Abstand zueinander auf die Reise schicken zu können: möglichst nicht direkt hintereinander, aber auch nicht um mehr als drei bis vier Startpositionen voneinander getrennt, damit die Versorgungskette nicht reißen kann.

Schon am Mittwoch wird die Mannschaftsdienlichkeit gefragt sein, sollte Al-Attiyah oder einer der schnelleren Kurierdienstler ein Technikproblem haben. Dann kann man vor der Einfahrt ins Biwak noch schnell das eine oder andere Ersatzteil oder Werkzeug rüberwerfen und auf der Verbindungsetappe sicherstellen, dass Al-Attiyah, Giniel de Villiers oder Bernhard ten Brinke mit legalen Methoden mit allem Material ausgerüstet werden, das sie zur eigenhändigen Reparatur brauchen.

Al-Attiyah hat dabei einen nicht zu unterschätzenden Logistikvorteil im Vergleich zum von ihm gejagten Spitzenreiter Carlos Sainz. Denn es gibt nur zwei X-Raid-Buggys im Wettbewerb, keinen ganzen Schwarm wie bei den Hilux. Und die Allradler von X-Raid haben ganz andere Reifengrößen und damit auch unterschiedliche Aufhängungsteile, sodass der interne Flohmarkt ein deutlich niedrigeres Sortiment aufweist.

Zumal der zweite X-Raid-Buggy von Stéphane Peterhansel gefahren wird. Der liegt auf Rang 3 und hat nach dem dramatischen Dienstag plötzlich selbst wieder allerbeste Siegchancen. Peterhansel hat also Besseres zu tun, als Sainz zu helfen.

So treffen zwei Einzelkämpfer auf der schwersten Prüfung der ganzen Rallye auf eine homogene Mannschaft – mit einem Kapitän, der sich in der Wüste und den Dünen wohler fühlt als Sainz.

Das können ja zwei Tage werden.

Denn wie hieß es im gestrigen PITCAST – dem Podcast der Zeitschrift PITWALK – doch so schön? Plötzlich zählt in der endlosen Weite der Wüste jeder Zentimeter.


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