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15.01.2021

Daily Dakar: Painkiller


Am Freitagabend ist jeder ein Held. Egal ob die Sieger Stéphane Peterhansel und Kevin Benavides – oder jeder Privatfahrer, der erschöpft und ausgewrungen über die Zielrampe der Rallye Dakar in Dschidda fährt. Manch' einer kann nur noch schlingern, weil er knapp 7.500 Kilometer meist in den Fußrasten seiner Maschine gestanden hat – und seine Konstitution dabei gnadenlos überschätzt hat.

Doch es gibt eine Person, die alle anderen Heldenleistungen in den Schatten stellt: Laia Sanz.

Im Coronasommer kriegt die 35-jährige Katalanin nach einem Zeckenbiss Borreliose. Zunächst hält sie die Krankheit geheim und lässt sich in Spanien behandeln. Doch die Heilung dauert so lange, dass sie im Herbst an die Öffentlichkeit geht. Denn sie fürchtet um ihre Dakar-Teilnahme.

Doch die brünette Ibererin wirkt nur auf den Fotos zierlich und zerbrechlich. Das täusche, hat sie schon vor Jahren völlig uneitel in einer intimen Personality Story in der Zeitschrift PITWALK - Ausgabe 41 https://shop.pitwalk.de/magazin/59/ausgabe-41?c=6 – zugegeben, in Wahrheit sei sie ziemlich groß und robust gebaut. Das müsse sie auch sein, gerade an den Oberschenkeln, um die Strapazen einer Marathonrallye auf sich nehmen zu können.

So ein Rallyemotorrad wiegt vollgetankt bummelig 185 Kilogramm. Der 450 Kubikzentimeter große Motor wirkt zwar im Vergleich zu den großen Twins, die KTM auch schon in die Wüste geschickt hat und die man heute in der Motohall von Mattighofen bewundern kann, geradezu zierlich. Doch er reißt ordentlich an den Beinen. Und die kann man erst seit der diesjährigen Ausbaustufe der Maschine ergonomisch entlastend in Aussparungen am Tank einklemmen.

Kurzum: Eine Rally Raid-Maschine fährt man nicht – man bändigt sie.

Sanz muss vor und während der Dakar täglich Antiobiotika gespritzt bekommen, um die Borreoliose zu bekämpfen.

Trainieren hat sie nicht gescheit können, obwohl es in Katalonien eigentlich jede Menge Pisten und Offroadgelände gibt, auf denen die Dakar-Stars legal und anspruchsvoll fahren können. Auch dann, wenn's keine Rallyes oder Bajas gibt, kann man in ihrer Heimatregion im Saft bleiben, sowohl im Sattel als auch bei organisierten Roadbook-Trainings. Jordi Villadoms, Exfahrer und heutiger KTM-Teammanager, betreibt dort ein eigenes Rally Raid-Zentrum, Carlos Sainz hat für X-Raid während der Coronastarre Testmöglichkeiten in der Region aufgespürt und organisiert, die Teamchef Sven Quandt als cool geadelt hat.

Sanz ist zu schwach, um regelmäßig in die Berge zu fahren. Sie hofft darauf, dass die Medikamente anschlagen – und legt sich für die Dakar ihre ganz eigene Strategie zurecht: durchrollen, nichts riskieren, auf Ankommen fahren. Die Top 20 wären ein Traum.

Doch die Taktik spült sie in der ersten Woche so weit zurück, dass sie ab der Marathonetappe permanent im Staub der Vorderleute fährt. Die Staubfahne paniert sie, raubt ihr die Sicht, macht das Fahren noch mühsamer. Eine Abwärtsspirale setzt ein, als sich auch noch der Trainingsrückstand bemerkbar macht: Anfang der zweiten Woche fängt sie sich eine Sehnenscheidenentzündung im rechten Arm.

Dann führt Doktor Zufall Regie. Der Antibiotikatropf schlägt auch gegen den Tennisarm an, er kuriert sich schneller wieder aus als die gleiche Verletzung bei Sam Sunderland. Sanz zwingt sich in den Sattel. Abends im Biwak kippt sie beinahe von der Maschine. Die Medikamente helfen zwar, haben aber Nebenwirkungen: Sie laugen den Körper ehemalige Trial-Damenweltmeistertin völlig aus.

Nach jeder brutalen Etappe der zweiten Woche schaut sie der Aufgabe ins Auge. Doch jedem Morgen beißt sie die Zähne zusammen: 11 Mal ist sie bei der Dakar gestartet, jedes Mal ins Ziel gekommen. Die Serie darf nicht reißen. Sanz fährt auf dem Zahnfleisch bis nach Dschidda.

Dort wird sie als 17. geehrt – und als Siegerin der Damenwertung.


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